FAZ 28.09.2026
15:31 Uhr

Drogenbanden: Gewalt könnte sich auch gegen Personen richten


Nach den Brandanschlägen in Frankfurt und Offenbach haben die Ermittler ihre Zusammenarbeit mit den Niederlanden intensiviert. Ziel sei es, den Konflikt nicht weiter eskalieren zu lassen.

Drogenbanden: Gewalt könnte sich auch gegen Personen richten

Im Fall der Serie von Brandanschlägen auf Bars und ein Wohnhaus in Frankfurt und Offenbach arbeitet die Polizei inzwischen eng mit den niederländischen Ermittlungsbehörden zusammen. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Frankfurt sagte am Montag der F.A.Z., die Behörde verfüge über ein „festes Netzwerk nationaler sowie internationaler Ansprechpartner“ und stehe „insbesondere mit den niederländischen Sicherheitsbehörden im engen Austausch“. Vergangene Woche war bekannt geworden, dass die Anschläge auf eine Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppierungen in Deutschland und den Niederlanden zurückzuführen sind. Es soll um eine größere Menge Rauschgift gehen, die ein im Rhein-Main-Gebiet ansässiger Clan bei einem Drogengeschäft unterschlagen habe. Wie aus Sicherheitskreisen zu hören ist, gelten die Brandanschläge, die offenbar von der niederländischen Gruppierung in Auftrag gegeben wurden, als „Drohung“. An einem der Tatorte wurde zudem das Wort „Drogendieb“ hinterlassen. Die niederländische Zeitung „De Limburger“ hatte als Drahtzieher der Brandanschläge auf einen Mann mit dem Spitznamen „Tiger“ hingewiesen. Dem Vernehmen nach steht er schon länger im Fokus der niederländischen Sicherheitsbehörden, auch wegen weiterer illegaler Geschäfte. Konflikt könnte sich verschärfen Ob sich der Konflikt zwischen den beiden Gruppierungen weiter verschärft, dann auch mit Angriffen auf Menschen, ist unklar. „Uns liegen derzeit keine Erkenntnisse vor, die auf eine Verschärfung der Vorgehensweise hindeuten“, heißt es im Frankfurter Polizeipräsidium. „Dennoch zeigen die internationalen Erfahrungen mit dem Phänomen ‚Violence as a Service‘, dass sich entsprechende Gewalttaten nicht nur gegen Gebäude, sondern auch gegen Personen richten können.“ Wie real solche Szenarien sind, hat erst vor einigen Tagen ein Fall aus Hamburg gezeigt: Dort haben Ermittler einen erst 13 Jahre alten Jugendlichen aus den Niederlanden festgenommen, der mutmaßlich einen Auftragsmord in Deutschland hätte verüben sollen. Bisherigen Erkenntnissen zufolge sollte er ein Mitglied der „Hells Angels“ töten. Zu der Tat sollen ihn Mitglieder des Al-Zein-Clans angestiftet haben. Im November 2024 wurde ein führendes Mitglied eines in Frankfurt ansässigen Clans Ziel eines Angriffs, der mutmaßlich von Dritten bestellt worden war. Nach Informationen der F.A.Z. hatte es sich um den Anführer eines türkischen Familienverbunds gehandelt, den die Sicherheitsbehörden der organisierten Kriminalität zurechnen, unter anderem wegen des Verdachts des Drogenhandels. Der Mann war von einem Unbekannten mit einem Schlagstock attackiert worden. Noch ungeklärt ist, ob der jüngste Brandanschlag auf einen Kiosk im Frankfurter Stadtteil Niederrad, der sich in der Nacht auf Sonntag ereignet hatte, mit der Serie zusammenhängt. Ein Sprecher der Polizei sagte, dazu gebe es noch keine verlässlichen Erkenntnisse. Mögliche Zusammenhänge würden geprüft. Der Serie zugeordnet werden Sprengsätze, die Mitte September an zwei Shishabars, einem Kiosk, einer Acaibar und einem Wohnhaus explodiert sind.