Die CDU ist klarer Sieger, und die Grünen liegen auf dem zweiten Platz vor der SPD: Auch nach Auszählung aller kumulierten und panaschierten Stimmen hat sich an diesem Ausgang der Kommunalwahl nichts geändert. An einigen Stellen haben sich im vorläufigen Endergebnis jedoch Verschiebungen zum Trendergebnis vom Wahlabend ergeben. Die CDU hat 1,5 Prozentpunkte eingebüßt, die AfD 0,9 Punkte. Auch die Ergebnisse von Grünen, SPD und FDP fallen etwas schlechter aus, während Linke und Volt besser dastehen. In den nächsten Wochen werden die Parteien darüber sprechen, wer künftig die Politik in Frankfurt bestimmt. Die naheliegendste Antwort bleibt auch nach Auszählung aller Stimmen eine Kenia-Koalition aus CDU, Grünen und SPD. Sie hätte eine komfortable Mehrheit von 57 der 93 Stimmen in der Stadtverordnetenversammlung. Doch auch andere Kombinationen sind theoretisch möglich. Ein Linksbündnis aus Grünen, SPD, Volt und Linken kommt allerdings nur auf 48 Sitze. Eine Koalition ohne die Grünen aus CDU, SPD, Volt und FDP hätte mit 47 Sitzen eine Ein-Stimmen-Mehrheit. Ohne die SPD ließe sich mit demselben Ergebnis ein Bündnis von CDU, Grünen und Volt bilden. Ergänzt um die FDP, müsste es nicht mehr bei jeder Abstimmung bangen, ob jemand fehlt. Grüne bilden Sondierungskommission Der CDU-Kreisvorstand hat das Wahlergebnis schon am Montag bewertet. Demnach will die CDU, deren Fraktion von 20 auf 23 Mandate wächst, „den anderen demokratischen Parteien Gespräche über die Bildung einer neuen Stadtregierung anbieten“. Ansonsten will sie sich vorerst nicht öffentlich äußern. Grünen-Spitzenkandidatin Katharina Knacker spricht von einem „soliden Gesamtergebnis“. Auch wenn die Grünen nun doch nur mit 19 Stadtverordneten in das Frankfurter Stadtparlament einzögen, blieben sie zweitstärkste Kraft und „im progressiven Lager sogar die stärkste“, sagte Knacker. In der bisherigen Wahlperiode hatte die Grünen-Fraktion 23 Mitglieder. Ihre Partei gehe davon aus, dass die CDU zu Koalitionsgesprächen einlade, sagte Knacker. Die Grünen bereiten sich ihrerseits auf Koalitionsverhandlungen vor. In einer Kreismitgliederversammlung am Mittwochabend soll die neun Personen starke Sondierungskommission gewählt werden, der die Sprecher und Spitzen von Partei, Fraktion, Magistratsgruppe und Grünen-Jugend sowie Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg angehören sollen. Die Hoffnung der SPD, durch die Auswertung der veränderten Stimmzettel noch zulegen zu können, hat sich nicht erfüllt. Im Gegenteil: Die Partei hat noch einen Zehntelpunkt verloren und landet nun bei 16,6 Prozent der Stimmen und damit noch leicht unter dem Ergebnis von 2021. „Das macht uns nicht glücklich. Darauf haben wir nicht hingearbeitet“, sagte der Parteivorsitzende Kolja Müller. Linke mit einem Sitz mehr als die AfD Die SPD wird künftig mit 15 statt wie bisher mit 16 Stadtverordneten im Römer vertreten sein. Die Wähler haben die Liste allerdings gehörig durcheinandergewirbelt. Müller bedauerte, dass „engagierte Leute“ wie Dorit Sperling, Robin Brünn und Almuth Meyer nicht der Fraktion angehören werden. Wie Knacker gratulierte Müller der CDU zum Wahlsieg. Nun sei es an ihr, die Sondierungsgespräche in die Hand zu nehmen. Die SPD sei jedenfalls zu einer Zusammenarbeit bereit: „Wir haben ein Interesse, weiter zu regieren.“ Die Linke kommt nach Auszählung aller Stimmen auf 9,2 Prozent und liegt damit einen Prozentpunkt vor der AfD. „Wir sind so stark wie noch nie und sehr zufrieden“, sagt Michael Müller, der von seiner Parteifreundin Daniela Mehler-Würzbach noch vom Spitzenplatz verdrängt wurde. Eine von der CDU geführte Stadtregierung sieht Müller als „Bedrohung für die Stadt“. Seine Partei stünde auch für ein Linksbündnis bereit, sagt er und verweist auf den mit Grünen, SPD und Volt beschlossenen Haushalt. Für die Linke bedeutet das Ergebnis neun Sitze im Stadtparlament. Die AfD kommt auf acht Sitze, was AfD-Spitzenkandidat Markus Fuchs nach eigenen Worten freut, denn das sei eine Verdoppelung der bisherigen Fraktionsstärke. Damit könne man noch besser „ideologiegetriebener linker Politik entgegentreten“, egal ob sie von „Grünen, SPD, Linkspartei oder CDU kommt“. Volt hat sich mit fünf Sitzen vor die FDP geschoben. Man habe sich damit als einzige Partei des bisherigen Viererbündnisses verbessert, sagte Volt-Spitzenkandidatin Eileen O’Sullivan. FDP-Spitzenkandidatin Stephanie Wüst sieht in den vier Sitzen eine „solide Basis für die Fraktionsarbeit“. Die Mehrheitssuche sei jetzt zunächst Sache der CDU. Der neuen Stadtverordnetenversammlung werden zehn einzelne Stadtverordnete angehören. Mathias Pfeiffer (BFF), Jutta Ditfurth (Ökolinx), Luigi Brillante (ELF), Jumas Medoff (IBF) und Haluk Yildiz (BIG) saßen bisher schon im Stadtparlament. Das gilt auch für Eyüp Yildiz, der nun für das BSW angetreten ist, und Thomas Bäppler-Wolf, mit dem Die Frankfurter einen Sitz errungen haben. Für die „Partei“ wird Claudia Wehnemann Stadtverordnete. Außerdem sind die Freien Wähler mit Eric Pärisch und die Tierschutzpartei mit Johannes Schmidt vertreten.
