Der Blick über den Stadtwald hinweg auf die Frankfurter Hochhäuser bis hin zum Taunus ist etwas Besonderes. Den hat man sich bisher hart erarbeiten müssen. 197 Stufen trennen den Besucher bei der Ankunft am Goetheturm im Stadtwald in Sachsenhausen von der Aussichtsplattform in rund 39 Metern Höhe. Doch seit dieser Woche ist der Skylineblick auch vom Sofa aus zu haben. Damit mehr Menschen ihn genießen können, hat die Stadt Frankfurt jetzt eine Webcam auf dem Dach des insgesamt gut 43 Meter hohen Holzturms installiert. Die ist nicht nur in Richtung der Frankfurter Innenstadt ausgerichtet, sondern bietet mit ihren Livebildern einen 360-Grad-Panoramablick und damit eine weite Aussicht in die Rhein-Main-Region. Im Osten sind Offenbach und Maintal zu sehen, im Süden reicht der Blick über Neu-Isenburg bis zum Odenwald. Der Blick vom Goetheturm im Internet jederzeit abrufbar. Unten am Turm hilft ein QR-Code, das Angebot zu finden. „Mehr Teilhabe“ Die Installation der Webcam ist eine gemeinsame Initiative von Klima- und Umweltdezernentin Tina Zapf-Rodríguez und Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg, die gleichzeitig Dezernentin für Diversität und gesellschaftlichen Zusammenhalt ist. Den beiden Grünen-Politikerinnen ist es nach eigenen Angaben ein Anliegen, den bei den Frankfurtern beliebten Aussichtspunkt jedem zu erschließen. „Wir treten in allen Lebensbereichen für mehr Teilhabe ein“, sagte Eskandari-Grünberg bei der Vorstellung des Projektes. Am Goetheturm sei dies durch eine digitale Lösung einfach zu realisieren. „Von unten oder zu Hause zu schauen, was oben passiert“, sei für alle ein Gewinn. Für die Bürgermeisterin ist es „eine kleine Aktion mit großer Wirkung, die verhindert, Menschen in der Stadt auszugrenzen“. Das Vorhaben sei von der Behindertenbeauftragten der Stadt begleitet worden. Für Zapf-Rodríguez ist es zudem ein Beispiel für die Zusammenarbeit von Ämtern. Die Stabsstelle Inklusion, für die die Bürgermeisterin zuständig ist, hat Webcam und Installation mit 28.000 Euro finanziert. Allerdings sind nicht alle in der Stadt überzeugt, dass die Webcam eine Bereicherung ist. Die Frankfurter Behindertenarbeitsgemeinschaft und die Fraktion der Linken im Römer kritisieren, dass nur der barrierefreie Zugang zum Turm „echte Teilhabe“ bedeuten würde. Nachdem der Vorgängerbau im Herbst 2017 durch Brandstiftung zerstört worden war, hatten sich die Frankfurter den originalgetreuen Wiederaufbau des 1931 aus Anlass des bevorstehenden hundertsten Todestags von Johann Wolfgang von Goethe errichteten Turms gewünscht. In einer Bürgerumfrage sprach sich die Mehrheit damals dafür aus, der neue Goetheturm möge genauso aussehen wie der alte – ohne Fahrstuhl.
