FAZ 24.05.2026
11:19 Uhr

Frankfurter Gesichter: Heinz Felber fühlt sich hinter dem DJ-Pult nicht zu alt


In den Neunzigerjahren macht der DJ Heinz Felber den House-Sound in Frankfurt populär. Heute geht es der Neunundsechzigjährige deutlich ruhiger an, gefeiert wird trotzdem noch immer.

Frankfurter Gesichter: Heinz Felber fühlt sich hinter dem DJ-Pult nicht zu alt

Aufhören? Das kommt für ihn nicht infrage. „Warum sollte ich?“, fragt Heinz Felber. Als DJ will er weitermachen, auch wenn im September nun sein siebzigster Geburtstag ansteht. Der Grund dafür ist so einfach wie logisch: „Ich lege einfach noch immer gerne auf.“ Heinz Felber ist die Konstante im Frankfurter Nachtleben. Tausende Nächte hat er hinter dem DJ-Pult verbracht, zu seiner Musikauswahl tanzten Generationen. Und auch heute noch versetzt er die Nachtschwärmer in Euphorie: Mit der Partyreihe „Nizza’s blaue Stunde“, die sich an ein Ü-50-Publikum richtet, feiert Felber gerade einmal wieder ein Comeback. In die Stadt ist er 1978 aus dem österreichischen Graz gekommen. Er war „ein langjähriger Gitarrist“ und „Nach-Hippie“, kurz zuvor hatte er noch trampend die Welt bereist. Bis nach Afghanistan und Nepal hatte Felber es per Anhalter geschafft. Ein anderer Österreicher, der Musiker George Liszt, lockte ihn in die Stadt am Main. Felber könne dort gut als Studiomusiker arbeiten, versprach Liszt und besorgte ihm auch gleich ein paar Aufträge. Ein schneller Durchbruch wurde daraus jedoch nicht. „Ich war für diesen Job zu wild.“ Disco erobert die Nachtklubs Also machte Felber erst einmal dies und das. Jobbte als Kellner, putzte in Nachtklubs, hangelte sich irgendwie durch. Als ein Musikerfreund, der auf Konzerttour gehen wollte, ihn fragte, ob er ihn eine Zeitlang als DJ vertreten könne, sagte er sofort zu. Disco lag damals in der Luft, Felber sog den hedonistischen Lebensstil begierig auf. Und lernte schon wenig später Ralf-Rainer Rygulla kennen. Auch der arbeitete als DJ, vor allem aber prägte er die Literaturszene. Rygulla hatte die amerikanischen Beat-Autoren in Deutschland bekannt gemacht und als Lektor für den März-Verlag und Rowohlt gearbeitet. „Er wurde zu meinem Mentor“, erinnert sich Felber. Gemeinsam erweckten die beiden ein schräges Musikprojekt zum Leben: Molto Stuhl. Wild-wirre Texte, elektronische Beats und der Do-it-yourself-Geist der Punkbewegung kamen dabei zusammen. Rio Reiser, Heiner Goebbels oder der Neue-Deutsche-Welle-Star Markus („Kleine Taschenlampe brenn“) gaben den Stücken ihre Stimme. Richtig bekannt wurde Felber am Ende der Achtzigerjahre. Fünf Abende in der Woche legte er im angesagten Nachtklub Cooky’s in der Frankfurter Innenstadt auf. Er spielte damals eine Musik, die nirgendwo sonst in Frankfurt lief: House. Bei Besuchen in London hatten er und Rygulla die Weiterentwicklung des Disco-Sounds kennengelernt, im Cooky’s setzte Felber nun komplett darauf. Weil House-Schallplatten in Deutschland noch ein rares Gut waren, wurde er zum Vielflieger. Einmal in der Woche stieg Felber frühmorgens ins Flugzeug nach London, am Nachmittag kehrte er mit neuer Ware aus den Plattenläden der britischen Metropole zurück. „Das waren White Labels, von jedem Stück gab es nur zwischen 300 und 500 Exemplare.“ Er legte „in allen Käffern zwischen Erfurt und Jena“ auf Zu einem Pionier wurde er auch später noch ein zweites Mal: am Ende der Neunzigerjahre. „Da brachte ich House in den Osten“, erzählt Felber. Er hatte einen Manager gefunden, der in Bad Hersfeld lebte, an der früheren deutsch-deutschen Grenze. „In allen Käffern zwischen Erfurt und Jena“ sei er damals aufgetreten, erinnert sich der DJ. Mittlerweile legt Felber schon länger nicht mehr die neuesten Stücke auf. Was gerade besonders hip und populär ist, interessiert ihn nicht. Stattdessen spielt er Hits aus den Siebzigern, Achtzigern und Neunzigern, mischt Hip-Hop und Grunge, alte Schlager und Disco-Tracks. Das ist der Sound, den die Gäste seiner Partyreihe „Nizza’s blaue Stunde“ lieben. Das Erfolgsrezept einer Party? „Es muss einfach Spaß machen“, sagt Felber.