FAZ 17.09.2026
16:22 Uhr

(+) Reimanns „Lear“ in Berlin: In brüllender Kälte


Ein Stück, das zu sich selbst findet: Berlins Komische Oper inszeniert sich mit Reimanns „Lear“ wieder einmal einen spektakulären Saisonauftakt.

(+) Reimanns „Lear“ in Berlin: In brüllender Kälte

Interimsspielstätten zwingen zu Kompromissen, aber bieten manchmal auch Chancen. Als Berlins Komische Oper sanierungsbedingt ihr Stammhaus verlassen musste, wurde Ernst Sagebiels riesiges, kalt funktionales Tempelhofer Flughafengebäude zum spektakulärsten der bespielten Ausweichquartiere, weil die puren Dimensionen dieser neoklassizistischen NS-Architektur Monumentalaufführungen ermöglichen, an die im beschaulichen Heimatbau nicht einmal andeutungsweise zu denken gewesen wäre. Die der Not abgezwungene Tugend kam bisher – regelmäßig zu Beginn der Spielzeiten – Henzes „Floß der Medusa“, Händels „Messias“ und dem „Jesus Christ Superstar“ Lloyd Webbers zugute: allesamt gewaltige Massenspektakel.

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