Die Wünsche an das neue Reisemobil sind vielfältig. Querbetten im Heck gehören meist nicht dazu, der reifere Camper klettert nachts nur ungern über seinen schlafenden Partner, sollte ihn der Ruf des WC ereilen. Längs eingebaute Einzelbetten, die einen weitaus komfortableren Ein- und Ausstieg bieten, lassen sich jedoch meist nur bei größeren Fahrzeuglängen realisieren. Die aber sind weniger handlich während der Fahrt und bringen meist mehr Gewicht auf die Waage als die 3,5 Tonnen an zulässigem Gesamtgewicht der Standardgrundrisse in der beliebten Sechsmeter-Klasse. Was wiederum zu Tempolimitierung, höheren Mautgebühren im Ausland und häufigeren Besuchen beim TÜV führt, außerdem die Fahrerlaubnis für leichte Nutzfahrzeuge der Kategorie C erfordert. Manch ein Hersteller setzt auf eine verschiebbare Nasszelle, um Raum für das Längsbett hinten zu schaffen. La Strada hingegen gestaltet in der jüngsten Neuerscheinung Regent E auf Basis des Mercedes Sprinter die Fußenden der Liegeflächen variabel, sodass sie tagsüber zusammen mit einem soliden Tisch als gemütliches Esszimmer genutzt werden können, nachts hingegen mit Maßen von 2 und 1,85 mal 0,8 Meter als komfortable Betten taugen. Die Standardnasszelle mit Kassettentoilette, Klappwaschbecken und Dusche bleibt hinter der neuen Falttür unverändert erhalten, nur die Bordküche verliert Anrichtfläche und Stauraum. Um das komplette Kochgeschirr samt Vorräten für die große Urlaubsreise unterzubringen, müssen die Schränke im Unterbau der Betten genutzt werden, sie bieten dafür reichlich Platz. Vorrat reicht auch für lange Reisen Raumgewinn erzielt La Strada auch durch den Verzicht auf Flaschengas. Der Brennvorrat für den zweiflammigen Kocher wird in einem 16 Kilogramm Propangas fassenden Unterflurtank ersetzt, das bringt zusätzliche Transportkapazitäten. Da der Herd der einzige Gasverbraucher an Bord ist, reicht der Vorrat auch für lange Reisen, Heizung und Warmwasserbereiter werden mit Dieselkraftstoff betrieben. Der 70 Liter fassende Kompressorkühlschrank mit einer Doppelscharniertür bezieht seine Energie aus der serienmäßigen Lithiumbatterie mit 150 Ah-Kapazität. Das mit 1200 Euro aufpreispflichtige Solarmodul auf dem Dach ermöglicht mehrere Tage Standzeit ohne externen Stromanschluss. Im Heck wartet ein weiteres Schrankmodul auf Befüllung, es lässt sich entweder durch die geöffnete Hecktür oder vom Innenraum aus beladen, was nicht nur bei schlechter Witterung Vorteile bringt. Allerdings schränkt das Schubladenmodul die Kapazität der Heckgarage arg ein. Vor allem, wer die Offroad-Version des Sprinters mit grobstolligen Geländereifen gewählt hat, muss mit Zugeständnissen leben, denn bei diesen Versionen ist das mächtige Reserverad am linken Flügel der Hecktür befestigt, was den Einsatz eines Fahrradträgers schwierig gestaltet. So bleibt nur der Stauraum unterm Bett für den Transport eines E-Scooters oder Faltrades. Mit zwei großen Flügelschrauben kann das Schubladenmodul gelöst und ausgeladen werden, Sperriges wie Campingmöbel kommen dann aber leichter unter. Felsenfester Tisch Das Sitzkonzept im Heck ist überaus findig. Beide aus Fahrtrichtung vorderen Bettenden werden von zwei keilförmigen, aufeinanderliegenden und angenehm straffen Polstern gebildet. Die nehmen etwa ein Drittel der gesamten Liegefläche ein und können bei Bedarf zu Rückenlehnen ausgeklappt werden, wodurch auf beiden Seiten komfortable Sitze entstehen. Um einen Tisch ins so gebaute Esszimmer zu zaubern, gilt es, die Einzelsäule mit ihren vier Zapfen am unteren Ende in die metallene Aufnahmescheibe im Boden zu fädeln und diese mit einer Kurbel am oberen Ende zu verschränken. Das funktioniert zuverlässig, und wer danach die solide und verschiebbare, etwa 90 mal 50 Zentimeter große Platte des Tischs auf dem gezahnten Säulenrändel mittels eines Schraubenknebels stramm zieht, kann sich über einen felsenfesten Tisch freuen, der vermutlich auch eine heftig skatklopfenden Dreierrunde übersteht. Der Vorteil dieser Konfiguration ist, dass hinter der Sitzgruppe ein Querbett für den nachmittäglichen Powernap erhalten bleibt, aber auch der uneingeschränkte Zugang zum Küchenblock findet großen Zuspruch. Wer sich dagegen für die Option entscheidet, das Frühstück oder die schnelle Mahlzeit auf den gedrehten Sitzen im Fahrerhaus einzunehmen, kann auch hier die Tischkonstruktion aufbauen. Allerdings ist dann der Zugang zur Pantry zumindest für den auf der Fahrerseite sitzenden Camper nur mit artistischem Geschick möglich. Immerhin gelingt der Zugriff zum Kühlschrank mühelos, denn dessen zweiseitig angeschlagene Tür öffnet nach vorn. Der Ausbau hüllt sich in tugendhaftes Schweigen Die Verarbeitung des Regent E ist, wie von einem Premiumhersteller wie La Strada nicht anders zu erwarten, tadellos. Der Möbelbau ist grundsolide, die Pushlock-Schlösser halten, was sie versprechen und der Variantenreichtum des Möbeldesigns verschafft der Reisemobilmanufaktur in der Wetterau ein Alleinstellungsmerkmal. Schon die Polsterbezüge lassen sich in fünf Echtlederausführungen, neun Stoffmustern und Farben sowie sechs Teillederdesigns bestellen. Für den Möbelkorpus kann man unter neun, für die Klappen unter elf unterschiedlichen Dekors wählen. Während der Fahrt hüllt sich der Ausbau in tugendhaftes Schweigen, kaum ein Knarzen oder Klappern lässt sich vernehmen. Zusammen mit der komfortablen Sprinter-Federung werden die Kilometer über lange Strecken stressfrei abgespult. Entspannend auf Reisen wirkt außerdem die geringe Fahrzeuglänge des Regent E. Das Fahren fällt leicht, in der Großstadt genauso wie auf den gewundenen Gassen im kleinen Vogesen-Bergdorf. Und für vorzügliche Traktion nicht nur auf nassen Wiesen sorgt der permanente Allradantrieb. Allerdings sind die optionalen grobstolligen Off-Road-Reifen von Goodrich keine Leisetreter, sondern missfallen ab Tempo 80 mit sonorem Wummern. Auch den Einstieg erschwert das um 8,5 Zentimeter höhere Geländefahrwerk. Ohne die Hilfestellung des Haltegriffs im Türrahmen auf der Beifahrerseite oder das lederummantelte Lenkrad links wäre nicht jedem möglich, an Bord des Regent zu gelangen. Verbrauch auf der Autobahon von mehr als 13 Litern Bereifung und Erhöhung wirken sich derweil auf den Treibstoffkonsum aus. Während des Bummelns auf der Landstraße begnügt sich der Sprinter noch mit rund zehn Liter Diesel auf 100 Kilometer. Wer es auf der Autobahn zügiger angeht, muss mit einem durchschnittlichen Verbrauch von mehr als 13 Litern rechnen. Wir kamen auf unseren Wegen, die vornehmlich über Nebenstrecken führten, auf einen Mittelwert von 11,8 Litern. Das Tankvolumen ist mit 90 Litern absolut angemessen. Dabei garantiert der Zweiliter-Vierzylinderdiesel in seiner stärksten Ausbaustufe kultivierten Vortrieb. Mit 190 PS Leistung und 400 Newtonmeter Drehmomentspitze hat er keine Mühe, den samt Zusatzausstattung immerhin 3142 Kilogramm schweren Regent E in Fahrt zu bringen. Maximal zugelassen sind serienmäßig 3.500 Kilogramm Gesamtgewicht, 358 Kilogramm Zuladung sind gerade noch akzeptabel. Auch beim Preis heißt es Haltung bewahren. 106.570 Euro kostet bereits das Grundmodell, 145.566 Euro sind für den Regenten mit all den kleinen und großen Extras fällig. Die größten Posten sind dabei der 4×4-Antrieb und die Off-Road-Bereifung. Wer lieber auf dem Asphalt-Teppich bleibt und das Gelände unberührt lässt, kann hier mehr als 13.000 Euro sparen.
