FAZ 25.09.2026
14:02 Uhr

Ärger bei DFB-Gegner: „Das ist eine absolute Schande“


Das Führungstor von Virgil van Dijk zählt nach einem VAR-Eingriff doch nicht – sehr zum Ärger der Niederländer. Auch beim deutschen Treffer durch Felix Nmecha kochen die Emotionen hoch.

Ärger bei DFB-Gegner: „Das ist eine absolute Schande“

195 Zentimeter Körpergröße bringt Virgil van Dijk ins Spiel. Das bekommen nicht nur die gegnerischen Stürmer des niederländischen Verteidigers zu spüren, sondern auch die Abwehrspieler, die den 35 Jahre alten Riesen aus Breda bei Freistößen und Eckbällen verteidigen. 66 Tore hat er in seiner Karriere erzielt – viele per Kopfball. Fast wäre am Donnerstag in Amsterdam das 67. hinzugekommen, im Nations-League-Spiel gegen Deutschland. Nach einem Eckball von Tijjani Reijnders in der 13. Minute verlängerte van Dijk den Ball mehr über die Schulter als mit dem Kopf an Marc-André ter Stegen, der seit dieser Saison bei Ajax Amsterdam spielt, vorbei ins Tor. Die Niederländer jubelten, die Deutschen schauten nach einem starken Beginn konsterniert aus der neuen schwarzen Wäsche. 1:0 – oder doch nicht? Es meldete sich Videoassistent Carlos del Cerro Grande beim Schiedsrichter und schickte Alejandro José Hernández Hernández zum Bildschirm am Spielfeldrand – mit dem Hinweis, dass der Treffer womöglich irregulär war. Worum es genau ging, blieb zunächst unklar. Stürmer Brian Brobbey stand vor dem deutschen Torwart. Letztlich wurde aber gar kein Foul an ter Stegen geahndet, sondern eine Abseitsposition des Niederländers. Das bestätigte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Tag nach dem Spiel dem „Kicker“. Nicht nur der spanische Landsmann Xavi, der ebenso wie Jürgen Klopp seinen Einstand als Trainer der Nationalmannschaft gab, verstand die Fußballwelt nicht mehr. Brobbey stand vor ter Stegen, schob sich auch mit seinem massigen Körper in den Torwart, sodass der nicht zum Ball kam. Wer Brobbeys sonstige Duelle mit Jonathan Tah sah, bei denen kaum gepfiffen wurde, durfte sich zumindest wundern über diese Auslegung. Zurecht, wie nun klar wurde, da die Abseitsposition Brobbeys ausschlaggebend war. Die Entscheidung brachte Rafael van der Vaart am Abend regelrecht in Rage. Der Experte des niederländischen Senders NOS, bekannt als früherer Bundesligaspieler des Hamburger SV, bezeichnete die Entscheidung als „absolute Schande“. Es sei unglaublich, „er (Brian Brobbey, d. Red.) macht ja kaum etwas. Man darf sich natürlich berühren.“ Zudem werde ja „das Tor zuerst vom Schiedsrichter gegeben, der VAR sollte sich da raushalten“. Da wusste aber auch van der Vaart nichts vom eigentlichen Grund. Knapp 20 Minuten später lag der Ball auf der anderen Seite im niederländischen Tor. Wieder verfärbten sich die Gesichter bei Oranje durch Zornesröte. Und wieder war Brobbey beteiligt. Nach einem Duell mit Tah wollte der Stürmer nach vorn sprinten, fasste sich aber vor Schmerz ans rechte Bein und ging zu Boden. Die Fans pfiffen, der Deutsche Nadiem Amiri nahm das wahr und spielte den Ball langsam zu Joshua Kimmich. Doch der Kapitän beschleunigte das Spiel wieder, indem er nach vorn schaute und Rechtsverteidiger Philipp Treu sah. Dessen Hereingabe fand Karim Adeyemi. Sein Versuch wurde zwar abgeblockt, den abprallenden Ball schoss aber Felix Nmecha ins Tor. Erster „Gratulant“ bei der deutschen Jubelgruppe, die Richtung Fanblock lief, war allerdings ein Niederländer: Denzel Dumfries regte sich tierisch über Kimmichs Spielfortsetzung auf. Der deutsche Kapitän war sich später keiner Schuld bewusst. „Generell ist es die Aufgabe des Schiedsrichters, das Spiel zu unterbrechen“, sagte er ruhig. Das mache er bei einer Kopfverletzung, die aber offensichtlich nicht vorlag. „Es gibt keine Regel, dass der Ball ins Aus gespielt werden soll.“ Also spielte Kimmich weiter. Er verwies zudem auf die neuen Regeln, die den Spielfluss erhöhen und das Zeitspiel verhindern sollen. Ähnlich argumentierte Jürgen Klopp. Er hatte das Zögern bei den Spielern nach Amiris Abspiel wahrgenommen, sagte aber auch mit Blick auf den Schiedsrichter: „Er hat nicht unterbrochen. Und dann geht das Spiel weiter.“ Seine Mannschaft habe einen „Ticken früher angefangen zu spielen als die Niederlande“. Wäre das seiner Mannschaft passiert, hätte er ihr einen Rat gegeben: „Du musst weiterspielen, vor allem in der Verteidigung.“ Das hätten die Niederländer aber nicht getan. „Wir haben das ganz, ganz toll genutzt mit einer ganz tollen Aktion.“ Sein Fazit: „Das Tor ist vollkommen legitim. Deswegen habe ich kein schlechtes Gewissen. Ich hätte eines, wenn es nicht legitim gewesen wäre. Ich hätte es trotzdem genommen, aber ich hätte eben ein schlechtes Gewissen. Aber das habe ich nicht.“ Und das späte 1:1 besänftigte am Ende auch die Niederländer wieder ein wenig.