Die US-Regierung drängt Deutschland, Frankreich und andere EU-Länder zur Freigabe ihrer Dieselreserven und droht andernfalls mit einem Exportstopp. US-Präsident Donald Trump will damit vor den Zwischenwahlen im November die hohen Kraftstoffpreise senken, wie die Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag unter Berufung auf drei mit den Vorgängen Vertraute berichtete. US-Energieminister Chris Wright hat Medienberichten zufolge angeregt, dass die EU-Länder 120 Millionen Fass Diesel oder rund 40 Prozent ihrer Dieselreserven auf den Markt werfen. Der Dieselpreis an der US-Tankstellen liegt inzwischen im Schnitt bei 6,38 Dollar pro Gallone oder rund 1,50 Euro je Liter. Vor einem Jahr lag der Preis bei 3,75 Dollar je Gallone (0,84 Euro je Liter). „Es ist im besten Interesse Europas, mit den Vereinigten Staaten zusammenzuarbeiten“, sagte einer der Insider, ein US-Regierungsvertreter, zu Reuters. Dem Magazin „Der Spiegel“ zufolge handelt es sich um eine zusätzliche Forderung, die über im März getroffene Vereinbarungen hinausgeht. Sie sei unter anderem Gegenstand eines Schreibens des US-Energieministeriums an das von Katherina Reiche (CDU) geleitete Bundeswirtschaftsministerium in Berlin gewesen. In Brüssel sei die Drohung mit Besorgnis registriert worden, hieß es aus der EU-Kommission. Große europäische Staaten, darunter auch Großbritannien, würden sich in einer Schalte abstimmen. Deutschland bezieht fünf Prozent seines Diesel-Bedarfs aus den USA Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums sagte, entscheidend seien koordinierte Lösungen mit dem Ziel, die Märkte zu stabilisieren. „Eventuelle Maßnahmen müssen auf einer sorgfältigen gemeinsamen Lagebewertung im Rahmen der dafür vorgesehenen internationalen Verfahren beruhen. Grundsätzlich gilt: Der Markt darf nicht verunsichert werden.“ Zur Stabilisierung der Märkte sei Deutschland Anfang März an einer historischen Freigabe strategischer Ölreserven beteiligt gewesen. Derzeit gebe es keine neuen Anforderungen seitens der Internationalen Energieagentur (IEA). „Wir spekulieren nicht über eventuell künftige Ereignisse.“ Der „Spiegel“ zitierte den Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, mit der Einschätzung, Diesel könne sich um 20 bis 25 Prozent verteuern. Europa ist nach dem Einfuhrverbot für russische Produkte wegen des Ukraine-Krieges und Lieferunterbrechungen aus dem Nahen Osten infolge des Krieges gegen den Iran stärker auf US-Treibstoff angewiesen. Deutschlands Abhängigkeit von US-Diesel liegt dem Bericht zufolge bei etwa fünf Prozent des Bedarfs. USA gehören heute zu wichtigsten Exporteuren Die US-Regierung ist den Insidern zufolge verärgert, weil Deutschland und Frankreich frühere Zusagen zur Freigabe von Notreserven nicht vollständig umgesetzt hätten. Aus dem Bundeswirtschaftsministerium hieß es dem „Spiegel“ zufolge dagegen, von den im Frühjahr zugesagten Mengen sei nur ein Bruchteil abgerufen worden. Die USA sind zu einem der wichtigsten Exporteure von Diesel aufgestiegen, nachdem Russland als Lieferant ausfällt und Lieferungen aus dem Mittleren Osten unsicher geworden sind. Amerikas Raffinerien laufen an ihrer Kapazitätsgrenze. Trump spielt mit dem Gedanken, Diesel-Exporte zu verbieten, um die inländischen Preise zu stabilisieren. Sein Energieminister Chris Wright wie auch die Ölkonzerne wenden sich aber gegen diese Pläne. Sie würden in einigen Regionen der USA Diesel noch verteuern, weil diese bisher auf Importe angewiesen sind. Ein Exportbann könnte überdies zur Drosselung der Produktion beitragen, weil die Lagerkapazitäten schnell erschöpft wären. Das könnte die Preise für Benzin nach oben treiben, der zusammen mit Diesel produziert wird. Bei schweren globalen Angebotsausfällen koordiniert die Internationale Energieagentur (IEA) in Paris häufig die gemeinsame Freigabe strategischer Ölreserven. Über ihren jeweiligen Beitrag entscheiden die beteiligten EU-Staaten jedoch selbst – und setzen ihn auch eigenständig um.
