FAZ 08.03.2026
16:23 Uhr

Krise beim VfL Wolfsburg: Ein Konzern sucht Fußballkompetenz


Die Trennung vom Trainer und vom Geschäftsführer reicht nicht. Unabhängig vom Verbleib der Wolfsburger in der ersten Fußball-Bundesliga braucht der Klub einen grundlegenden Neustart. Der müsste bei VW beginnen.

Krise beim VfL Wolfsburg: Ein Konzern sucht Fußballkompetenz

Dieses Kapitel in der grün-weißen Vereinshistorie ist erschreckend düster. Brennende Fahnen, dunkle Rauchschwaden und Rangeleien sind in Fußballstadien als Zeichen des Protestes keine Seltenheit. Aber dass die Spieler des VfL Wolfsburg von Ordnern vor ihren eigenen Fans geschützt werden müssen, lässt nach 25 Spieltagen und akuter Abstiegsgefahr tief blicken. Die Folge der Misere: Daniel Bauer ist der zweite Trainer in Wolfsburg, der während dieser Saison scheitert. Nach Sportdirektor Sebastian Schindzielorz muss auch Geschäftsführer Peter Christiansen gehen. Die Vereinsführung beweist Handlungsfähigkeit und Unfähigkeit zugleich. Häme und Spott Zur Aufarbeitung der Krise gehört die Frage, was der VfL Wolfsburg sein soll. 2009 waren die Niedersachsen mit viel Schwung und viel Geld von Volkswagen deutscher Meister geworden. Diesem Coup folgte ein Schlingerkurs. Erfolg einzukaufen, hat auf Dauer nicht funktioniert. Kostspielige Spieler mit mehr Entwicklungspotential zu verpflichten, führte auch nicht zu Erfolg. Der Däne Christiansen blieb erfolglos, weil der von ihm zusammengestellte Spielerkader nicht funktioniert und keinen zur Stadt passenden Stallgeruch annimmt. Nach den Trainern Paul Simonis und Daniel Bauer soll nun Dieter Hecking kurzfristig reparieren, was langfristig eine größere Reaktion benötigt. Wann immer der VfL Wolfsburg in Not gerät, kommen bundesweit Häme und Spott ins Spiel. Es gibt sicher Städte mit Profifußball, die mehr Stimmung und Begeisterung bieten. Es gibt aber auch in Wolfsburg eine gewachsene Fankultur, eine Erstliga-Tradition und den Willen, Großes zu bewegen. Wer über den VfL und VW lacht, muss sich die Frage stellen: Wie viele Vereine haben es in der jüngeren Historie der ersten Liga geschafft, den FC Bayern München vom Thron zu stoßen? Das Vakuum im Aufsichtsrat Der Ruhm vergangener Tage hilft nicht auf dem Weg zum erhofften Klassenverbleib. Nach der 1:2-Heimniederlage gegen den Hamburger SV gab der VfL Wolfsburg ein Bild des Jammers ab. Das gilt für die Schubsereien der Profis nach Spielende auf dem Platz, für die mit Feuerwerk hantierenden Fans und für die Klub-Führung. Vor allem der Aufsichtsrat muss sich den Vorwurf gefallen lassen, zu lange an etwas festgehalten zu haben, was nicht greift. Es wird zwei bis drei Transferperioden dauern, bis alle Fehlentscheidungen korrigiert sind. Das kostet viel Zeit und Geld. Vielleicht hilft ein erfahrener Trainer mit unmissverständlichen Ansagen doch noch. Der erste Abstieg des VfL Wolfsburg nach 29 Jahren käme dem Scheitern eines ehrgeizigen Projekts gleich. Verein und Hauptsponsor haben sich zwar auf ein Miteinander geeinigt. Aber es gibt einen wunden Punkt. Der Aufsichtsrat der VfL Wolfsburg-Fußball GmbH gilt zwar mit Blick auf die Rahmenbedingungen als gut aufgestellt. Dem von VW dominierten Kontrollgremium fehlt es aber zu oft an Fußballkompetenz. In den vergangenen Jahrzehnten übertünchten erfahrene Sport-Geschäftsführer wie Klaus Allofs, Dieter Hoeneß, Felix Magath und Jörg Schmadtke dieses Vakuum. Unabhängig von seinem Verbleib in der ersten Liga braucht der VfL Wolfsburg einen grundlegenden Neustart. Der beginnt nicht mit dem Wechsel des Trainers oder der Geschäftsführung, sondern beim alleinigen Gesellschafter des Vereins.