Dlf 02.09.2026
07:30 Uhr

Nach Drohnenvorfall in Leipzig - EU-Außenminister beraten in Irland über europäische Reaktion


Bundesaußenminister Wadephul informiert heute seine EU-Amtskollegen über die bisherigen Erkenntnisse zum mutmaßlichen russischen Anschlagsversuch am Flughafen Leipzig/Halle. Bei dem informellen Treffen im irischen Wicklow sollen nach Angaben von Diplomaten auch erste Beratungen über eine gemeinsame europäische Reaktion beginnen.

Nach Drohnenvorfall in Leipzig - EU-Außenminister beraten in Irland über europäische Reaktion
Die Bundesregierung hält es für erwiesen, dass Russland für den versuchten Anschlag am Flughafen Leipzig vom 4. August verantwortlich ist. Damals war eine mit Sprengstoff und Zündmechanismus präparierte Drohne zwischen ukrainischen Frachtmaschinen entdeckt worden. Die Bundesanwaltschaft wertet den Fall als schwerwiegenden Angriff auf die deutsche Transport- und Logistikinfrastruktur.

Berlin reagiert mit Sanktionen und Schließungen

Als Reaktion kündigte die Bundesregierung die Schließung des letzten russischen Generalkonsulats in Deutschland in Bonn zum 18. September an. Außerdem soll der Vertrag für das Russische Haus in Berlin gekündigt, die Einreisekontrollen für russische Staatsangehörige verschärft und der Druck auf die russische Schattenflotte erhöht werden. Zudem will Berlin auf weitere EU-Sanktionen dringen.

Putin weist Vorwürfe zurück

Russlands Präsident Putin wies die Vorwürfe zurück und sprach von fingierten Beweisen. Die Maßnahmen der Bundesregierung nannte er einen schweren Fehler. Das russische Außenministerium kündigte Gegenmaßnahmen an.

Auch die Verteidigungsminister beraten über Ukraine

Bei dem Treffen in Wicklow geht es außerdem um die weitere Unterstützung der Ukraine. Auf der Tagesordnung stehen die Stärkung der ukrainischen Luftverteidigung, die Vorbereitung auf den Winter, der Schutz der Energieversorgung sowie die Finanzierung weiterer Hilfen. Diskutiert werden soll zudem, ob eingefrorene russische Vermögenswerte künftig stärker zur Unterstützung der Ukraine genutzt werden können.
Zuvor hatten bereits die EU-Verteidigungsminister in Wicklow getagt. Eine Zusagen für Patriot-Flugabwehrraketen für die Ukraine wurde nicht beschlossen. Die EU-Außenbeauftragte Kallas sagte nach dem Ende der Beratungen, es habe Appelle und Gespräche gegeben - ein konkreter Erfolg sei jedoch ausgeblieben. Welche EU-Länder Abfangraketen abgeben könnten, sagte Kallas nicht. Nach Angaben von Diplomaten soll es vor allem um Griechenland und Spanien gehen. Die Ukraine beklagt seit Wochen, dass ihr Abfangraketen dieses Typs fehlen. Sie werden vor allem bei der Abwehr ballistischer Raketen aus Russland eingesetzt.

NATO sichert Deutschland Unterstützung zu

Auch die NATO befasst sich heute auf deutsche Initiative mit dem Fall. NATO-Generalsekretär Rutte sprach von eindeutigen Beweisen und sicherte Deutschland die Solidarität des Bündnisses zu. Die EU-Außenbeauftragte Kallas warnte zugleich vor zunehmenden russischen Provokationen in Europa. Weitere Sanktionen gegen Russland werden in Brüssel nicht ausgeschlossen.

Weitere Informationen:

Drohnen-Vorfall - Bundesregierung macht Russland verantwortlich
Drohnen-Vorfall - Reaktionen aus Russland und der Ukraine
Diese Nachricht wurde am 02.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.