Es handele sich um eine offene Feldschlacht, mit Bedrohungen und Diffamierungen, an deren Ende nur noch juristische Auswege stünden,
sagte der Wissenschaftler der Universität Kassel im Deutschlandfunk
. Innerhalb der AfD gebe es eine permanente Kampflage, in der keiner dem anderen etwas gönne. Das frühere Mitglied der SPD-Grundwertekommission führte aus, zusammengehalten werde die AfD derzeit vor allem durch den Außendruck, also durch die Kampagnen gegen sie.
Zwei Lager und Tumulte
Der Landesverband ist seit langem tief zerstritten und gespalten in ein eher gemäßigt auftretendes Lager rund um den Landesvorsitzenden Vincentz und ein weiter rechts orientiertes Lager, das die Bundesvorsitzende Weidel unterstützt.
Die AfD-Bundesspitze hatte einen Abbruch des Parteitags in Marl erreichen wollen. Sie befürchtet offenbar den Ausschluss von der Landtagswahl nächstes Jahr. Hintergrund sind demnach "übereinstimmende Schilderungen", wonach stimmberechtigte Delegierte bedroht oder erheblich unter Druck gesetzt worden seien. Ein entsprechender Antrag wurde in Marl allerdings abgelehnt.
Das Weidel-Lager verließ daraufhin unter Protest den Saal. Der stellvertretende Landesvorsitzende Zaum sprach von einem "Parteitag der Schande". Der Landeschef Vincentz konnte daraufhin einen Großteil der aussichtsreichen Listenplätze für die Landtagswahl im kommenden Jahr mit eigenen Leuten besetzen. Das Lager hinter Weidel ging weitgehend leer aus.
"Operation Filibuster" in Marl
Zuvor hatte eine Gruppe von Delegierten die "Operation Filibuster" gestartet. Als Filibuster wird eine Taktik bezeichnet, mit der durch andauernde Reden die Beschlussfassung in einem Parlament verhindert werden soll. Beim AfD-Parteitag funktionierte das so, dass für Listenplatz 22 plötzlich mehr als 90 Kandidaten nominiert wurden. Jedem von ihnen standen acht Minuten Redezeit zu, was zu Verzögerungen führte.
Im Bundesvorstand der Partei wird nun Berichten zufolge darüber nachgedacht, Vincentz und den nordrhein-westfälischen Landesvorstand des Amtes zu entheben.
AfD-Landesparteitag in Marl -
Listenaufstellung für NRW-Wahl 2027 wirft Fragen auf
(Audio)
Diese Nachricht wurde am 20.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
