Jean-Marc Aveline hat den direkten Draht zum Papst. Das erzählt der Vorsitzende der Französischen Bischofskonferenz ohne Eitelkeit. Er arbeitete zwei Jahre lang unter der Leitung von Bischof Robert Francis Prevost im Dikasterium für die Bischöfe, das für Ernennungen und Synoden zuständig ist. Als sein Freund Robert Francis Papst wurde, habe er erst mal umdenken müssen, erzählt Aveline. Gänzlich unbeteiligt an der Wahl Leos war der französische Kardinal aber nicht. Schließlich gehörte er dem Konklave an. Die Zeitung „La Croix“ berichtete, dass Aveline selbst damals zur engeren Auswahl für den Heiligen Stuhl zählte. Aveline sagt nichts dazu. Der joviale Kirchenmann wurde 1958 im damals französischen Algerien geboren. Seit vielen Jahren ist Marseille seine Heimat. Aveline zeichnet sich durch eine mediterrane Herzlichkeit und einen singenden Marseiller Akzent aus. Der Siebenundsechzigjährige pflegte bereits ein enges Verhältnis zu Papst Franziskus. Seit 2019 ist Aveline Erzbischof von Marseille, seit 2022 Kardinal. Er überzeugte Franziskus 2023 davon, die französische Hafenstadt zu besuchen. Besuch in Metz als Rückbesinnung auf Europa Er fädelte auch den viertägigen Papstbesuch Leos XIV. in Frankreich ein. Bereitwillig erzählt er, wie ihm der Wunsch im Vatikan zunächst ausgeschlagen wurde. Aber der Kardinal ließ nicht locker und belagerte den für den Terminkalender des Papstes zuständigen Sekretär nach eigenen Worten so lange, bis dieser mit einem Terminvorschlag aufwartete. Da blieben aber nur noch vier Monate, davon zwei Sommermonate, für die Planung. Aveline glaubt, dass der Besuch nun genau zum richtigen Zeitpunkt erfolgt. Frankreich sehne sich nach spirituellem Halt in einer Zeit, die von Krieg, Inflation und Werteverlust geprägt sei. Zugleich erhofft sich Aveline von dem Besuch in Metz an diesem Montag eine Rückbesinnung auf das europäische Einigungswerk. Der Kardinal bedauert, dass Bundeskanzler Friedrich Merz nicht nach Lothringen kommt, denn am Anfang Europas stehe die deutsch-französische Aussöhnung. Leider seien die Einladungen zu spät erfolgt. Begeistert erzählt er, wie er am 8. Mai den neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz in Hildesheim besuchte. Solche Antrittsbesuche kenne man von Politikern, aber er habe sich gesagt, dass die Kirche angesichts der Angriffe auf Europa eine Rolle zu spielen habe. Mit Bischof Heiner Wilmer habe er viel Übereinstimmung gespürt. Aber beim Verfassen des gemeinsamen Kommuniqués griff Aveline mit einem Zusatzwunsch ein. Zunächst stand dort, in einer heiligen Messe gedachten die beiden Vorsitzenden des Tages der Befreiung Frankreichs von der nationalsozialistischen Herrschaft. Auf Wunsch Avelines wird darin nun auch die Befreiung Deutschlands und Europas am 8. Mai 1945 erwähnt.
