FAZ 17.08.2026
15:45 Uhr

Hayden Panettiere: Sie erlebte früh, dass andere sich eine Meinung zu ihrem Körper erlaubten


Cheerleaderin in „Heroes“, aufstrebende Musikerin in „Nashville“ und die Tochter von Ally McBeal: US-Schauspielerin Hayden Panettiere ist im Alter von 36 Jahren gestorben. Mit Wladimir Klitschko hatte sie eine gemeinsame Tochter.

Hayden Panettiere: Sie erlebte früh, dass andere sich eine Meinung zu ihrem Körper erlaubten

Gegen Klischees kommt man nur mit großer Ernsthaftigkeit an. Hayden Panettiere nahm damit die schwierige Rolle der Cheerleaderin Claire in der Serie „Heroes“ in Angriff, die sich vom Stereotyp der jungen, blonden Highschool-Königin emanzipieren muss, als sie feststellt, dass ihr Körper deutlich robuster ist als der ihrer Mitmenschen. Den Umstand, dass andere sich über ihren Körper einfach eine Meinung erlaubten, hatte die amerikanische Schauspielerin bereits als Heranwachsende erleben müssen. In ihrer in diesem Frühjahr erschienenen Autobiographie „This Is Me: A Reckoning“ beschreibt sie, wie sie infolge der aufdringlichen Berichterstattung der Boulevardpresse als Teenager unter einer körperdysmorphen Störung litt. Schon früh hatte die Mutter der 1989 in New York geborenen Panettiere ihre Tochter zu Vorstellungsrunden für Schauspiel- und Modeljobs angemeldet. Noch bevor sie fünf Jahre alt war, spielte sie in rund 50 Werbespots mit. Den Durchbruch als ernst zu nehmende Schauspielerin brachte ihr im Jahr 2000 die Rolle als schlagfertige Tochter von Denzel Washington im Sportfilm „Gegen jede Regel“. Kurz darauf spielte sie in der Anwaltsserie „Ally McBeal“ die Tochter der Hauptfigur. Auch in Genrefilmen trat sie auf. Der Horrorregiemeister Wes Craven bescheinigte ihr „herausragende technische Fähigkeiten“ bei der gemeinsamen Arbeit an den Gruselfilmen „Scream 4“ (2011) und „Scream 6“ (2023): „Sie kann sehr schnell eine enorme emotionale Tiefe in etwas hineinbringen.“ Sie hat eine Tochter mit Wladimir Klitschko 2009 lernte Panettiere den ukrainischen Boxer Wladimir Klitschko kennen. Fünf Jahre später brachte sie die gemeinsame Tochter Kaya zur Welt. Nach der Geburt litt sie an Wochenbettdepression, die sie mit Opioiden und Alkohol zu bekämpfen suchte. Ihre Arbeit an der Serie „Nashville“, in der sie eine aufstrebende Musikerin spielte, wofür sie zwei Golden-Globe-Nominierungen erhalten hatte, unterbrach sie 2015, um sich in einer Klinik wegen ihrer Depression behandeln zu lassen. Sie nahm kurz darauf ihre „Nashville“-Rolle wieder auf; die Sucht- und Depressionserfahrung ließ sie in die Erarbeitung ihres Seriencharakters einfließen. Ihre Familie konnte sie dennoch nicht retten. Als die Tochter drei Jahre alt war, reichte Klitschko das Gesuch auf alleiniges Sorgerecht ein und zog mit dem Kind nach Europa. Nun ist Hayden Panettiere im Alter von 36 Jahren gestorben. Die Nachricht ließ ihr Vater in einem Statement über den Publizisten seiner Tochter veröffentlichen. „Sie war ein wunderbarer Mensch voller Ausstrahlung und eine wahre Naturgewalt, die all jenen, die sie kannten – sowie den Millionen, die sie auf dem Bildschirm sahen –, unermessliche Liebe und Freude schenkte“, heißt es in der Erklärung.  Zu den Umständen des Todes äußerte er sich nicht. Freunde und frühere Kollegen Panettieres kondolierten in den sozialen Netzwerken. Oscargewinnerin Viola Davis, an deren Seite Panettiere im Drama „The Architect“ (2006) und dem Gerichtsfilm „Custody“ (2016) aufgetreten war, beschrieb sie als „umwerfendes Talent“: „Ich wünschte, die Welt hätte mehr Zeit mit dir gehabt, denn ich war brennend neugierig darauf, zu erfahren, wohin du dich gerade entwickelst. Ich sah einen wunderschönen Phönix, der sich aus der Asche erhob.“