FAZ 24.09.2026
18:10 Uhr

Kreisverband gegen Berlin: Wer ist schon die Frankfurter SPD?


Die Frankfurter SPD stellt die Führungsfrage zur Unzeit. Sie sollte sich hinter ihre Parteivorsitzenden Bas und Klingbeil stellen, nicht gegen sie.

Kreisverband gegen Berlin: Wer ist schon die Frankfurter SPD?

Die Frankfurter SPD will Lars Klingbeil und Bärbel Bas stürzen. Sie fordert einen politischen und auch personellen Neuanfang ihrer Partei. Aber wer ist schon die Frankfurter SPD? Sie ist nur einer von rund 350 Kreisverbänden der Partei. Und bisher ist es an der Basis, was die Führungsfrage angeht, noch ziemlich ruhig geblieben. Nach der imposanten Aufholjagd von Manuela Schwesig in Mecklenburg-Vorpommern konnte die Partei zuletzt ein kleines Erfolgserlebnis feiern. Schwesig war in ihrem Wahlkampf auf größtmögliche Distanz zur Bundespolitik gegangen. Sie hat gezeigt, dass ein auf eine glaubwürdige und beliebte Persönlichkeit zugeschnittener Wahlkampf zum Erfolg führen kann. Offenbar wünschen sich die Frankfurter Genossen einen solchen Effekt auch an der Parteispitze: Eine charismatische Person, die die Ziele der Sozialdemokratie glaubhaft verkörpert, soll die Wähler zurückholen. Diese Strategie ist allerdings nicht neu. Die SPD hat den Parteivorsitz in den vergangenen Jahren schon mehrfach neu besetzt, und die Wirkung war bescheiden. Sieben Vorsitzende in zehn Jahren In den vergangenen zehn Jahren hatte die SPD sieben verschiedene Vorsitzende. Auf Sigmar Gabriel, Martin Schulz und Andrea Nahles folgten drei Führungsduos. Saskia Esken führte die Partei zunächst gemeinsam mit Norbert Walter-Borjans und dann mit Lars Klingbeil, der wiederum mit Bärbel Bas derzeit die Parteispitze bildet. Sieben Vorsitzende in zehn Jahren. Den Umfragewerten der Partei hat das nichts genützt. Was soll es bringen, das Personal an der Spitze schon wieder auszutauschen? Es wirkt ziemlich verzweifelt, angesichts dieser Erfahrung abermals „Bäumchen, wechsel dich“ zu spielen. Was, außer maximaler Unruhe, kann man damit erreichen? Die dringend notwendigen Reformen bei der Rente und im Gesundheitswesen würden abermals verschleppt, bis sich die Partei neu sortiert hat. Die Bundesregierung sollte endlich anpacken, wofür sie gewählt wurde: Mit Reformen dafür sorgen, dass das Land funktioniert, die Wirtschaft wieder Tritt fasst und es den Menschen besser geht. Dafür braucht die Parteispitze aus den eigenen Reihen Rückenwind. Gegenwind bekommt sie schon genug. Es ist auch keineswegs Verlass darauf, dass ein neuer Parteivorsitzender mit dem nötigen Charisma die Wähler dazu verleiten würde, bei der SPD ihr Kreuzchen zu machen. Kanzlertypen wie Helmut Kohl, Angela Merkel und Olaf Scholz zeigen, dass die deutschen Wähler ihr Land eher Personen anvertrauen, die als seriös und etwas bieder gelten. Auch Lars Klingbeil würden die meisten Deutschen vermutlich bedenkenlos einen Gebrauchtwagen abkaufen. Die Frankfurter SPD stellt zur Unzeit die Führungsfrage. Sie sollte sich hinter ihre Vorsitzenden stellen und ihnen nicht in den Rücken fallen.