Liebe Leserin, lieber Leser, es gibt Menschen, die mehr Energie haben als viele andere. Mehr als 60 Jahre lang war Susanne Möllmann so ein Mensch. In ihrer Kindheit turnte sie, wechselte dann zum Judo, das sie leistungsmäßig betrieb. Nach dem Abitur studierte sie Medizin. In der Facharztausbildung zur Kinderärztin spezialisierte sie sich auf Neonatologie, was bedeutete, dass sie jahrelang auf der Intensivstation für Neugeborene arbeitete. Als sie selbst Kinder bekommen und gleichzeitig weiterarbeiten wollte, ließ sie sich mit einer eigenen Praxis im ländlichen Raum nieder, die sie fast 30 Jahre lang führte. Als Ausgleich zu der fordernden Tätigkeit fuhr sie Mountainbike oder Ski, ging windsurfen, spielte Tennis und so oft wie möglich Golf. Im Frühjahr 2022 erkrankte Susanne Möllmann, Jahrgang 1960, an Covid – und in der Folge an der schwersten Form von Long Covid, an ME/CFS. Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue Syndrom ist eine neuroimmunologische Erkrankung, die laut Deutscher Gesellschaft für ME/CFS oft zu einem hohen Grad körperlicher Behinderung führt. In Deutschland sind aktuellen Schätzungen zufolge seit der Pandemie rund 650.000 Menschen daran erkrankt, unter ihnen viele Kinder und junge Erwachsene. Mehr als die Hälfte kann nicht mehr arbeiten oder zur Schule gehen. Doch dann entdeckt Möllmann nach und nach, was ihr hilft. Nun will sie anderen Betroffenen Mut machen. Erkrankte würden weiterhin oft nicht ernst genommen, und ihre Beschwerden psychologisiert: „Die Krankheit muss früher erkannt werden, damit die Patienten schneller wissen, welche Regeln sie befolgen sollten, insbesondere das Pacing.“ Wenn es ums Geld geht, hat Franziska Zolldahn keine Scheu, ihr Gegenüber bis ins letzte Detail zu löchern. „Wie steht es um das Vermögen Ihrer Eltern? Könnten die etwas beisteuern?“ Das sind Fragen, die sie immer wieder stellt – auch wenn sie manchem unangenehm sind. Doch das darf Zolldahn nicht stören, sonst würde sie ihrem Job nicht gerecht. Als Beraterin beim Baufinanzierungsvermittler Interhyp ist es ihre Aufgabe, für ihre Kunden den besten Baukredit zu finden. Und da gehört es nun mal dazu, deren finanzielle Situation gut zu kennen. Schließlich gilt: Je mehr Eigenkapital sie mitbringen, desto günstiger sind die Konditionen bei der Bank. Zolldahn stellt die Frage aber nicht nur der Vollständigkeit halber. Sie tut es, weil sie weiß, dass die Antwort immer häufiger „Ja“ lautet. Ihre Kunden zögern zwar manchmal anfangs etwas. Doch es kommt nicht mehr selten vor, dass Eltern ihren erwachsenen Kindern schon zu Lebzeiten etwas vermachen, und nicht erst nach dem Tod – eine Art vorgezogenes Erbe. Vorgezogene Erbschaften spielen in den Beratungen vermehrt eine Rolle. Es werde immer mehr Vermögen zwischen den Generationen übertragen. Gesellschaftlich triggern die Erbschaften das, was der Ökonom Maximilian Stockhausen als „Leistungs-Gerechtigkeitsempfinden“ bezeichnet. Die Rache ist glimpflich verlaufen, nachdem die Spieler des FC Schalke 04 offenbar mächtig genervt waren von ihrem Trainer während der langsam zu Ende gehenden Saison. Statt der auf anderen Aufstiegspartys üblichen Biereimer brachten sie zu ihrem Sturm auf die Pressekonferenz eine Taktiktafel und sangen auf Englisch: „principles, principles, principles“, bevor sie zu einem „structure, structure“-Stakkato anhoben. „Prinzipien“ und „Struktur“ – mit diesen Leitmotiven hatte Miron Muslić die Schalker Spieler Woche für Woche aufs Neue traktiert, offensichtlich bis die Fußballer nicht mehr nur genervt, sondern auch dankbar waren. Denn der FC Schalke 04 ist am Samstagabend durch einen 1:0-Sieg über Fortuna Düsseldorf in die Bundesliga aufgestiegen, und der Erfolgstrainer Miron Muslić sagte mit dem Pathos, der fest zu seinem Kommunikationsstil gehört: „Tagtäglich, wir haben keine Sekunde nachgelassen, sind keinen Millimeter abgewichen, bis aus Worten Prinzipien wurden, und aus Prinzipien Verhaltensweisen, bis dann Schalke-Werte entstanden. Dann kannst du das schaffen.“ Sogar ein mittelgroßes Wunder wie dieses. Da gratuliert sogar ein Dortmunder. Vielen Dank für Ihr Interesse an unserer Arbeit – und Ihnen ein schönes Wochenende! Herzliche Grüße Ihr Carsten KnopHerausgeberFrankfurter Allgemeine Zeitung
