Die Stadt Darmstadt soll mit der Planung für ein Besucherzentrum auf der Mathildenhöhe noch einmal von vorne anfangen. Dafür haben sich Oberbürgermeister und Kulturdezernent Hanno Benz (SPD) sowie Baudezernent Paul Georg Wandrey (CDU) am Montag ausgesprochen. Für die begonnenen Bauarbeiten wird nach ihren Worten ein Baustopp verhängt. Auf dem Osthang der Mathildenhöhe, dem vorgesehenen Bauplatz, sind im Februar 13 Bäume gefällt worden, anschließend wurde die Baugrube ausgehoben. Seit Dezember hatten Kritiker des Bauvorhabens den Osthang besetzt, die Polizei hatte die Besetzung im Februar auf Initiative der Stadt aufgelöst und das Gelände geräumt. Benz sprach von einem Moratorium für eine unbestimmte Zeit, die dafür genutzt werden solle, eine neue Planung zu erarbeiten. Anlass dafür sei die Tatsache, dass bisher kein Konzept für die Vermittlungen der Welterbestätte und der Bedeutung des Jugendstil-Ensembles vorliege, sagte der Oberbürgermeister. Vor Freude darüber, dass die UNESCO im Jahr 2021 der Mathildenhöhe den Titel „Weltkulturerbe der Menschheit“ verliehen habe, sei in den vergangenen Jahren versäumt worden, an die Vermittlung zu denken. Stattdessen sei zuerst der Neubau für das Besucherzentrum geplant worden. Das sei die falsche Reihenfolge. Denn zuerst müsse ein Konzept vorliegen, wie die Besonderheiten der Welterbestätte erklärt werden sollten. Daraus könne abgeleitet werden, welche Räume man benötige, was wiederum Grundlage für die architektonische Planung sei. „Eine punktuelle Anpassung des bestehenden Entwurfs reicht nicht mehr aus“, äußerte Benz. Benz will erst klären, was digital vermittelt werden kann Ein Vermittlungskonzept soll festlegen, welche Inhalte dargestellt werden und welche Zielgruppe, etwa Schulklassen und Touristen aus dem Ausland, auf welche Weise angesprochen wird, wie Benz erläuterte. Im nächsten Schritt könne entschieden werden, was digital vermittelt werden könne und welches Angebot an Ort und Stelle gebraucht werde. Auch die Nutzung anderer Gebäude komme infrage. Ein neues Besucherzentrum an der Mathildenhöhe könne „ein Baustein“ des Vermittlungskonzeptes sein, ein Neubau werde aber nicht vorausgesetzt. Die UNESCO verlange nicht zwingend ein Gebäude für ein Besucherzentrum, sondern schreibe vor, die Welterbestätte zu erklären. Die Weltkulturorganisation gebe vor, dass die Welterbestätte zu einem „Lernort“ werde. Der Vermittlungen diene der Welterbetag einmal im Jahr, der in Darmstadt im Juni gefeiert werde. Der Vermittlung könne nach den Vorstellungen der UNESCO auch ein Informationszentrum dienen. Das Moratorium sei keine Entscheidung gegen einen Neubau auf dem Osthang. Benz sagte, der Osthang solle „maßvoll und sensibel“ mit Rücksicht auf den verbliebenen Baumbestand entwickelt werden. Falls dort ein Neubau errichtet werde, solle er nicht so dominant ausfallen wie bisher geplant. Wandrey sprach sich dafür aus, an der Mathildenhöhe eine Anlaufstelle für Besucher zu schaffen. Dann müsse nicht alles digital vermittelt werden. Der im vergangenen Jahr beschlossene Bebauungsplan für das Besucherzentrum gebe Maximalwerte vor, die aber nicht ausgeschöpft werden müssten. Das bedeute, es könne bei Geltung dieses Plans auf dem Osthang auch ein „schlankeres Gebäude“ errichtet werden. Benz nannte noch weitere Argumente gegen ein Vorgehen nach den bisherigen Plänen. So seien die Kosten auf mehr als das Dreifache gestiegen. Zuerst sei eine Investition von sechs Millionen Euro vorgesehen gewesen, nun werde mit 21 Millionen Euro gerechnet. Besucherzentren für andere Welterbestätten seien lange nicht so teuer, wie die Beispiele Mainz mit fünf Millionen Euro und Bamberg mit neun Millionen Euro zeigten. Die prognostizierten Ausgaben von 21 Millionen Euro entfielen zudem nur auf das Gebäude. Die Kosten des Vermittlungskonzeptes seien darin nicht enthalten. Außerdem stünden in den nächsten Jahren Ausgaben für die weitere Sanierung der historischen Bauten von mehr als 15 Millionen Euro an. Weiter führte der Oberbürgermeister aus, bisher sei die Zuständigkeit für die Mathildenhöhe, die Pflege ihrer Gebäude und Grünanlagen, auf zu viele verschiedene Ämter und Eigenbetriebe der Stadtverwaltung aufgeteilt. Auch die Planung des Neubaus sei in zu viele Einzelprojekte aufgeteilt worden. Künftig solle ein zentrales Management für die Mathildenhöhe deren Pflege und Weiterentwicklung koordinieren.
