FAZ 05.10.2026
14:32 Uhr

Energie: Aramco warnt: Wiederauffüllen der Ölreserven kann zwei Jahre dauern


Amin Nasser sieht die Ölmärkte infolge des Irankrieges und der gesperrten Straße von Hormus unter Druck. Um die Reserven aufzufüllen, prüft der Chef von Saudi Aramco neue Exportwege.

Energie: Aramco warnt: Wiederauffüllen der Ölreserven kann zwei Jahre dauern

Der Chef des größten Ölkonzerns der Welt, Saudi Aramco, hat vor einer bis zu zwei Jahre andauernden ⁠Anspannung an den Märkten für Rohöl und Kraftstoffe gewarnt. Selbst wenn die wichtigsten Handelsrouten wieder vollständig geöffnet würden, könnte das Wiederauffüllen der angezapften strategischen Reserven so lange dauern, sagte Amin Nasser am Montag auf ‌einer Energiekonferenz in London. Hintergrund ist der Ende Februar begonnene Krieg der Vereinigten Staaten und Israels gegen Iran, in dessen Folge Iran die Straße von Hormus für die Schifffahrt faktisch geschlossen hat. ‌Die sieben größten Industriestaaten (G7) hatten am ‌Freitag die Freigabe von 100 Millionen Barrel (zu 159 Liter) Diesel und Rohöl aus ihren Notreserven beschlossen. „Das System ist bereits unter Druck“, sagte Nasser. Seit Beginn des Konflikts seien fast drei Milliarden Barrel Öl an Angebot verloren gegangen, während eine Milliarde Barrel aus den weltweiten Lagerbeständen freigegeben worden sei. ⁠Allein das Wiederauffüllen dieser Bestände würde in den nächsten 18 Monaten eine zusätzliche Nachfrage von zwei Millionen Barrel am Tag bedeuten. Saudi-Arabien selbst könne seine maximale Förderkapazität von zwölf Millionen Barrel je Tag zwar innerhalb weniger Tage zur Verfügung stellen. Ein Großteil der verbleibenden ⁠rund sechs ‌Milliarden Barrel in den Speichern der Welt sei jedoch „praktisch nicht verfügbar“, weil er für den Betrieb der Anlagen benötigt werde. So werde etwa eine Mindestfüllmenge für den Betrieb der Tanks benötigt. Um die Risiken durch blockierte Handelsrouten zu ⁠verringern, prüft ⁠Aramco nach den Worten Nassers neue Exportwege. Das saudische Königreich verfügt bereits über eine Ost-West-Pipeline, mit der Öl an die ⁠Terminals am Roten Meer transportiert werden ⁠kann, um die Straße von Hormus zu umgehen. Ohne diese Pipeline wäre der Preis für die Nordseesorte Brent auf ‌200 Dollar je Barrel gestiegen, sagte Nasser. Am Montag notierte Brent bei rund 102 Dollar. Aramco arbeite bereits an einer „vierten und fünften“ Exportroute, um die Versorgungssicherheit zu erhöhen, sagte Nasser.