FAZ 14.05.2026
09:24 Uhr

Liveblog Ukrainekrieg: Ehemaliger Präsidialamtschef Jermak in Untersuchungshaft


Haft gilt zunächst für 60 Tage +++ Russland beschießt Ukraine massiv mit Raketen und Drohnen +++ Mindestens ein Toter in Kiew +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Liveblog Ukrainekrieg: Ehemaliger Präsidialamtschef Jermak in Untersuchungshaft

Zahl der Toten steigt nach russischen AngriffenNach den schweren russischen Angriffen auf die Ukraine ist die Zahl der Toten in Kiew nach ukrainischen Angaben auf fünf gestiegen. Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb am Donnerstag auf der Plattform X: „Mein Beileid gilt ihren Familien und Angehörigen.“ Rund 40 Menschen seien in der Hauptstadt verletzt worden, sieben weitere in der Region Kiew, 28 weitere in der Region Charkiw sowie zwei Menschen in der Region Odessa. Aktuell seien Such- und Rettungstrupps in Kiew noch dabei, Menschen aus den Trümmern zu befreien. Vom staatlichen Katastrophenschutz veröffentlichte Bilder zeigten Rettungskräfte, die in den Trümmern eines eingestürzten ​Wohnhauses nach Überlebenden suchten. Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko erklärte, durch den Angriff sei die Wasserversorgung in Kiew unterbrochen worden. 

Slowakei verurteilt russische Luftangriffe Die Slowakei verurteilt die jüngsten russischen Luftangriffe auf die Ukraine. ⁠Außenminister Juraj Blanar kritisiert in einer Mitteilung insbesondere die massiven Attacken auf die grenznahe Region Transkarpatien und die Stadt Uschhorod, in der eine große slowakische Minderheit lebt. Die deutlichen Worte stechen heraus, da ‌die Regierung in Bratislava ansonsten enge Beziehungen zu Moskau pflegt. Das EU-Land bezieht weiterhin russisches Öl und Gas. Ministerpräsident Robert Fico hatte erst im April ein Ende der entsprechenden EU-Sanktionen gefordert. 

Ukraine erlebt einen der längsten Angriffe seit KriegsbeginnRussland hat die Ukraine seit Mittwoch mit mehr als tausend Drohnen und dutzenden Raketen angegriffen. In Kiew ist in der Nacht mindestens ein Mensch ums Leben gekommen. Lesen Sie hier eine Zusammenfassung der Ereignisse:

Ehemaliger Präsidialamtschef in HaftIn der Ukraine hat das Oberste Anti-Korruptions-Gericht Untersuchungshaft gegen den früheren ukrainischen Präsidialamtschef Andrij Jermak angeordnet. Die Haft gelte für zunächst 60 Tage, Jermak habe die Möglichkeit, gegen Kaution auf freien Fuß zu kommen, teilte der Richter am Morgen mit. Jermak war die rechte Hand von Präsident Wolodymyr Selenskyj. Er muss sich wegen Geldwäsche-Vorwürfen verantworten. Ihm und fünf anderen Verdächtigen werden illegale Millionengeschäfte bei einem Luxusbauprojekt vorgeworfen. Der 54 Jahre alte Jermak hatte die Vorwürfe kategorisch zurückgewiesen. Er sagte auch, dass er keine Mittel habe, um die Kaution von umgerechnet 2,72 Millionen Euro zu bezahlen. 

Selenskyj: Russland hat mit mehr als 1.500 Drohnen angegriffenRussland hat ⁠dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zufolge seit Beginn seines längeren Luftangriffes in den frühen Morgenstunden am Mittwoch mehr als 1500 Drohnen auf sein Land abgefeuert. „Insgesamt hat ‌Russland seit gestern um Mitternacht mehr als 1560 Drohnen gegen unsere Städte und Gemeinden eingesetzt“, teilt er auf der Online-Plattform X mit. „Das sind ganz sicher ‌nicht die Taten derer, ‌die glauben, der Krieg gehe zu Ende.“ 

Angriffe auf Häfen in der Region OdessaDie russischen Streitkräfte haben der ukrainischen Regierung zufolge zivile Infrastruktur in der Region Odessa im ‌Süden des Landes angegriffen. Ziel seien unter anderem Häfen und Eisenbahnanlagen gewesen, teilt der stellvertretende Ministerpräsident Olexij Kuleba mit.

Ukraine: Russland hat mit 675 Drohnen und 56 Raketen angegriffenDie russischen Streitkräfte haben nach ukrainischen Angaben in ‌der Nacht zum Donnerstag mit 675 Drohnen und 56 Raketen angegriffen. 652 Drohnen und 41 ‌Raketen seien abgefangen ‌worden, teilt die ukrainische Luftwaffe mit. An 24 Standorten in der Ukraine seien 38 Treffer ​registriert worden. An weiteren ⁠18 Standorten seien Schäden durch herabfallende Geschosstrümmer entstanden.

Mindestens ein Toter bei in KiewBei einem schweren russischen Luftangriff auf die ukrainische Hauptstadt Kiew ist laut Behörden mindestens ein Mensch getötet worden. Mindestens 16 weitere Menschen seien verletzt worden, schrieb der Leiter der Militärverwaltung von Kiew, Tymur Tkatschenko, am Donnerstag im Onlinedienst Telegram.Reporter der Nachrichtenagentur AFP hatten am frühen Morgen von mehreren Explosionen in Kiew berichtet. Demnach war auch der Einsatz der Flugabwehr vernehmbar. Bürgermeister Vitali Klitschko erklärte im Onlinedienst Telegram, Kiew werde von Russland mit Drohnen und ballistischen Raketen angegriffen. Er rief die Menschen auf, sich in Sicherheit zu bringen. 

Ukraine meldet russische Angriffe auf Kiew und weitere StädteDie ukrainische Hauptstadt Kiew wird nach Behördenangaben ‌von ‌russischen Drohnen und Raketen angegriffen. Trümmer abgeschossener Drohnen treffen Gebäude ​in verschiedenen Stadtteilen, ⁠darunter auch Wohnhäuser, teilt der Chef der ​Kiewer Militärverwaltung Tymur Tkatschenko mit. ⁠In inoffiziellen Telegram-Kanälen kursieren ‌Videos brennender Wohngebäude. Die ukrainische Luftwaffe meldet zudem ⁠russische Raketenangriffe ⁠auf die Regionen Charkiw, Sumy ⁠und ​Tschernihiw ⁠im Norden sowie ​auf das zentrale Gebiet ‌Poltawa. Angaben zu Opfern liegen ​zunächst nicht vor.

Ukraine rechnet mit einem massiven russischen Raketenangriff in der NachtNach einem Tag massiver russischer Drohnenangriffe auf die Ukraine droht in der Nacht eine Welle von Raketenangriffen. Die ukrainische Luftwaffe meldete abends die Explosion einer russischen Hyperschallrakete vom Typ Kinschal (Dolch) bei Starokostjantyniw im Westen, wo eine wichtige ukrainische Luftwaffenbasis liegt. Ukrainische Telegramkanäle warnten vor dem drohenden Beschuss mit ballistischen Raketen. Sie meldeten zudem den Start von mindestens vier russischen Langstreckenbombern des Typs Tupolew Tu-160. Diese sollten bei Tagesanbruch die Zonen für den Abwurf ihrer Marschflugkörper erreichen.

Putin tauscht Gouverneure ausRusslands Präsident Wladimir Putin hat die Gouverneure der beiden stark von ukrainischen Vergeltungsangriffen betroffenen Grenzregionen Brjansk und Belgorod ausgewechselt. Die beiden Gouverneure Alexander Bogomas und Wjatscheslaw Gladkow seien ersetzt worden, teilte der Kreml am Mittwoch mit. Als Nachfolger setzte der russische Staatschef den Angaben zufolge einen Armeegeneral ein, der in der Ukraine gekämpft hat, sowie einen Beamten, der zuvor für die russischen Besatzungsbehörden in der Ostukraine tätig war.Gladkow, der seit 2021 Gouverneur der am stärksten von ukrainischen Angriffen getroffenen russischen Region Belgorod war, hatte die Angriffe täglich dokumentiert und war Medienberichten zufolge bei der Bevölkerung sehr beliebt. Putin ernannte am Mittwoch den General Alexander Schuwajew, der seit 2022 für die russische Armee in der Ukraine im Einsatz war, zum Interimsgouverneur von Belgorod. Berichten zufolge war er zuvor auch im Nordkaukasus, in Georgien und in Syrien im Einsatz. Schuwajew ist gebürtig aus Belgorod.Zum Interimsgouverneur von Brjansk und Nachfolger von Bogomas ernannte Putin Jegor Kowaltschuk, der kurzzeitig die russischen Besatzungsbehörden in Luhansk geleitet hatte.

Moskau schränkt Veröffentlichung von Bildern nach Angriffen einDie Behörden in Moskau schränken die Veröffentlichung ​von Fotos und Videos ein, die die Folgen von Angriffen zeigen. Dies teilt das Büro von Bürgermeister Sergej Sobjanin mit. Es spricht in diesem Zusammenhang von „Terroranschlägen“. Eine auf der offiziellen Website des Bürgermeisters veröffentlichte ⁠Anordnung verbietet es Medien, Privatpersonen und Rettungsdiensten, entsprechendes Bildmaterial zu veröffentlichen, bevor es auf den Seiten des Verteidigungsministeriums oder der Stadtverwaltung erscheint.Ziel der Maßnahme sei es, die Verbreitung ungesicherter Informationen zu verhindern, heißt es offiziell. Bei Verstößen drohen Privatpersonen Geldstrafen zwischen umgerechnet etwa 340 und 580 Euro, für Beamte oder juristische Personen fallen diese deutlich höher aus. In anderen Teilen Russlands gelten ähnliche Verbote.

Ungarn bestellt nach Drohnenangriff russischen Botschafter einUngarn bestellt nach dem russischen Drohnenangriff auf die Westukraine den Botschafter Moskaus ein. Außenministerin Anita Orban werde die Attacke bei dem Gespräch verurteilen und den Gesandten fragen, wann Russland den mehr als vier Jahre andauernden Krieg beenden wolle, sagt der neue ungarische Ministerpräsident Peter Magyar.

Russischer Drohnenangriff im Westen der UkraineBei einem russischen Drohnenangriff auf die Ukraine sind mindestens sechs Menschen getötet worden. Die ​bei Tageslicht geflogenen Angriffe zielten auf kritische Infrastruktur im Westen des Landes und veranlassten das Nachbarland Polen, vorsorglich ⁠Kampfjets aufsteigen zu lassen, wie die polnische Armee am Mittwoch mitteilte. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach zu Beginn der Angriffswelle von mehr als ‌100 russischen Drohnen im Luftraum und später ‌von mehr als 800. Russland setze seine Angriffe rücksichtslos fort und nehme dabei gezielt die Eisenbahninfrastruktur sowie zivile Einrichtungen ins Visier, erklärte Selenskyj auf dem Kurznachrichtendienst Telegram. Es sei wichtig, jeden Angriff entschlossen abzuwehren und nicht über den russischen Krieg ​zu schweigen. Der ukrainische Militärgeheimdienst teilte mit, der ⁠Angriff solle die ukrainische Luftverteidigung überlasten. Die Behörde warnte vor nachfolgenden Raketenangriffen und einem möglicherweise länger andauernden Beschuss. Ziel seien Energieanlagen, Rüstungsbetriebe und Regierungsgebäude in Großstädten. Selenskyj forderte US-Präsident Donald Trump auf, bei seinem Treffen mit Chinas Staatschef Xi Jinping in Peking am Donnerstag über die Bemühungen um ein Ende des Ukrainekrieges zu sprechen. Er gehe davon aus, dass bei Trumps China-Besuch auch die Frage der Beendigung des russischen Krieges gegen die Ukraine zur Sprache gebracht werde, sagte Selenskyj.