Dlf 09.03.2026
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Newsblog zur Landtagswahl in Baden-Württemberg - Grüne Jugend stellt Forderungen an Özdemir


+++ Die Grüne Jugend fordert, dass Boris Palmer kein Amt in der Landesregierung übernimmmt. +++ Aus Sicht des CDU-Politikers Jung ist die Union im Bund nicht verantwortlich für die knappe Wahlniederlage. +++ Trotz ihres hauchdünnen Vorsprungs erhalten die Grünen im neuen Landtag genauso viele Mandate wie die CDU. +++ Die Entwicklungen im Newsblog.

Newsblog zur Landtagswahl in Baden-Württemberg - Grüne Jugend stellt Forderungen an Özdemir
Das "Handelsblatt" zitiert aus einem Sechs-Punkte-Papier der Grünen-Nachwuchsorganisation. Darin wird unter anderem gefordert, der Tübinger Oberbürgermeister Palmer dürfe wegen dessen "wiederholten rassistischen Äußerungen" keine Funktion in einer neuen Landesregierung erhalten. Weiter fordert die Grüne Jugend Özdemir auf, in einen Koalitionsvertrag aufzunehmen, ein Verbotsverfahren gegen die AfD zu prüfen. Zudem dürfe die künftige Landesregierung im Bundesrat "keine Verschärfungen der Asyl- und Migrationspolitik" mittragen.

+++ Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Schweitzer (SPD) sieht in dem Ergebnis in Baden-Württemberg eine Ermutigung für den eigenen Wahlkampf.

Schweitzer sagte im Deutschlandfunk, ihn mache das Abschneiden der SPD nicht nervös. In Baden-Württemberg habe es einen Zweikampf um die Führung im Land gegeben, der mit unterschiedlichen Farben in Rheinland-Pfalz wiederholt werde. Am Ende komme es auf die Person an. Schweitzer sagte, seine Ampel-Regierung habe eine gute Bilanz vorzuweisen und er wolle seine Arbeit als Ministerpräsident fortsetzen. Knapp zwei Wochen vor der Wahl eines neuen Mainzer Landtags lag die SPD in Umfragen zuletzt knapp hinter der CDU von Spitzenkandidat Schnieder.

+++ Unionsfraktionsvize Jung: "Sondereffekte" für Wahlniederlage verantwortlich

In Berlin seien wichtige Weichen im Bereich Wirtschaft gestellt worden, was von den Wählern auch wahrgenommen werde. Dass es am Ende in Baden-Württemberg nicht gereicht habe, liege an "Sondereffekten", sagte Jung im Deutschlandfunk. Er betonte, beim entscheidenden Thema Wirtschaftskompetenz sei seine Partei besser wahrgenommen worden. Die Bürger in Baden-Württemberg hätten am liebsten die CDU in Kombination mit Özdemir gewollt. Jung wiederholte den Vorwurf, in sozialen Medien sei CDU-Spitzenkandidat Hagel einer Kampagne ausgesetzt gewesen.

+++ Die Grünen-Co-Vorsitzende Brantner sieht im Ergebnis eine gute Nachricht für die Bundespartei.

Brantner sagte im Deutschlandfunk, ihre Partei habe sich seit dem Ende der Ampel-Koalition mit SPD und FDP konsolidiert. Im Bund wolle man weiter harte und konstruktive Oppositionsarbeit leisten, etwa in der Energiepolitik. Zugleich wollten die Grünen den Schub aus Baden-Württemberg mitnehmen in die nächsten Wahlkämpfe auf Landesebene.

+++ Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde Deutschland, Sofuoglu, sieht eine "Erfolgsgeschichte der Gastarbeitergeneration".

Sofuoglu sagte dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland", Özdemirs Eltern seien klassische Gastarbeiter gewesen. "Das ist für mich eine Normalisierung der Gesellschaft, denn Cem Özdemir verkörpert die Identifikation mit dem Land." So werde er unabhängig von seinen politischen Ansichten ein Vorbild für viele junge Menschen mit Zuwanderungsgeschichte", betonte Sofuoglu.

+++ Die Spitzengremien der Bundesparteien beraten an diesem Montag über den Wahlausgang.

Bei den Grünen von Wahlsieger Özdemir tagt am Morgen ein Parteirat. Bei der zweitplatzierten CDU kommen am Vormittag Präsidium und Vorstand zusammen. Im Anschluss (13.30 Uhr) treten Kanzler und CDU-Chef Merz sowie Spitzenkandidat Hagel vor die Presse. Die drittplatzierte AfD äußert sich um 10 Uhr in Stuttgart. Bei der SPD treten um 13.30 Uhr Generalsekretär Klüssendorf und Spitzenkandidat Stoch vor die Presse.

+++ Grünen-Spitzenkandidat Özdemir hat nach den vorläufigen Ergebnissen den höchsten Stimmenanteil für ein Direktmandat im Land errungen.

Seinen Wahlkreis Stuttgart II, den sogenannten Filderwahlkreis, gewann Özdemir deutlich mit 47,9 Prozent der Erststimmen. In keinem ausgezählten Wahlkreis konnte ein Direktkandidat einen höheren Stimmenanteil auf sich vereinen. Özdemirs direkter Konkurrent, CDU-Spitzenkandidat Hagel, erreichte bei seinem ebenfalls klaren Sieg im Heimat-Wahlkreis Ehingen 47,1 Prozent - und lag damit beinahe ebenso dicht hinter Özdemir wie die CDU hinter den Grünen im landesweiten Ergebnis.

+++ Mit knappem Vorsprung vor der CDU haben die Grünen die Landtagswahl in Baden-Württemberg nun auch offiziell gewonnen.

Wie die Wahlleitung in der Nacht zum Montag in Stuttgart mitteilte, erreichten die Grünen mit Spitzenkandidat Özdemir 30,2 Prozent der Stimmen, während die CDU mit Spitzenkandidat Hagel auf 29,7 Prozent kam. Wahlrechtsbedingt schlägt sich der Stimmenvorsprung jedoch nicht in der Sitzverteilung nieder. So erhalten beide Parteien im neuen Landtag mit nun jeweils 56 die gleiche Zahl an Mandaten. Im Falle einer erneuten Koalition würden Grüne und CDU über eine Zwei-Drittel-Mehrheit verfügen.

+++ Der Grünen-Bundespolitiker Nouripour sieht im Wahlerfolg seiner Partei in Baden-Württemberg ein Vorbild für die Gesamtpartei.

Die Wahl sei "eine Blaupause, wie Bündnisgrüne auch bundesweit wieder breiter mehrheitsfähig werden können", sagte Nouripour dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: "Wir müssen dabei nicht überall gleich klingen. Unterschiedliche Bundesländer, Milieus und Lebensrealitäten vertragen auch unterschiedliche Tonlagen und Schwerpunkte." Özdemir sei "ein Meisterstück gelungen", betonte Nouripour, der wie dieser dem Realo-Flügel der Grünen angehört.
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Diese Nachricht wurde am 09.03.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.