Herr Metzer, Sie leiten die Freiwillige Feuerwehr im nordrhein-westfälischen Willich und sind stellvertretender Kreisbrandmeister im Kreis Viersen. Gerade waren Sie noch im Einsatz im Hürtgenwald. Wenn ich zur Freiwilligen Feuerwehr möchte und mich bei einer Feuerwache bewerben will, wie läuft das ab? Im Regelfall gibt es ein Aufnahmegespräch mit den Einheitsführern. Da nimmt man sich Zeit für die Leute, fragt, welche Erwartungen es gibt, und erklärt, wie die Ausbildung aussieht und welche Stunden erbracht werden müssen. Gibt es Voraussetzungen, die ich erfüllen muss, um angenommen zu werden? Es gibt arbeitsmedizinische Untersuchungen, die man durchlaufen muss, weil wir diese Befähigung als Grundvoraussetzung ansehen, um den Feuerwehrdienst aufzunehmen. Es wird zum Beispiel untersucht, ob man in der Lage ist, schweren Atemschutz zu tragen. Dann gibt es Feuerwehren, die lassen untersuchen, ob man zum Beispiel eine Drehleiter bedienen oder Hubrettungsfahrzeuge führen kann. Die Leute sollen ja auch Einsatzfahrzeuge fahren und bedienen können. Dafür sind ein paar grundsätzliche Dinge vonnöten. Eine gewisse Grundfitness wird also überprüft. Testen Sie auch die psychische Belastbarkeit? Einige machen das, aber ein Gros nicht. Es gibt auch einige Feuerwehren, die ein polizeiliches Führungszeugnis verlangen. Wir haben auch schon erlebt, dass Interessierte Eintragungen hatten, die nicht mit einem Dienst bei der Feuerwehr übereinstimmen. Das hätte ich jetzt nicht gedacht. Ja, auch die Feuerwehr ist ein Spiegel der Gesellschaft. Sie sagen, einige Feuerwehren machen das so. Es ist also nicht deutschlandweit einheitlich? Nein, noch nicht mal innerhalb von Nordrhein-Westfalen. Es hängt damit zusammen, wie die Feuerwehren strukturiert sind und welche Aufgaben bewältigt werden müssen. Als Leiter einer Feuerwehr muss man sich dementsprechend aufstellen. Es gibt verschiedenste Aufgaben, mit denen Feuerwehrleute konfrontiert werden, jeder Leiter muss seinen Standard für sich festlegen. Aber im Kreis Viersen ist es fast überall ähnlich. Wie sehen die Ausbildung und die Arbeit bei der Freiwilligen Feuerwehr aus? Es gibt regelmäßige Dienste. Manche machen sie wöchentlich, manche machen sie alle 14 Tage. Zwischendurch gibt es Module für die Grundausbildung, sie umfasst 180 bis 200 Stunden. Danach folgen Prüfungen, sowohl in der Praxis als auch in der Theorie. Darauf bauen sich dann noch spezielle Lehrgänge auf, zum Beispiel zu Atemschutz oder Sprechfunk, oder eine Truppführer-Ausbildung oder eine Ausbildung im Bereich Gefährliche Stoffe und Güter. Die Freiwillige Feuerwehr Willich war auch beim Brand im Hürtgenwald im Einsatz. Wird bei so einem Großeinsatz zwischen Berufs- und Freiwilliger Feuerwehr unterschieden? Nein, das ist vollkommen gemischt, da wird im Einsatz kein Unterschied gemacht. Im Kreis Viersen hat nur Viersen selbst eine hauptamtliche Wache. Bei einer Großlage arbeiten alle zusammen. Man muss die Leute sehr umfassend ausbilden. Wie lief die Einsatzkoordination im Hürtgenwald ab? Es waren viele Bereitschaften im Einsatz, die von einer zentralen Einsatzleitung koordiniert werden. Die einzelnen Bereitschaften kriegen dann Abschnitte zugewiesen mit klaren Arbeitsaufträgen. Diese Aufgaben werden dann autark abgearbeitet. Bei so einem großflächigen Waldbrand kommen Sie aber ohne Luftunterstützung nicht aus. Die Hubschrauber fliegen drüber, machen thermographische Aufnahmen und können die Feuerwehrleute zu Schwerpunkten hinleiten. Auch die Bundeswehr war vor Ort. Die Bundeswehr war auch im Einsatz, um mit Bergepanzern Schneisen zu schieben, weil es munitionsbelastete Flächen gab. Da müssen Sie mit so einem schweren Gerät ran, um sicherzustellen, dass keine Munition mehr umsetzt. Es gibt aber auch kartographische Aufzeichnungen darüber, welche Bereiche bereits geräumt sind – und welche Bereiche nicht ohne Weiteres betreten werden können. Dort kann man dann eben nur aus der Luft wirken. Mittlerweile hat sich die Lage dort aber sehr entspannt. Haben Sie den Eindruck, dass sich durch die großen Waldbrände mehr Freiwillige bei Ihnen melden? Es gibt Anfragen, der eine oder andere überlegt sich dann, das wäre unter Umständen etwas für mich. Aber so etwas wie eine „Initialzündung“ lässt sich zumindest hier nicht direkt ableiten. Haben Sie aktuell personelle Sorgen? Wenn wir noch mehr Personal hätten, wären wir sicherlich dankbar. Durch größere Schadensereignisse tritt auch eine Eigenbetroffenheit ein, also Feuerwehrleute und deren Familien sind selbst betroffen. Die müssen sich dann natürlich um ihre Familie und ihr eigenes Hab und Gut zuerst kümmern, bevor sie der Allgemeinheit zur Verfügung stehen.
