Es war, wie Cameron Young später selbst sagte, „wahrscheinlich der beste Schlag meines Lebens“. Ausgerechnet am 18. Loch des Stadium Course im TPC Sawgrass in Ponte Vedra Beach (Florida), wo am Vortag sein Abschlag noch im Wasser gelandet war, gelang dem 28 Jahre alten Amerikaner im Finale der Players Championship ein besonderes Kunststück: 375 Yards, umgerechnet rund 343 Meter weit schlug er den Ball aufs Fairway. Kein Spieler hatte seit Beginn der Aufzeichnungen des Datensystems ShotLink im Jahr 2003 einen längeren Schlag auf diesem Loch geschafft. Wenig zuvor hatte Young bereits am weltberühmten 17. Loch mit dem Inselgrün, seine Nerven bewiesen. Dieses Par-3 spielte sich am Sonntag etwa 125 Meter lang. Young griff zum Sandwedge (57 Grad) und schlug seinen Ball bis auf rund drei Meter an die Fahne. Den anschließenden Birdie-Putt lochte er sicher ein und zog damit mit seinem englischen Mitspieler Matt Fitzpatrick gleich, dem US-Open-Champion von 2022. Damit war die Entscheidung wieder völlig offen, ehe das dramatische Finale am letzten Loch begann. Während Young seinen spektakulären Drive mittig auf das Fairway setzte und sich damit eine hervorragende Ausgangsposition verschaffte, geriet Fitzpatrick am Abschlag unter Druck. Sein Drive landete rechts in den Kiefernnadeln. Von dort rettete sich der Engländer zwar noch aufs Grün, doch aus rund zweieinhalb Metern verpasste er anschließend den Par-Putt – und überließ damit Young mit einem Schlag Rückstand den Sieg. Besonders bitter für Fitzpatrick: Die beiden sind Teamkollegen in der Indoor-Liga TGL. Mit seinem Triumph dank einer Schlussrunde von 68 Schlägen holte Young nicht nur seinen zweiten Titel auf der PGA Tour. Ein weltberühmter Platz Der Profi aus dem Bundesstaat New York machte auch einen großen Sprung in der Weltrangliste: von Platz 15 auf Rang vier. Dabei war Young lange vor allem für seine zahlreichen zweiten Plätze bekannt. Insgesamt sieben Mal war er auf der PGA Tour bereits knapp gescheitert – darunter auch bei der Open Championship 2022 auf dem Old Course von St. Andrews. Sein erster Sieg ließ ungewöhnlich lange auf sich warten: Erst bei seinem 94. Start auf der PGA Tour gelang ihm im vergangenen August bei der Wyndham Championship der Durchbruch. Seitdem bestritt er weitere Turniere, ehe er nun bei seinem etwa 110. Start gleich das Flaggschiff-Event direkt neben dem Hauptquartier der PGA Tour gewann. Auch auf dem Stadium Course des TPC Sawgrass hatte er zuvor noch nicht brilliert. Sein bestes Ergebnis auf diesem weltberühmten, bei Hobbygolfern begehrten Platz (Greenfee 750 Dollar, rund 655 Euro, in der Hochsaison) hatte er vor zwei Jahren mit Rang 54 sein bestes Resultat erreicht. Bei diesem dramatischen Wechsel spielte sein Vater Dave Young eine wichtige Rolle. Als Golflehrer unterstützt er seinen Filius seit Kindestagen als Coach und Mentor. Wie der Sohn nach dem Turnier erzählte, habe Daddy ihm schon in jungen Jahren beigebracht, unter Druck besonders ruhig zu bleiben – eine Fähigkeit, die sich gerade auf den letzten Löchern von Sawgrass als entscheidend erwies. Die Deutschen spielen Nebenrollen Während Young im Finale die Nerven behielt, erlebten einige seiner Konkurrenten dramatische Einbrüche. Der Schwede Ludvig Åberg, der mit drei Schlägen Vorsprung vor Michael Thorbjornsen, seinem amerikanischen Mitspieler und Nachbarn aus Ponte Vedra Beach, auf die Schlussrunde gegangen war, fiel mit zwei Schlägen ins Wasser und insgesamt 76 Schlägen auf den geteilten fünften Platz zurück. Auch Thorbjornsen, früher einmal die Nummer eins der Amateur-Weltrangliste, konnte seine gute Ausgangsposition nicht halten und rutschte nach seiner Schlussrunde (77) gar auf Rang 22 ab. Der Sieg Youngs, der mit vier Schlägen Rückstand auf Åberg den Schlusstag begonnen hatte, fügt sich damit in eine Reihe spektakulärer Entscheidungen bei der Players Championship ein. Auch in diesem Jahr bestätigte sich der Ruf des Stadium Course als einer der dramatischsten Plätze im Golfsport. Die beiden Deutschen im Feld spielten wie die beiden besten Golfer der Welt nur Nebenrollen. Matti Schmid teilte sich den 42. Platz unter anderem mit Titelverteidiger Rory McIlroy. Stephan Jäger belegte am Ende nur den geteilten 62. Platz. Der Weltranglisterste Scottie Scheffler aus Dallas (Texas), der bisher als einziger 2024 seinen Titel bei diesem inoffiziellen fünften Major verteidigt hatte, konnte seine zuletzt aufgetretenen Schwungprobleme nicht lösen und kam über Rang 22 nicht hinaus. Den Nordiren McIlroy plagten weiterhin Rückenprobleme. Ob der Masters-Champion in den kommenden Tagen noch ein weiteres Turnier bestreitet, um sich auf den ersten Höhepunkt der Saison vorzubereiten, ist derzeit unklar. Während einige Favoriten also noch mit Form oder Fitness kämpfen, reist Cameron Young mit neuem Selbstvertrauen nach Augusta. Nach seinem spektakulären Sieg in Sawgrass gehört er nun zu den Spielern, denen beim Masters (9. bis 12. April) in Augusta (Georgia) der nächste große Coup zugetraut wird, zumal sich seine Bilanz dort sehen lassen kann. Bei seinen vier Teilnahmen an diesem Major verpasste er zwar zweimal den Cut (2022 und 2025), aber 2023 und 2024 hatte er es mit den Plätzen sieben und neun unter die Top Ten geschafft.
