Es gab eine Zeit, an die sich nicht nur die Älteren erinnern, da galten die Zinsen als zu niedrig. Jahrzehntelang waren die Zinsen immer nur nach unten gegangen. Und die Welt war darüber nicht froh. Die Notenbanken sorgten sich, dass sie mit Zinsen nahe null ihre Geldpolitik nicht mehr richtig lockern könnten. Der spätere Chef der amerikanischen Notenbank Ben Bernanke warf den Babyboomern vor, sie seien schuld an einer „Spar-Schwemme“, zu viel zurückgelegtem Geld. Und überhaupt: Gab es denn gar nichts Sinnvolles mehr, in das man Geld investieren konnte? Die Angst wuchs: Wenn Geld so billig zu haben ist, dann werden sich auch Hasardeure das Geld für übertrieben riskante Projekte leihen, und dann droht die nächste Krise. Die Welt hat sich geändert. Die Zinsen steigen wieder. Die Bundesregierung muss heute für ihre Schulden 3,3 Prozent zahlen, die USA sogar 4,6 Prozent. Und schon wieder wird das als Krisenphänomen gedeutet. Wahr ist: Die wachsende Verschuldung vieler Staaten kann schlauen Menschen durchaus Sorgen bereiten. Auch die Finanzakrobatik der KI-Konzerne, die sich für ihre Rechenzentren Geld leihen, ist nicht über jeden Zweifel erhaben. Eine normale Marktreaktion Und doch: Erst mal ist das eine ganz normale Marktreaktion. Die Inflation steigt. Und: KI-Konzerne wollen investieren, sie leihen sich Geld. Dazu geben sie Anleihen aus, und es geht um enorme Summen, nämlich um mehrere Hundert Milliarden Dollar. Das Geld, das in diese Anleihen fließt, geht natürlich nicht anderswo hin. Oder noch einfacher gesagt: Die Nachfrage nach Krediten steigt, das Angebot erst mal nicht – kein Wunder, dass Kredite teurer werden. Das alles ist nicht ungefährlich. Steigende Zinslasten können Überschuldungsprobleme verschärfen, und zwar sowohl bei Staaten als auch bei KI-Konzernen. Alle Beteiligten müssen mit der aktuellen Lage sehr sorgfältig umgehen. Doch wenn das so ist, dann haben die hohen Zinsen auch eine wichtige Funktion: Dann lohnt sich nicht mehr jedes Projekt auf Pump. Und die Zinsen bremsen die enorme Kreditaufnahme ganz von selbst ein bisschen ein.
