FAZ 22.09.2026
23:36 Uhr

Liveblog Ukrainekrieg: Selenskyj: Ukraine bereit zu Teilwaffenruhe für Angriffe auf Energieanlagen


Kremlsprecher Dmitri Peskow lehnt Vorschlag ab +++ Kiew verurteilt Aufhebung von Sanktionen gegen russische Oligarchen  +++ Kreml meldet Versorgungsengpässe in russisch kontrollierter Stadt +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Liveblog Ukrainekrieg: Selenskyj: Ukraine bereit zu Teilwaffenruhe für Angriffe auf Energieanlagen

Russland greift Hafen und Schiff anRussland ⁠hat die Hafen- und zivile Infrastruktur in der südukrainischen Schwarzmeerregion Odessa angegriffen. Dies teilt der Gouverneur der Region, Oleh Kiper, auf dem Messengerdienst Telegram mit. ‌Getroffen wurden demnach auch Lagerhäuser für Medikamente, Haushaltswaren und Lebensmittel. Zudem beschoss Russland in der Nacht ein unter der Flagge von Antigua und Barbuda ‌fahrendes Frachtschiff im ‌Schwarzen Meer, wie die ukrainische Hafenbehörde ebenfalls auf Telegram mitteilt. Dabei wurde der Kapitän getötet. Der Angriff löste einen Brand aus, der jedoch gelöscht werden konnte. ​Die Besatzung wurde in Sicherheit gebracht. 

Rubio will Lawrow treffenUS-Außenminister Marco Rubio trifft am Mittwoch mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow in New York zusammen. Das Treffen werde am Rande der UN-Vollversammlung stattfinden, teilte das US-Außenministerium mit.Ebenfalls am Mittwoch wird der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj als Redner bei der UN-Generaldebatte erwartet. Selenskyj hatte zuvor die Bereitschaft seines Landes zu einem Ende der Angriffe auf russische Energieanlagen bekräftigt - im Falle einer entsprechenden Zusage aus Moskau hinsichtlich ukrainischer Energieinfrastruktur. Ein Treffen mit US-Präsident Donald Trump am Rande der UN-Vollversammlung bezeichnete Selenskyj später auf X als „positiv und produktiv“.

Kiew verurteilt Aufhebung von Sanktionen gegen russische OligarchenDer ukrainische Außenminister Andrij Sybiha hat die Streichung von zwei russischen Oligarchen von der Sanktionsliste der EU verurteilt. Die Entscheidung, die Sanktionen gegen Alischer Usmanow und Michail Fridman aufzuheben, sei „beschämend und unentschuldbar“, schrieb Sybiha am Dienstag auf der Onlineplattform X. Er forderte die EU-Mitgliedstaaten auf, stattdessen „nationale Sanktionen“ gegen die beiden russischen Milliardäre zu verhängen.Sybiha schrieb weiter, Moskau freue sich, „erreicht zu haben, was es wollte: ein Gefühl der Straflosigkeit, die Demütigung der EU und Spaltung unter den Europäern“. Wie es dazu kam, dass die EU die beiden Oligarchen von ihrer Sanktionsliste genommen hat, lesen Sie hier:

Rubio wirft Ukraine vor, Ölschiffe für US-Konzerne getroffen zu habenUS-Außenminister Marco Rubio wirft der Ukraine vor, bei Angriffen auf Russlands Ölindustrie auch Schiffe und Ölladungen in Verbindung mit den USA getroffen zu haben. In den vergangenen Monaten habe es mehrere Fälle gegeben, sagte Rubio dem US-Fernsender Fox News. „Vielleicht nicht absichtlich, aber trotzdem von der Ukraine getroffen. Und das muss angesprochen werden. Wir können das nicht zulassen“, sagte er.Rubio machte in dem Interview den Ukrainekrieg und das Erstarken der Huthis im Jemen für gestiegene Ölpreise verantwortlich. Zuvor hatte bereits US-Präsident Donald Trump der Ukraine vorgeworfen, sie sei mit ihren Attacken gegen russische Raffinerien für die weltweit hohen Dieselpreise verantwortlich. Für Trump ist der Preisauftrieb ein Problem vor den Midterm-Wahlen in den USA im November.

Selenskyj lobt Lettland für Hartnäckigkeit bei SanktionsverhandlungenDer ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Riga dafür gedankt, dass Lettland sich gegen die Sanktionsaufhebung für zwei Oligarchen gestemmt habe. Selenskyj schrieb am Dienstagnachmittag in sozialen Medien, Lettland halte die „rechtliche Front“ im Kampf gegen Russlands aggressiven Krieg. Russland habe in der Nacht „die Zahl seiner Morde an Zivilisten erhöht“, deshalb müsse man den Druck auf Moskau verstärken. „Solange der Krieg andauert, müssen diese Namen auf der Sanktionsliste bleiben“, ergänzte Selenskyj. Er sprach sich dafür aus, die EU-Sanktionen so lange bedingungslos zu verlängern, bis Russland sich zu ernsthaften Friedensverhandlungen bereit zeige. Lettland hatte sich gegen eine von Frankreich vorangetriebene Streichung Alischer Usmanows und Michail Fridmans von der EU-Sanktionsliste gestellt. 

Tödliche Angriffe auf DniproRussland hat in der Nacht die südukrainischen Industriestädte Dnipro, Krywyj Rih und Pawlohrad mit ballistischen Raketen angegriffen. In Dnipro seien mindestens vier Menschen getötet und weitere sechs verletzt worden, teilte der Gouverneur des Gebietes Dnipropetrowsk, Olexander Hanscha, auf Telegram mit. Unter den Trümmern eines getroffenen Industriebetriebs würden noch Verschüttete vermutet.Das russische Militär in Moskau sprach von einem Angriff auf Anlagen der Metall-, Chemie-, Energie und Rüstungsindustrie in der Ukraine. Neben Raketen seien Marschflugkörper und Kampfdrohnen eingesetzt worden. In der ukrainischen Hauptstadt Kiew herrschte nachts mehrfach Luftalarm. Durch Drohnenangriffe seien drei Menschen verletzt worden, teilte Bürgermeister Vitali Klitschko mit. In einem Logistikbetrieb habe es gebrannt, ein fünfstöckiges Wohnhaus sei beschädigt worden. Unterdessen meldeten russische Behörden, dass in der russischen Region Samara ⁠an der Wolga ukrainische Drohnen zivile Ziele getroffen hätten. Gouverneur Wjatscheslaw Fedorischtschew teilte auf Telegram mit, die Flugabwehr habe in der Nacht zwar Dutzende Drohnen ‌abgeschossen. Dennoch seien Privathäuser und Autos beschädigt worden. In der Region befinden sich wichtige Industrieanlagen wie Ölraffinerien. Nach Angaben des Bürgermeisters der Stadt Samara, Iwan Noskow, wurde ‌ein Angriff auf die mehr ‌als 1000 Kilometer südöstlich von Moskau gelegene Stadt abgewehrt. Sowohl die Ukraine als auch Russland weisen Vorwürfe zurück, gezielt zivile Objekte ins Visier zu nehmen. 

Lettland sperrt sich gegen Deal zu Russland-SanktionenLettland sperrt sich gegen die unter dem Druck einzelner EU-Staaten geplante Aufhebung von Sanktionen gegen die beiden russischen Oligarchen Alischer Usmanow und Michail Fridman. „Die Haltung der lettischen Regierung ist unverändert geblieben. Die EU-Sanktionen gegen Russland sollten verschärft und nicht abgeschwächt werden. Lettland kann daher dem vorgelegten Vorschlag nicht zustimmen“, schrieb Außenministerin Baiba Braze auf dem Plattform X und fügte hinzu: Was die Standpunkte anderer Länder betreffe, müssten diese Länder befragt werden. Sanktionen müssen in der EU einstimmig von den Mitgliedsstaaten beschlossen werden.Auch Regierungschef Andris Kulbergs betonte: „Die Verlängerung der Sanktionen um 36 Monate wäre der richtige Schritt. Der Preis dafür darf jedoch nicht die einfache Streichung beider Personen von der Sanktionsliste sein. Lettland kann ein SOLCHES Angebot nicht annehmen“. Kulbergs kündigte an, gemeinsam mit Braze mit Brüssel und Paris an einer Lösung zu arbeiten, die den Interessen Lettlands entsprechen würde. Auch berief er eine Dringlichkeitssitzung der Regierung in Riga ein. In Brüssel sollen heute Morgen erneut die Botschafter der Mitgliedstaaten zu Beratungen zusammenkommen. 

Selenskyj trifft Trump in New YorkDer ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj will sich heute mit US-Präsident Donald Trump in New York treffen. Die Begegnung soll am Nachmittag am Rande der Generaldebatte der UN-Vollversammlung stattfinden. Selenskyj hatte am Sonntag mit Trump telefoniert und anschließend erklärt, es gebe eine „diplomatische Dynamik“ in den Bemühungen um eine Beendigung des Ukraine-Kriegs.

Russland räumt Versorgungsengpässe in Oleschky einDer Kreml räumt ‌kritische Engpässe bei der Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten in der russisch-kontrollierten ukrainischen Stadt ‌Oleschky ein. ‌Das russische Militär arbeite an einer Lösung, teilte die Regierung in Moskau mit. Der ​ukrainische Außenminister Andrij ⁠Sybiha wirft den russischen Truppen dagegen vor, humanitäre Hilfe ​zu blockieren und nicht auf Evakuierungsanfragen zu ⁠reagieren. In der Stadt ‌im Gebiet Cherson „sterben 6000 Einwohner, darunter 200 Kinder, an Hunger und ⁠Kälte“, sagte er ⁠in einem Video auf Facebook. Die ⁠ukrainische Delegation ​wolle ⁠das Thema bei ​der UN-Vollversammlung in New York ‌auf höchster Ebene ansprechen, um internationalen Druck ​auf Russland für ​einen humanitären Zugang auszuüben.

Kallas dringt auf Aufrechterhalten von EU-Sanktionen gegen RusslandDie EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat die EU-Mitgliedstaaten zu einem Aufrechterhalten ihrer Sanktionen gegen Russland aufgefordert. „Wir brauchen diese Stabilität, dass die Sanktionen für längere Zeit bestehen bleiben“, sagte Kallas vor Journalisten in New York. EU-Diplomaten hatten zuvor mitgeteilt, dass die EU es vorerst nicht geschafft habe, eine grundsätzliche Einigung auf die Aufhebung ihrer Sanktionen gegen zwei russische Oligarchen zu bestätigen.Kallas äußerte sich nach einem Treffen der EU-Außenminister am Rande der UN-Generaldebatte in New York. Einige Mitgliedstaaten hätten beantragt, bestimmte Personen von der Sanktionsliste zu streichen, sagte Kallas weiter. Daher fänden derzeit diese Gespräche statt. Sie äußerte die Hoffnung, dass diese bald abgeschlossen würden.EU-Diplomaten hatten zuvor mitgeteilt, dass die Botschafter der 27 Mitgliedstaaten am Dienstagmorgen erneut zusammentreffen würden, um vor Ablauf der Frist in der Nacht zu Mittwoch eine Einigung zu erzielen. Die am Nachmittag erzielte grundsätzliche politische Einigung hätte bis zum Montagabend schriftlich von den EU-Ländern bestätigt werden müssen. Doch ein Land, Diplomatenkreisen zufolge Lettland, stellte sich dagegen und blockierte die Einigung. Beschlüsse der EU im Bereich der Sanktionen müssen einstimmig von den 27 Mitgliedstaaten gefasst werden.Die EU hatte eine Frist für die Verlängerung der Sanktionen vergangene Woche auf diesen Mittwoch um 00.00 Uhr verschoben. Grund dafür war Uneinigkeit über die Forderung Frankreichs und der Slowakei, den russisch-usbekischen Milliardär Alischer Usmanow von der Liste zu streichen. Frankreich begründet seine Forderung mit Angelegenheiten „nationaler Sicherheit“, ohne öffentlich Details zu nennen. Die britische Zeitung „Financial Times“ berichtete, Hintergrund sei ein mögliches Abkommen über die Freilassung von Gefangenen, das mehrere in Aserbaidschan festgehaltene französische Staatsbürger betreffe.

Vorerst kein Deal zu Russland-Sanktionen Die unter dem Druck einzelner EU-Staaten geplante Aufhebung von Sanktionen gegen die beiden russischen Oligarchen Alischer Usmanow und Michail Fridman hat am Abend nicht wie geplant beschlossen werden können. Wie ein EU-Diplomat mitteilte, kam die erforderliche Einstimmigkeit in dem schriftlichen Entscheidungsverfahren nicht zustande. Nun sollen an diesem Dienstagmorgen erneut die Botschafter der Mitgliedstaaten zu Beratungen zusammenkommen. Für die EU-Staaten drängt dabei die Zeit. Gleichzeitig mit der Aufhebung der Sanktionen gegen Usmanow und Fridman soll auch die Verlängerung der Sanktionen gegen rund 3.000 andere Personen, Einrichtungen und Unternehmen beschlossen werden. Diese laufen sonst in der Nacht zum Mittwoch aus. Allen Akteuren wird vorgeworfen, Russlands Krieg gegen die Ukraine zu unterstützen oder von der Politik des Kremls zu profitieren. 

UN warnen vor weiterem harten Winter in der UkraineIm Ukrainekrieg droht der Zivilbevölkerung einer UN-Kommission zufolge wieder ein harter Winter, der die Lebensbedingungen der Menschen noch einmal drastisch verschlechtern könnte. Im vergangenen Winter „litten Millionen Zivilisten unter lang anhaltenden Stromausfällen sowie Engpässen oder einem tagelangen Ausfall der Heizung“, erklärte die UN-Untersuchungskommission für die Ukraine am Montag. Der kommende Winter „könnte noch schwerer zu bewältigen sein“. „Während des strengen Winters 2025/2026 führten die russischen Streitkräfte weiterhin systematische Angriffswellen gegen die kritische Energieinfrastruktur der Ukraine aus, während die Temperaturen auf minus 20 Grad Celsius fielen“, erklärte der Kommissions-Vorsitzende Erik Mose bei der Vorstellung seines Berichts vor dem UN-Menschenrechtsrat. In der Folge seien viele Menschen krank geworden. Außerdem hätten die ukrainischen Behörden wegen der Kälte Todesfälle verzeichnet. „Die anhaltenden Angriffe auf die Energieinfrastruktur machen die Lebensbedingungen für die Zivilbevölkerung zunehmend unerträglich.“ 

Selenskyj bekräftigt Vorschlag zu einer begrenzten WaffenruheVor einem in New York geplanten Treffen mit US-Präsident Donald Trump weist der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj US-Kritik an Angriffen auf die russische Ölindustrie zurück. Er wiederholt dagegen seinen Vorschlag einer begrenzten Waffenruhe: „Der ukrainische Energiesektor, kritische Infrastruktur und unsere Lebensmittelexporte dürfen keine Ziele mehr für Russland sein, und das wird zu entsprechenden Deeskalationsschritten von unserer Seite führen“, schrieb Selenskyj auf der Plattform X. Am Rande der Generalversammlung der Vereinten Nationen ist an diesem Dienstag Berichten zufolge ein Treffen von Trump und Selenskyj geplant. Trump hatte in einem Beitrag auf seiner Plattform Truth Social geschrieben, dass Russland im Krieg die Kontrolle über seine Dieselölindustrie verloren habe. Ein großer Teil der Raffinerien sei gesprengt worden und zumindest vorübergehend außer Betrieb. „Dieser lächerliche und endlose Krieg mit der Ukraine muss beendet werden“, schrieb er weiter. Dieser Forderung pflichtete Selenskyj bei.Schon vor mehr als einer Woche hatte Trump Selenskyj dazu aufgerufen, Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen und ihn für eine weltweite Dieselknappheit verantwortlich gemacht. Allerdings wirkt sich besonders der Krieg zwischen der USA und Iran auf den globalen Ölmarkt aus. 

Selenskyj trifft Trump in New YorkDer ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj will sich am Dienstag mit US-Präsident Donald Trump in New York treffen. Die Begegnung soll am Nachmittag am Rande der Generaldebatte der UN-Vollversammlung stattfinden. Selenskyj hatte am Sonntag mit Trump telefoniert und anschließend erklärt, es gebe eine „diplomatische Dynamik“ in den Bemühungen um eine Beendigung des Ukraine-Kriegs.