FAZ 13.03.2026
11:05 Uhr

Erde wird langsamer: Der Klimawandel bremst die Erdrotation


Die Tageslänge auf unserem Planeten nimmt zu – wenig zwar, aber messbar. Die aktuellen Veränderungen sind auf menschliche Faktoren zurückzuführen.

Erde wird langsamer: Der Klimawandel bremst die Erdrotation

In den vergangenen Millionen Jahren hat sich die Erdrotation fast noch nie so deutlich abgebremst wie in den vergangenen Jahrzehnten. Das berichten Forscher aus Österreich und der Schweiz im Journal of Geophysical Research. Sie sehen darin eine Bestätigung, dass der Klimawandel die Tageslänge auf unserem Planeten beeinflusst. Im Alltag ist die Erd-Bremsung nicht spürbar: Eine Umdrehung verlängert sich aktuell um 1,33 Millisekunden pro Jahrhundert. Dennoch könnte sich die Tagesverlängerung etwa auf die präzise Zeitmessung und die Raumfahrt-Navigation auswirken, die auf der Erdrotation beruhen, heißt es in der Studie. In der Schule wird gelehrt, dass der Tag 24 Stunden dauert, weil sich die Erde in dieser Zeit einmal um die eigene Achse dreht. Allerdings ist diese Zeitspanne nicht konstant. Genau genommen verändert sich die Dauer der Rotation durch die Anziehung des Mondes sowie durch geophysikalische Prozesse im Erdinneren, an der Erdoberfläche und in der Atmosphäre. Wie eine Eiskunstläuferin mit gestreckten Armen In früheren Forschungsarbeiten hatten Mostafa Kiani Shahvandi von der Universität Wien und Benedikt Soja von der ETH Zürich gezeigt, dass der Meeresspiegel wegen der beschleunigten Eis-Schmelze an den Polen und auf den Gletschern steigt, was wiederum die Erdrotation verlangsamt. Das sei vergleichbar mit einer Eiskunstläuferin, die sich langsamer dreht, wenn sie die Arme ausstreckt, erklärt Kiani Shahvandi in einer Mitteilung der Universität Wien. Nun wollten die Forscher herausfinden, ob es schon früher Phasen gegeben hat, in denen das Klima die Tageslänge deutlich erhöht hat. Dazu analysierten sie die fossilen Überreste einzelliger Meeresorganismen, so genannter benthischer Foraminiferen. Anhand der chemischen Zusammensetzung ihrer Gehäuse lässt sich nachvollziehen, wie die Meeresspiegel sich veränderten. Daraus leiteten die Wissenschaftler wiederum mit mathematischen Rechenmodellen Veränderungen der Tageslänge ab. Die Wissenschaftler stellten fest, dass sich die Erdrotation in den vergangenen 3,6 Millionen Jahren, seit dem späten Pliozän, immer wieder veränderte. Doch bislang nur einmal – vor etwa 2 Millionen Jahren – verlangsamte sie sich in etwa so stark wie zwischen 2000 und 2020. Die aktuelle Verlängerung der Tageszeit kann laut Soja hauptsächlich menschlichen Einflüssen zugeschrieben werden. „Was wir beobachten, ist durch den Klimawandel verursacht“, sagte Soja der Deutschen Presse-Agentur. Berechnungen hätten ergeben, dass sich die Erdkugel im Zusammenhang mit der Erderwärmung künftig noch stärker abbremsen werde.