FAZ 11.08.2026
17:08 Uhr

Batteriehersteller: Wirtschaftsministerium schaltet sich in Varta-Insolvenz ein


Da Varta auch Spezialbatterien fürs Militär produziert, prüft nun die Bundesregierung, wie relevant der Bereich des kriselnden Unternehmens für die Sicherheitspolitik ist.

Batteriehersteller: Wirtschaftsministerium schaltet sich in Varta-Insolvenz ein

Der strauchelnde Batteriehersteller Varta braucht dringend einen Käufer. Doch bei der Entscheidung, wer Teile des angeschlagenen Unternehmens übernehmen darf, hat sich nun das Bundeswirtschaftsministerium eingeschaltet. „Im Rahmen des Investitionsprüfverfahrens wird geprüft, ob der Erwerb die öffentliche Ordnung oder Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland voraussichtlich beeinträchtigt“, teilte ein Sprecher in Berlin mit. Damit bekommt die Suche nach einem Retter eine neue Dimension: Es geht nicht mehr nur um Geld, Schulden und Arbeitsplätze – sondern auch um die Frage, wer Zugriff auf strategisch wichtige Batterietechnologie in Deutschland erhält. Die Prüfung erfolgt auf Grundlage der Außenwirtschaftsverordnung. Diese sieht ein Prüfrecht beispielsweise bei Rüstungsunternehmen, Anbietern kritischer Infrastruktur und bei Unternehmen vor, die Schlüsseltechnologien anbieten. Keine Auswirkungen auf Haushaltsbatterien Varta stellt in der Konsumentensparte, die vor allem durch ihre Haushaltsbatterien bekannt ist, für die Rüstungsindustrie Spezialbatterien für Seeminen her. Es gibt gleichfalls Projekte mit Drohnenherstellern für Batterien, die aber noch nicht am Markt sind. Die Prüfung durch das Bundeswirtschaftsministerium bezieht sich wohl nur auf die nicht in der Insolvenz befindliche Konsumentensparte. Sie wird von einer Gläubigergruppe kontrolliert, zu der mehrere ausländische Hedgefonds und die Deutsche Bank gehören. Die Einheit mit rund 900 Beschäftigten ist noch nicht in ihrem endgültigen Eigentum. Der Prozess der Übernahme der Anteile unterliege noch bestimmten üblichen behördlichen Genehmigungen und sei noch nicht abgeschlossen, heißt es in informierten Kreisen. Das Investitionsprüfverfahren sei ein völlig normaler Vorgang bei Kontrollwechseln dieser Art, und man erwarte keine Auswirkungen auf das Haushaltsbatteriegeschäft von Varta. „Das Prüfverfahren ist technischer Natur und folgt einem gesetzlich vorgesehenen Rahmen, einschließlich der entsprechenden Fristen. Wir rechnen nicht mit unvorhergesehenen Verzögerungen“, heißt es in den Kreisen weiter. Vier Geschäftseinheiten in der Insolvenz Ein Sprecher der Gläubigergruppe sagt: „Die Ad-hoc-Gläubigergruppe setzt sich intensiv dafür ein, den Geschäftsbereich Haushaltsbatterien zu unterstützen und mit allen Beteiligten eine konstruktive Diskussion über die Zukunft sowohl dieses Geschäftsbereichs als auch der gesamten Varta-Gruppe zu führen.“ Für die Mitarbeiter von Varta Consumer Batteries habe sich nichts geändert, der Betrieb laufe wie gewohnt weiter. Das Unternehmen aus dem schwäbischen Ellwangen hatte im Juli nach eigenen Angaben für die Varta AG als Konzernmuttergesellschaft sowie drei weitere Einheiten einen Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung gestellt. Der Geschäftsbereich mit den Haushaltsbatterien, den wichtige Geldgeber aus dem Konzern herauslösen wollen, sei davon nicht betroffen. Mittlerweile befinden sich die vier Einheiten in klassischen vorläufigen Insolvenzverfahren und nicht mehr in Eigenverwaltung. Der vorläufige Insolvenzverwalter Tobias Wahl sagt: „Unser Ziel bleibt eine langfristige und tragfähige Lösung für die Varta-Gruppe. Für eine Entscheidung über die Ausgestaltung einer Investorenlösung ist es noch zu früh. Wir sind aktuell in der Bestandsaufnahme und Analyse bei allen vier Gesellschaften.“ Nach Angaben von Wahl sind die Vorbereitungen für einen strukturierten Verkaufsprozess bereits am Laufen. Er rechne kurzfristig mit einer Auftragsvergabe. „Es gibt bereits jetzt zu diesem frühen Zeitpunkt eine erfreulich große Zahl von Interessenten.“ Nähere Angaben werden aber nicht gemacht. Aufgrund der hohen technischen Kompetenz und gewachsener Kundenbeziehungen in der ganzen Welt glaube er an die Chance für eine nachhaltige Sanierungslösung. Bei den vier von der Insolvenz betroffenen Unternehmen arbeiten dem vorläufigen Insolvenzverwalter zufolge circa 2300 Menschen. Ob er im Zuge der Restrukturierung mit dem Verlust von Arbeitsplätzen rechne? Hier sei es noch zu früh für eine Antwort, so Wahl.