FAZ 02.10.2026
09:10 Uhr

Horn von Afrika: Äthiopien und Eritrea brechen diplomatische Beziehungen ab


Die Volksbefreiungsfront von Tigray rückt in Äthiopien vor. Die Regierung wirft Eritrea vor, die Konflikte im Land zu schüren – und eskaliert die ohnehin angespannte Lage.

Horn von Afrika: Äthiopien und Eritrea brechen diplomatische Beziehungen ab

Äthiopien und Eritrea haben am Donnerstag ihre diplomatischen Beziehungen abgebrochen. Die äthiopische Botschaft in Asmara werde geschlossen, teilte die Regierung in Addis Abeba mit. Äthiopien wirft Eritrea die Unterstützung der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) vor. Die TPLF hatte Ende September eine Offensive in den an die Region Tigray angrenzenden Provinzen Amhara und Afar im Nordwesten Äthiopiens gestartet. Das eritreische Außenministerium kündigte daraufhin seinerseits den Abbruch „aller diplomatischen Beziehungen mit Äthiopien an“. Eritrea hatte sich Anfang der Neunzigerjahre nach einem drei Jahrzehnte währenden Krieg von Äthiopien abgespalten und sich 1993 für unabhängig erklärt. Das deutlich größere Äthiopien verlor dadurch den direkten Zugang zum Roten Meer. Wegen eines Grenzkonflikts führten die beiden Länder am Horn von Afrika von 1998 bis 2000 wieder Krieg gegeneinander. Rund 80.000 Menschen kamen dabei ums Leben. Erst 2018 nahmen beide Länder wieder diplomatische Beziehungen auf. Im Krieg zwischen der äthiopischen Armee und der TPLF von November 2020 bis November 2022 wurden nach Schätzungen der Afrikanischen Union mindestens 600.000 Menschen getötet. Das Friedensabkommen von Pretoria beendete die Kämpfe zwar, zentrale Vereinbarungen wurden aber nicht umgesetzt. Dazu gehören die Entwaffnung der TPLF und die Rückkehr hunderttausender Vertriebener.