FAZ 17.08.2026
17:03 Uhr

Kampf gegen Waldbrände: Der Bund taugt nicht zum Retter


Manche glauben, der Kampf gegen Wald- und Flächenbrände müsse zentralisiert werden. Das wäre ein Irrweg.

Kampf gegen Waldbrände: Der Bund taugt nicht zum Retter

Verheerende Wald- und Flächenbrände schienen aus deutscher Perspektive bisher ein Problem in anderen, mehr oder weniger fernen Weltregionen zu sein – Australien, Kalifornien, Spanien oder Griechenland. Hierzulande wiegte man sich wegen des gemäßigten Klimas bis auf ein paar regionale Ausnahmen in Sicherheit. Die Bilder aus dem brennenden Hürtgenwald bei Aachen und dem deutsch-belgischen Naturschutzgebiet Hohes Venn nur wenige Kilometer weiter führen nun auch einer breiten Öffentlichkeit vor Augen, dass das Geschichte ist. Als Folge des Klimawandels kommt es seit einiger Zeit in raschem Takt zu Hitzesommern, in denen immer auch die Wälder enorm leiden. Nach den Trockenjahren 2018, 2019, 2022 und 2025 hatten die Bäume kaum die Chance, sich zu erholen. Und dieser Sommer schlägt noch einmal alle Rekorde. Vermutlich wird 2026 auch ein neues Rekordjahr für Wald- und Flächenbrände. Fachleute warnen schon länger davor, dass Deutschland die Gefahr unterschätze und schlecht vorbereitet sei. Manche plädieren deshalb für eine weitgehende Zentralisierung beim Bund. Das sehen auch im politischen Betrieb einige so. Anfang 2023 forderte die Linksfraktion von der Bundesregierung im für sie ungewohnten militärischen Duktus gar die Bildung einer „luftverlegbaren Brandbekämpfungseinheit“. Abgesehen davon, dass die Vorstellung naiv ist, das Problem Waldbrand lasse sich mit einer Art schnellen Eingreiftruppe aus der Welt schaffen, steckt auch hinter dieser Idee eine tiefe Föderalismusskepsis. Von der Basis her leben Nach der bundesrepublikanischen Ordnung sind in erster Linie Kommunen und Länder für die Brandbekämpfung zuständig. Und das ist auch gut so. Denn dieses Gefüge ist nicht Teil des Problems, sondern im Gegenteil der Garant dafür, dass die Brandbekämpfung alles in allem gut funktioniert. Das Fundament dafür ist, dass es in der Fläche Verantwortliche gibt, die mit den örtlichen Gegebenheiten bestens vertraut sind, eine Lage umgehend einschätzen können und fähig sind, im richtigen Moment auch weitreichende Maßnahmen wie die Evakuierung ganzer Orts- und Stadtteile anzuordnen oder starke Kräfte von außen anzufordern. Nach allem, was bisher bekannt ist, hat genau das beim Kampf gegen den Brand im Hürtgenwald gut funktioniert. Die Verantwortlichen im Kreis Düren erkannten das Potential der Gefahr früh und forderten Verstärkung „von oben“ an, die anders als bei früheren Katastrophen auch rasch zur Verfügung stand: Hubschrauber der Landes- und der Bundespolizei warfen Wasser ab, Kräfte des Technischen Hilfswerks und privater Organisationen waren im Einsatz, zwei Panzer der Bundeswehr zogen Brandschneisen. Damit ähnlich komplexe Einsätze wie im Hürtgenwald künftig auch andernorts erfolgreich koordiniert werden können, braucht es den Ausbau von Führungsstrukturen und systematische Weiterbildungen. Zentralisiert lässt sich auch das nicht leisten. Dafür sind die Länder zuständig – deren Aufgabe es auch ist, noch mehr voneinander zu lernen. Ein Vorbild ist Brandenburg, das zu den Ländern mit der höchsten Waldbrandgefährdung in Deutschland zählt. Denn in dem ostdeutschen Bundesland gibt es ausgedehnte Kiefernforst-Monokulturen auf sandigem und damit schnell austrocknendem Boden, der obendrein mit großen Mengen an Munition aus dem Zweiten Weltkrieg verseucht ist. Waldumbau ist Waldbrandprävention In Brandenburg stellt die untere Forstbehörde jeweils zum 1. März einen Waldbrandalarmplan auf, es gibt ein Waldbrandkompetenzzentrum für die Grundsatzarbeit beim vorbeugenden und abwehrenden Waldbrandschutz. Und in ganz besonders gefährdeten Gebieten hat Brandenburg ein Überwachungssystem zur Waldfrüherkennung aufgebaut. Es ist gut, dass es zumindest den Ansatz dazu auch in Nordrhein-Westfalen gibt. Am Niederrhein wird der Wald seit 2024 im Rahmen eines Pilotprojekts mit Kameras überwacht. Das System sollte so rasch wie möglich in anderen besonders gefährdeten Gebieten installiert werden. Als Lehre aus dem verheerenden Waldbrandjahr 2026 muss an vielen weiteren Stellschrauben gedreht werden. Kommunale und freiwillige Feuerwehren werden es zwar auch künftig überwiegend mit Zimmerbränden zu tun haben, doch die Bekämpfung von Vegetationsbränden muss stärker zum Aus- und Weiterbildungsthema werden. Unabdingbar ist auch ein noch konsequenterer Waldumbau. Denn Nadelholzbestände sind besonders leicht entzündlich. Die wegen des Klimawandels ohnehin notwendige Umforstung zu strukturreichen Mischwäldern dient also auch der Waldbrandprävention. Allein schon, weil nach Schätzungen von Fachleuten mehr als 80 Prozent der Brände durch Menschen verursacht werden – aus Fahrlässigkeit oder mit Vorsatz –, wird es aber nicht möglich sein, jedes Feuer zu verhindern. Ziel muss es sein, Brände kontrolliert zu halten, damit sie nicht zu Katastrophen werden.