Das Landgericht Frankfurt hat am Donnerstag drei junge Männer wegen eines Angriffs auf ein Polizeiauto und die darin sitzenden Beamten verurteilt. Ein mittlerweile achtzehn Jahre alter Täter hatte einen E-Roller von einer Brücke auf ein fahrendes Polizeiauto geworfen. Zwei der darin sitzenden Polizisten wurden verletzt. „Das war der glücklichste und günstigste Fall, der passieren konnte“, sagte der Richter. Tests und Berechnungen haben ergeben, dass der Fahrer getötet worden wäre, wenn der Roller zwei Millisekunden früher abgeworfen worden wäre. Der Verlauf des Abends sei durch Überwachungskameras gut nachvollziehbar, sagte der Richter. In der Silvesternacht 2024 waren die Verurteilten in einer Gruppe von zehn bis 15 Personen im Nordwestzentrum unterwegs. Ihr Ziel sei es gewesen, die laute und lebhafte Silvesternacht zu nutzen, um Polizisten anzugreifen. Gegen manche von ihnen liefen bereits Ermittlungen der Polizei wegen anderer Taten, gegen den späteren Haupttäter war beispielsweise schon eine Bewährungsstrafe verhängt worden. Zunächst hatte sich die Gruppe in einem Park aufgehalten. Dort stellten sie Molotowcocktails her und zündeten Feuerwerkskörper. Danach gingen sie kurz nach 23 Uhr zum Walter-Möller-Platz auf dem Gelände des Nordwestzentrums. Dort besprach sich die Gruppe, wie Aufnahmen zeigen. Vom Niederurselsteg aus warfen sie anschließend Feuerwerkskörper und andere Brandsätze auf ein vorbeifahrendes Polizeiauto auf dem Erich-Ollenhauer-Ring. Um 23.13 Uhr lief die Gruppe dann zu einem Fußgängerüberweg in der Nähe. „Sie wollten den größtmöglichen Schaden“ Auf jener Brücke stand ein E-Roller, 120 Zentimeter lang und 29,25 Kilogramm schwer. Der zwanzig Jahre alte Angeklagte koordinierte nach Ansicht des Gerichts die Gruppe vor Ort. „Sie einigten sich darauf, den Roller erst abzuwerfen, wenn das Auto nah an der Brücke wäre“, erläuterte der Richter. Sie hätten den größtmöglichen Schaden anrichten wollen. Um 23.16 Uhr hörte die Gruppe Polizeisirenen. Mit 85 Kilometer in der Stunde näherte sich ein Auto mit fünf Polizisten. Auf ein Kommando hin warfen ein Zwanzigjähriger und ein Neunzehnjähriger Flaschen auf das Polizeiauto. Kurz darauf warf der Achtzehnjährige den E-Roller. Der Roller traf das Auto dort, wo auf der Innenseite der Rückspiegel liegt. Das Glas der Windschutzscheibe zerbarst, wurde aber durch eine Sicherheitsfolie zusammengehalten. Der Fahrer erlitt eine Kopfverletzung, konnte den Wagen aber trotz schlechter Sicht abbremsen und an einer Bushaltestelle zum Stehen bringen. Der Roller war unterdessen über das Fahrzeug nach hinten weggeflogen. Da niemand schwerer verletzt wurde, bezeichnete der Richter den Ablauf als „best case“. Im schlechtesten Fall wäre der Fahrer sofort getötet worden. „Sie waren sich der möglichen Folgen des Angriffs bewusst“, sagte der Richter zu den Angeklagten. Das Landgericht verurteilte den Achtzehnjährigen zu sieben Jahren Haft. 20 Monate davon muss er aufgrund seiner vorherigen Bewährungsstrafe ins Gefängnis. Der Zwanzigjährige, der die Tat koordiniert hatte, wurde zu vier Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Der Neunzehnjährige muss für sechs Jahre ins Gefängnis. Drei Jahre und vier Monate Freiheitsstrafe davon gehen auf eine andere Verurteilung zurück. Die Strafen gingen über das beantragte Maß der Staatsanwaltschaft hinaus. Alle Angeklagten wurden nach Jugendstrafrecht verurteilt. Denn sie waren zum Tatzeitpunkt 16, 17 und 19 Jahre alt.
