FAZ 15.03.2026
08:26 Uhr

Kommunalwahl in Frankfurt: 1120 Bewerber für den Römer – wie repräsentativ sind sie?


Über tausend Kandidaten wollen am Sonntag in das Frankfurter Rathaus gewählt werden. Ein Blick auf die lange Liste zeigt: Viele von ihnen heißen Thomas, Michael und Anna. Wie repräsentativ sind die Wahlvorschläge für die Stadt?

Kommunalwahl in Frankfurt: 1120 Bewerber für den Römer – wie repräsentativ sind sie?

Am Sonntag werden die künftigen Mitglieder der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung gewählt. Knapp eineinhalb Meter umfasst der Wahlzettel. 22 Listen von Parteien und Wahlgruppen sind zugelassen. Auf ihnen stehen 1120 Kandidaten, die um die 93 Plätze im Stadtparlament konkurrieren. Doch wer sind die Menschen, die künftig in Frankfurt politische Verantwortung übernehmen wollen? Im Bundestag sind Frauen derzeit noch deutlich unterrepräsentiert. Unter den 630 Abgeordneten, die nach der Bundestagswahl 2025 ins Parlament einzogen, waren gerade mal 204 Frauen, weniger als ein Drittel. Das Frankfurter Stadtparlament ist da deutlich besser aufgestellt. Nach der Kommunalwahl 2021 wies die Stadtverordnetenversammlung einen Frauenanteil von 41 Prozent auf. Die 93 Mandate verteilten sich auf 55 Männer und 38 Frauen. Wie sich das Geschlechterverhältnis in den von Parteien und Bündnissen eingereichten Wahlvorschlägen für die Kommunalwahl in Frankfurt widerspiegelt, lässt sich nicht genau bestimmen. Wegen einer Änderung der Wahlvorschriften werden die Geschlechter der Kandidaten nicht veröffentlicht. Michael und Thomas sind die häufigsten Vornamen Die Geschlechterverteilung kann also lediglich auf Grundlage der Vornamen und der angegebenen Berufsbezeichnung geschätzt werden. Steht in den Angaben beispielsweise „Rechtsanwältin“, lässt dies auf eine weibliche  Kandidatin schließen. Hierfür wurden die Vornamen und die Berufsbezeichnungen der Wahlvorschläge mittels Künstlicher Intelligenz (KI) einem Geschlecht zugeordnet und stichprobenartig geprüft. Vornamen, die von der KI nicht eindeutig zugeordnet werden konnten, wurden manuell zugewiesen. Vertraut man diesen Schätzungen, ergibt sich insgesamt ein Frauenanteil von ungefähr 41 Prozent bei allen 1120 Kandidaten. Die häufigsten Vornamen der Kandidaten lauten Michael und Thomas. Beide sind jeweils siebzehnmal vertreten, gefolgt von Andreas und Peter, jeweils zwölfmal, sowie Alexander und Christian, zehnmal. Die häufigsten weiblichen Vornamen lauten Anna und Sabine. Beide tauchen jeweils siebenmal auf, gefolgt von Andrea, Julia, Katharina und Maria, jeweils sechsmal. Zwei Kandidaten könnten während ihrer Amtszeit den 100. feiern Auch das Geburtsjahr ihrer Kandidaten müssen Parteien und Bündnisse auf ihren Wahlvorschlägen angeben. Laut den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder war Frankfurt Ende 2024 mit einem Altersdurchschnitt von etwa 41 Jahren die jüngste unter den größten deutschen Städten. Blickt man auf die Wahlliste, zeigt sich, dass die Kandidierenden im Gesamtdurchschnitt im Jahr 1975 geboren sind. Der durchschnittliche Kandidat für die Stadtverordneten feiert also noch im Wahljahr 2026 seinen 51. Geburtstag. Das kommt dem Altersschnitt der Frankfurter relativ nahe, bedenkt man, dass alle Kandidaten das 18. Lebensjahr vollendet haben müssen, um bei der Wahl antreten zu können. Das häufigste Geburtsjahr ist 1966. Mehr als 20 Prozent der Kandidaten sind in den Sechzigerjahren geboren. Mit 30 Kandidaten ist aber auch der Jahrgang 1986 stark vertreten. Die beiden ältesten Kandidaten heißen Emilie Schneider, die auf Platz 74 der Liste der Freien Wähler antritt, und Hans-Georg Backhaus, Platz 15 beim BSW. Beide sind im Jahr 1929 geboren. Würden sie in die Stadtverordnetenversammlung gewählt, könnten sie im Laufe ihrer Amtszeit ihren 100. Geburtstag feiern. 29 der 1120 Kandidaten haben noch vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 das Licht der Welt erblickt. Vier Kandidaten sind im Jahr 2007 geboren und somit die jüngsten, die am Sonntag zur Wahl stehen – Paul John von den Grünen, Sophia Gericke von der FDP, Samuel Meller von der Partei „Die Partei“ und Yunes Abdou vom BIG. Alle vier sind noch Schüler. Insgesamt sind 60 Kandidaten nach 1999 geboren. Die Liste der Gartenpartei ist im Durchschnitt die älteste. Ihre 33 Kandidaten sind im Schnitt 67 Jahre alt. Die jüngste Liste reichte Volt ein. Im Schnitt sind ihre 38 Kandidaten nur 39 Jahre alt. Die größte Altersspanne zwischen den jüngsten und ältesten Kandidaten weist die Liste der Freien Wähler auf. Zwischen ihrer ältesten Kandidatin und ihrem jüngsten Kandidaten liegen etwa 76 Jahre. Die Landtagswahl in Baden-Württemberg zeigte kürzlich, dass besonders AfD und Linkspartei von jungen Wählern profitierten. Die Kandidaten der Frankfurter AfD sind im Schnitt 1969 geboren, die der Linken im Jahr 1983. Die meisten arbeiten im Büro Frankfurt gilt gemeinhin als die Stadt der Banker und Juristen. Auf den ersten Blick scheint sich das auch in der Liste der Wahlvorschläge widerzuspiegeln. Verschafft man sich einen Überblick, scheinen der Bereich Wirtschaft, Unternehmen, Management sowie weitere Bürotätigkeiten den größten Anteil auszumachen. Einen weiteren großen Teil machen Kandidaten aus, die in der Bildung, im Sozialen und im Gesundheitsbereich tätig sind. Mindestens 42 lassen sich klar dem Berufsbild des Juristen zuordnen. Mit mehr als 100 Nennungen taucht allerdings die etwas vage gehaltene Berufsbezeichnung „Angestellter“ am häufigsten unter den Wahlvorschlägen auf. Die Berufsbezeichnungen sind teils ungenau und lassen wenig Schlüsse auf das genaue Tätigkeitsfeld zu. Manche geben zum Beispiel nur ihren Studienabschluss an. Mehr als 130 der Kandidierenden geben an, im Ruhestand, außer Dienst oder Privatier zu sein. Den ungewöhnlichsten Beruf hat wohl ein Kandidat der Partei „Die Partei“. Eli Trumheller gibt an, staatlich anerkannter Clownschauspieler zu sein. Mehr als 50 Kandidaten erklärten, noch zu studieren, die sechs Schüler und vier Auszubildenden sind unter den Kandidaten deutlich unterrepräsentiert. Frankfurt gilt auch als die internationalste Stadt Deutschlands. Menschen aus knapp 180 Nationen leben hier. Der Geburtsort lässt zwar nicht direkt auf einen Migrationshintergrund der Kandidaten schließen. Die Bandbreite an Orten unterstreicht aber durchaus den internationalen Charakter der Stadt. Denn die Liste ist lang. Mehr als 470 Orte werden genannt, die überwältigende Mehrheit davon liegt in Deutschland, viele aber auch in der Türkei, in der Ukraine, Afghanistan, Iran, Russland und anderen Ländern rund um den Globus. Wenig überraschend ist Frankfurt mit einem Anteil von mehr als 30 Prozent der Geburtsort, der am häufigsten genannt wird. Auf Platz zwei liegt Berlin. 24 Kandidaten sind dort geboren, etwa 2 Prozent. Als Drittes folgt Offenbach. Immerhin 18 der 1120 Kandidaten sind in Frankfurts Nachbarstadt geboren.