|
26.07.2026
16:24 Uhr
|
Während Michel Friedman bei den Bayreuther Festspielen die jahrzehntelange Verdrängung der NS-Verstrickung beklagt, sieht Nike Wagner die Nähe ihrer Familie zu den Nazis eher ökonomisch begründet.

Der nachrichtliche Wert, dass Richard Wagner Antisemit war und seine Nachfahren sich dem nationalsozialistischen Regime angedient hatten, geht inzwischen gegen null. Alfred Polgar schrieb schon 1949 im amerikanischen Exil: „Es geht die Anekdote von einem Musik-Enthusisaten, der Richard Wagner, den Komponisten, so leidenschaftlich liebte, wie er Wagner, den Antisemiten, leidenschaftlich hasste. Der Mann half sich aus dem Zwiespalt, symbolisch zumindest, dadurch, dass er seiner Wagner-Büste einen Lorbeerkranz aufs Haupt legte und einen Strick um den Hals“. Und nachdem Hans-Jürgen Syberberg mit seinem Film über Winifred Wagner deren anhaltende Hitler-Begeisterung 1975 ungefiltert ins Kino gebracht hatte, war ohnehin in der Öffentlichkeit, was Neu-Bayreuth von 1951 an hartnäckig aus den Debatten hatte heraushalten wollen.
Der Komponist Robert Kahn gehörte zur gesellschaftlichen Elite im Berlin der späten Kaiserzeit. Dann brach für ihn als Jude 1933 die Katastrophe herein. Reinhard Wulfhorst erinnert an ihn.
Am eigenen Schicksal wie dem ihres Landes verdeutlicht, was unsere Gegenwart ausmacht: Gabriela Adameșteanus Roman „Stimmen auf Abstand“ ist eine Chronik der laufenden Ereignisse in Rumänien mit melancholischem Refrain.
Georges Bizets Oper „Carmen“ lebt bei den Salzburger Festspielen aus ihrer intensiven Körperlichkeit. Individuelles Profil gewinnt aber nur Asmik Grigorian in der Titelrolle.
Redakteur im Feuilleton.
Kurse und Finanzdaten zum Artikel:
Schlagworte: