FAZ 17.03.2026
06:21 Uhr

Ernährung für Kinder: Was Schulkinder in der Brotdose haben sollten


Viele Kinder frühstücken zu Hause nicht, haben kein Pausenbrot dabei oder essen zu viel Süßkram. Ein Gespräch mit der Ernährungsexpertin Claudia Müller über gesunde Mahlzeiten und soziale Aspekte.

Ernährung für Kinder: Was Schulkinder in der Brotdose haben sollten

Frau Müller, in Frankfurt soll bald in Grundschulen für alle Kinder ein Frühstück gestellt werden. Der Grund: Immer noch viel zu viele Kinder kommen ohne Frühstück und ohne Pausenbrot zum Unterricht. Was hat es für Folgen, wenn ein Kind den ganzen Vormittag nichts isst? Es ist tatsächlich so, dass bis zu 30 Prozent der Grundschulkinder nicht zu Hause frühstücken. Die Gründe dafür sind vielfältig: Stress am Morgen, kein Hunger, keine Zeit, fehlende Frühstückskultur oder schwierige sozioökonomische Umstände. Für den Schulalltag kann das bedeuten, dass die Schüler erst in der großen Pause oder am Mittag etwas essen. Eine gesundheitsfördernde Verpflegung, die eine bedarfsgerechte Menge an Energie und Nährstoffen bietet, fördert aber sowohl die körperliche als auch die geistige Entwicklung von Kindern. Kinder haben viel Bewegung und sollen in der Schule etwas leisten. Für sie ist daher ein Frühstück besonders wichtig. Was bewirkt ein Essen am Morgen in den kleinen Körpern? Durch ein ausgewogenes Frühstück werden die Kohlenhydratspeicher wieder aufgefüllt, die über Nacht in Anspruch genommen wurden. Bei optimaler Auswahl der Lebensmittel kann ein ausgewogenes Frühstück einen wichtigen Beitrag zur täglichen Nährstoffzufuhr leisten, und Konzentrationsmangel und Leistungstiefs können so gerade bei Kindern vermieden werden. Wie aber sieht ein optimales Frühstück für Kinder aus? Es sollte aus den folgenden Bausteinen bestehen: Ein Getränk, Getreide in Form von Brot, Brötchen, Müsli oder Getreideflocken gehören dazu. Ebenso Obst oder Gemüse und Milch oder Milchprodukte wie Joghurt, Kefir, Quark und Käse. Sie sprachen von schwierigen sozioökonomischen Umständen, die dazu führen, dass das Frühstück und die Pausenversorgung fehlen. Was können die Eltern Gesundes einpacken, wenn das finanzielle Budget nicht groß ist? Lebensmittel wie Brot, Frischkäse oder auch ein selbst gemachter Aufstrich sowie Gemüse wie Tomate, Paprika oder Gurke lassen sich auch bei nicht so großem Budget für ein Schulfrühstück verwenden. Dabei hilft es auch, auf Obst und Gemüse der Saison zu setzen. Und wie viel sollte ein Kind an einem Vormittag trinken? Trinken ist wichtig. Die Aufgabe von Getränken ist es, den Körper mit Wasser zu versorgen. Wasser sowie ungesüßte Kräuter- und Früchtetees enthalten keine Kalorien und sind daher besonders empfehlenswert. Der Richtwert für die Trinkmenge liegt für Grundschulkinder bei einem Liter pro Tag. In einigen Situationen benötigt der Körper mehr Flüssigkeit, etwa bei großer Hitze, extremer Kälte oder körperlicher Aktivität wie Sport. Was ist von aromatisiertem Wasser zu halten, das gerade auch bei Kindern sehr beliebt ist? Sogenanntes „aromatisiertes Wasser“ kann mit Zucker gesüßt sein. Damit sind sie ungeeignet, ebenso wie die Verwendung von Sirup, der Wasser in ein wohlschmeckendes Getränk verwandelt, oder wie Lightgetränke. Sie enthalten zwar wenig oder gar keine Kalorien, dafür aber Lebensmittelzusatzstoffe wie Süß-, Farb- und Aromastoffe und fördern die Gewöhnung an den süßen Geschmack. Es gibt Kinder, die haben früh am Morgen keinen Appetit. Was können Eltern da tun? Manche Kinder brauchen morgens ein wenig mehr Zeit, um munter und hungrig zu werden. Wenn das Kind zu Hause nur wenig oder gar nicht frühstücken mag, sollten Eltern das akzeptieren und es nicht zum Essen zwingen. Ein Glas Milch mit pürierten Früchten oder eine Saftschorle kann für den Start in den Tag schon genügen. Eltern können dann eine größere Zwischenmahlzeit für die Schule zubereiten. Viele Kinder freuen sich, wenn neben Gesundem auch etwas zum Naschen in der Box ist. Darf das sein, und was ist angemessen? Als Extra in einer Box eignen sich zum Beispiel verschiedene Nüsse oder Trockenfrüchte. Bei einer ausgewogenen Ernährung kann ein maximaler Anteil von zehn Prozent der täglichen Energiezufuhr aus Süßigkeiten und Knabbereien toleriert werden. Wenn Schulen wie jetzt in Frankfurt Frühstück für alle anbieten, worauf sollten sie achten? Bei der Einführung eines Schulfrühstücks gibt es einiges zu beachten, angefangen bei notwendigen Voraussetzungen wie Räumen für die Lagerung, Vor-, Zu- und Nachbereitung, Personal und Finanzierung. Um sich besser durch die Einführung und Umsetzung des Schulfrühstücks zu navigieren, ist es hilfreich, ein individuelles Frühstückskonzept zu erstellen. Dieses schafft für alle Beteiligten Transparenz sowie Sicherheit und kann so ein gemeinsamer Fahrplan für die Umsetzung werden. Dazu braucht es eventuell zunächst ein gemeinsames Leitbild. Dann gilt es, weitere Fragen zu klären, etwa für wen genau soll es Frühstück geben, was benötigen diese Kinder besonders. Neben der Nährstoffversorgung kann Frühstücken auch Gemeinschaft fördern. Ist es zumindest in der Grundschule wichtig, dass es explizite Frühstückspausen gibt, also Zeit, in der nur gemeinsam gegessen wird, nicht auch noch herumgerannt und gespielt? Das Schulfrühstück kann tatsächlich verschiedene Funktionen erfüllen. Es trägt zur Energie- und Nährstoffversorgung bei und bietet die Möglichkeit, in der Lebenswelt Schule anzukommen. Zudem kann es als Plattform zur Inte­gration dienen, das soziale Miteinander fördern und Ernährungskompetenz vermitteln.