FAZ 15.09.2026
10:00 Uhr

Bedeutende Auszeichnung: Paul-Ehrlich-Preis für Pionier der Immuntherapie


Warum greifen Abwehrzellen manchmal den eigenen Körper an? Der australische Forscher Christopher Goodnow befasst sich seit Jahrzehnten mit dieser Frage. Nächstes Jahr wird er in der Frankfurter Paulskirche geehrt.

Bedeutende Auszeichnung: Paul-Ehrlich-Preis für Pionier der Immuntherapie

Für seine wegweisende Forschung zu Autoimmunkrankheiten erhält der australische Immunologe Christopher Goodnow den Paul-Ehrlich- und Ludwig-Darmstaedter-Preis 2027. Die Auszeichnung zählt zu den bedeutendsten deutschen Medizinpreisen und ist mit 120.000 Euro dotiert. Sie wird traditionell am 14. März, dem Geburtstag des Nobelpreisträgers Paul Ehrlich, in der Frankfurter Paulskirche überreicht. Goodnow, Jahrgang 1959, forscht und lehrt an der Universität von Neusüdwales in Sydney. Wie die Paul-Ehrlich-Stiftung am Dienstag mitteilte, hat der Mediziner durch Experimente an Mäusen Mitte der Achtzigerjahre bewiesen, dass Immunzellen, die Antikörper gegen körpereigene Proteine herstellen, nicht zwangsläufig eliminiert werden. Das geschieht nur, wenn diese Autoimmunreaktion für den Organismus äußerst gefährlich ist. In den anderen Fällen werden diese Abwehrzellen lediglich in eine Art Schlaf versetzt. Bei Bedarf können solche Zellen dann so umprogrammiert werden, dass sie sich, wie es ihr ursprünglicher Zweck ist, gegen Krankheitserreger richten. Es kann aber auch vorkommen, dass sie wieder beginnen, den eigenen Körper zu schädigen. Dann kann es zum Ausbruch einer Autoimmunkrankheit kommen. Seit den Neunzigerjahren hat Goodnow auch die Schaltkreise und Kontaktstellen erforscht, die Immunzellen normalerweise davon abhalten, Auto-Antikörper zu bilden. Dabei zeigten sich nach Angaben der Ehrlich-Stiftung verblüffende Parallelen zwischen Autoimmunkrankheiten und Krebs. Goodnow habe somit einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung neuer, personalisierter Krebstherapien geleistet.