FAZ 17.09.2026
14:51 Uhr

Gewerbegebiet in Hofheim: Amazon-Tochter AWS prüft Fläche für Rechenzentrum


Der Cloud-Dienstleister Amazon Web Services (AWS) hat das Grundstück eines geplanten Gewerbegebiets in Hofheim-Diedenbergen gekauft. Das Unternehmen prüft, ob der Standort für ein Rechenzentrum infrage kommt.

Gewerbegebiet in Hofheim: Amazon-Tochter AWS prüft Fläche für Rechenzentrum

Das Unternehmen Amazon Web Services (AWS) prüft derzeit, ob die Fläche des geplanten Gewerbegebiets im Hofheimer Stadtteil Diedenbergen das Potential für ein Rechenzentrum hat. Das hat die Stadt Hofheim mitgeteilt. Das Unternehmen habe das zehn Hektar große Grundstück von der Krieger Grundstücksgesellschaft gekauft, heißt es in dem Schreiben aus dem Rathaus. Viel mehr ist noch nicht bekannt: Informationen zu dem Vorhaben soll es laut Stadt erst in der Sitzungsrunde der städtischen Gremien im Oktober geben. Amazon Web Services werde dann den Magistrat, den Ortsbeirat Diedenbergen und den Planungsausschuss der Stadtverordnetenversammlung über die Pläne informieren und „deren Fragen direkt beantworten“, heißt es. Die Kreisstadt hatte im Juni vergangenen Jahres einen städtebaulichen Vertrag mit der Grundstücksgesellschaft geschlossen. Diese sollte den Gewerbepark auf den Äckern am Ortsrand von Diedenbergen nahe der A 66 entwickeln und erschließen. Außerdem war ein Bebauungsplan beschlossen worden. Damals war vorgesehen, dass das Gebiet künftig unter anderem das  Hofheimer Maschinenbau-Unternehmen Polar Cutting Technologies beherbergen sollte. Das traditionsreiche Unternehmen, das zuvor Polar Mohr hieß, hatte seine Grundstücke am Hofheimer Bahnhof nahe der Innenstadt vor einigen Jahren verkauft. Inzwischen ist es jedoch insolvent. Es hatte schon vorher Abstand von dem Umzug nach Diedenbergen genommen. Nach dem Verkauf an Amazon heißt es jetzt in der Mitteilung der Stadt: „Obwohl die Entwicklungspläne noch nicht endgültig feststehen, führt AWS derzeit eine Sorgfaltsprüfung durch, um das Potential des Standorts als Rechenzentrumsstandort zu prüfen.“ AWS habe zusammen mit der Krieger Grundstücksgesellschaft „erste allgemeine Informationen zum Unternehmen gegeben und dabei den Willen zur Zusammenarbeit mit der Stadt Hofheim betont“. Das zum amerikanischen Onlineversandhändler Amazon gehörige Unternehmen ist nach eigenen Angaben die „weltweit umfassendste und meistgenutzte Cloud-Plattform“, die außer Cloud-Funktionen auch KI-Funktionen anbietet. Anna Lührmann, Bundestagsabgeordnete der Grünen aus dem Wahlkreis Main-Taunus, teilte zu dem Verkauf des Gewerbegebiets mit, sollte AWS tatsächlich ein Rechenzentrum errichten, sei „maximale Nachhaltigkeit“ vonnöten. Gleichzeitig müsse sich die finanzielle Beteiligung der Stadt „grundlegend ändern“, forderte Lührmann. „Bislang wandern die Gewinne großer Tech-Konzerne oftmals an den Kommunen vorbei in die Firmenzentralen.“