Kinder und Jugendliche in Frankreich können die Notrufnummer 3018 wählen, wenn sie sich in den sozialen Netzwerken belästigt fühlen. In den vergangenen Wochen gingen besonders viele Anrufe von jungen Frauen ein, die heimlich gefilmt worden waren und sich durch die im Netz verbreiteten Videos bloßgestellt oder gedemütigt fühlten. Hinter den unerlaubten Mitschnitten steckten in den meisten Fällen die sogenannten Smart Glasses: Brillen mit eingebauter Kamera, die inzwischen kaum noch von normalen Brillen zu unterscheiden sind. Der Verein E-Enfance, der die Hilfstelefonleitung 3018 verwaltet, erstattete wegen der unerlaubten Aufnahmen und ihrer Verbreitung in den sozialen Netzwerken in mehr als 20 Fällen Anzeige. Die Pariser Staatsanwaltschaft bestätigte, dass mehrere Strafanzeigen „wegen Verletzung der Privatsphäre im Zusammenhang mit der Nutzung von Smart Glasses“ eingegangen seien. In einigen Fällen werde auch wegen „sexueller Nötigung“ ermittelt. Smart Glasses werden in Frankreich wie auch in Deutschland von verschiedenen Brillenherstellern in Kooperation mit amerikanischen Konzernen wie Meta oder Google angeboten. Sie sind mit einer Kamera ausgestattet und mit dem Internet verbunden. Die beliebte Hightechbrille, die Meta mit Ray Ban entwickelte, verkaufte sich 2025 weltweit sieben Millionen Mal. Waren die ersten Versionen noch klar als Techbrillen zu erkennen, sieht etwa die neueste Ray-Ban-Version mit Sonnenfilter wie eine gewöhnliche Sonnenbrille aus. Bis zu zwei Jahre Haft drohen Die Pariser Staatsanwaltschaft spricht von einem „zunehmenden Trend“ in den sozialen Netzwerken, „bei dem Frauen auf der Straße mit Smart Glasses ohne ihre Zustimmung gefilmt und die Aufnahmen anschließend online veröffentlicht werden“. Nach französischem Recht sei das eine Straftat, die mit bis zu zwei Jahren Haft und einer Geldstrafe von bis zu 45.000 Euro bestraft werden könne. Die Strafanzeigen haben die Debatte über ein Smart-Glasses-Verbot neu belebt. Abgeordnete der Linkspartei LFI stellten in der Nationalversammlung eine entsprechende Anfrage. Der LFI-Abgeordente Aurélien Saintoul forderte, dass Smart Glasses in Gerichtsgebäuden und anderen öffentlichen Räumen verboten werden. Die Minderheitsregierung hat sich dazu bislang nicht geäußert. Eigentlich ist es in Frankreich bereits verboten, Menschen zu filmen, ohne sie darüber zu informieren. Meta hat deshalb auch darauf verwiesen, dass ein LED-Licht an der Brille anzeige, wenn die Kamera aktiv ist. Aber wie die französische Presse berichtete, kann das Licht vom Benutzer ohne Schwierigkeiten verdeckt oder entfernt werden. Meta stellte jetzt auch Smart Glasses vor, die nicht über eine Kamera verfügen.
