FAZ 06.06.2026
09:42 Uhr

Liveblog Ukrainekrieg: Ukraine greift wieder Sankt Petersburg an


Gouverneur: „Großangelegter Angriff durch militärische Drohnen“ +++ Ukraine entschuldigt sich bei Athen für Drohnenvorfall +++  Kreml: Vieraugengespräch zwischen Putin und Schröder +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Liveblog Ukrainekrieg: Ukraine greift wieder Sankt Petersburg an

Selenskyj: Militärstützpunkt nahe St. Petersburg getroffen Ukrainische Drohnen haben nach ‌Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj in der Nacht ein Öllager in der südrussischen Region ‌Krasnodar ‌sowie einen Militärstützpunkt nahe St. Petersburg getroffen. „Russland muss seinen Krieg beenden und seine Angriffe auf ​das Leben ⁠stoppen“, erklärte Selenskyj auf der Plattform X. Jede Ungerechtigkeit gegenüber der Ukraine ​werde eine gerechte Antwort erhalten. 

Moskau: Hunderte ukrainische Drohnen abgefangen - darunter 86 nahe St. PetersburgRussland hat eigenen Angaben zufolge in der Nacht zum Samstag hunderte ukrainische Drohnen abgefangen, darunter dutzende in der Nähe der Stadt St. Petersburg, die derzeit ein internationales Wirtschaftsforum ausrichtet. „Über der Region Leningrad wurden 86 Drohnen abgeschossen. Die Kampfhandlungen dauern an“, erklärte der Gouverneur der Region, Alexander Drosdenko, am Samstag. Die Region Leningrad beherbergt neben der Großstadt Sankt Petersburg auch wichtige Häfen.  Das russische Verteidigungsministerium teilte in der Nacht auf Samstag mit, die Luftabwehr habe insgesamt 376 ukrainische Drohnen „über den Regionen Belgorod, Brjansk, Kaluga, Kursk, Leningrad, Nowgorod, Orjol, Pskow, Rostow, Rjasan, Smolensk, Twer und Tula, der Region Moskau, der Republik Krim, der Republik Abchasien“ sowie über dem Asowschen und dem Schwarzen Meer abgeschossen.

Ukraine entschuldigt sich bei Athen für DrohnenvorfallMehrere Tage nach einer griechischen Protestnote hat sich das ukrainische Außenministerium für den Fund einer sprengstoffbeladenen Seedrohne vor der Ferieninsel Lefkada im Ionischen Meer entschuldigt. „Die ukrainische Seite entschuldigt sich für den Vorfall und betont, dass dieser auf Umstände zurückzuführen sei, die durch die anhaltende russische Aggression gegen die Ukraine verursacht wurden“, schrieb Außenamtssprecher Heorhij Tychyj auf der Plattform X. Das zeige, dass der andauernde russische Krieg gegen die Ukraine auch eine Bedrohung für benachbarte europäische Staaten und die Welt darstelle. Gleichzeitig bedankte sich Kiew für die seit Kriegsbeginn 2022 von Griechenland gewährte Unterstützung für das osteuropäische Land. 

Wadephul sagt Ukraine unerschütterliche Unterstützung zuAußenminister Johann Wadephul sagt der Ukraine nach der Absage von Kremlchef Wladimir Putin an ein Verhandlungsangebot seines ukrainischen Kollegen Wolodymyr Selenskyj unverbrüchliche Unterstützung zu. Man nehme die jüngsten Aussagen von Putin zur Kenntnis und ziehe „daraus die einzig richtige und notwendige Konsequenz: Unsere Unterstützung für die Ukraine ist und bleibt unerschütterlich“, sagte der CDU-Politiker am Rande seines Besuchs in Mexiko-Stadt vor Journalisten.

Selenskyj: Putins Absage zeigt mangelnden FriedenswillenDer ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wertet die Absage des russischen Präsidenten Wladimir Putin an ein Treffen zur Beilegung des Konflikts als Zeichen, dass der Kreml den Krieg nicht beenden will. „Leider entscheidet sich die russische Seite einmal ​mehr für den Krieg“, sagt Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft. Alle hätten die schwache Antwort gehört. „Ich denke, diese Antwort wird viele Menschen weltweit enttäuscht haben“, fügt er hinzu.

Kreml bestätigt Treffen in MoskauEin Vieraugengespräch zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder ist nach Angaben des Kremls „gut und freundschaftlich“ verlaufen. Dies meldet die russische Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf den Kreml-Berater Juri Uschakow.Zum Inhalt und dabei möglichen Perspektiven für Verhandlungen zwischen Russland und der Europäischen Union konnte er keine Angaben machen. Das Treffen fand demnach im Kreml in Moskau statt. ​Putin hatte Schröder gestern als möglichen Vermittler zwischen Russland und Europa ins Spiel gebracht.

IAEA: Russische Soldaten nahe dem Atomkraftwerk Saporischschja verletztBei einem Zwischenfall nahe dem ukrainischen Atomkraftwerk Saporischschja wurden nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) russische Soldaten verletzt. Der Vorfall habe sich während der Minenräumung im Rahmen einer lokalen Waffenruhe ereignet. Russland ​warf der Ukraine vor, die von der IAEA vermittelte Feuerpause mit einem Angriff gebrochen zu haben. Die ukrainische Seite teilte der Behörde hingegen mit, sie halte an der Vereinbarung fest. IAEA-Chef Rafael Grossi rief zu maximaler militärischer Zurückhaltung und der vollständigen Einhaltung der Waffenruhe auf.

Putin lehnt Treffen mit Selenskyj abDer russische Präsident Wladimir Putin hat das in einem offenen Brief vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj angebotene direkte Treffen abgelehnt. „Ich sehe darin noch keinen Sinn“, sagte der Kremlchef auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg. Vor einem solchen Gipfeltreffen müssten erst Vereinbarungen für eine dauerhafte Lösung des seit 2022 währenden Krieges getroffen werden. Das am Vortag von Kiew veröffentlichte Schreiben enthalte zudem „Elemente von Unverschämtheit“, erklärte Putin.Die beste Antwort auf den Brief sei ein Aufruf an das russische Militär: „An die Arbeit, Brüder!“ Putin erklärt immer wieder, dass die russischen Kriegsziele auch durch eine Fortsetzung der Kampfhandlungen erreicht werden könne, wenn es nicht auf diplomatischem Weg gehe. Tags zuvor hatte Selenskyj Putin für ein Ende des Ukrainekrieges direkte Friedensgespräche in einem Drittstaat angeboten. In dem Schreiben spielte der 48-Jährige unter anderem auf das hohe Alter des 73-jährigen Kremlchefs an und betonte jüngste ukrainische Erfolge bei Drohnenangriffen auf Ziele im russischen Hinterland.

Ukrainische Drohne explodierte im rumänischen Hafen Constanța Bei der Drohne, die am Freitagvormittag im rumänischen Hafen Constanța explodierte, handelte es sich um ein fehlgeleitetes ukrainisches Modell. Das bestätigte ein ukrainischer Außenamtssprecher in Kiew auf der Plattform X. Nach Angaben des rumänischen Verteidigungsministeriums wurde niemand verletzt oder getötet, als sich das mit Sprengstoff beladene unbemannte Seefahrzeug selbst in die Luft sprengte. Nach Darstellung des ukrainischen Sprechers sei die Drohne infolge von russischen Störsignalen unsteuerbar geworden und von ihrem Weg abgekommen. Die ukrainische Marine habe die rumänischen Partner rechtzeitig verständigt. Die Behörden in Constanța gaben Alarm und veranlassten die Räumung des Hafens am Schwarzen Meer, nachdem die Seedrohne entdeckt worden war. Die Explosion erfolgte, als das rumänische Militär dabei war, sie unschädlich zu machen, hieß es in der Mitteilung des Verteidigungsministeriums. Drohnen dieser Art würden sich selbst in die Luft sprengen, wenn sie die Verbindung zu ihrem Drohnenoperator verlieren, zitierte die Nachrichtenagentur Mediafax einen Militärfachmann. Durch die Explosion entstanden Schäden an einer Lagerhalle und an einem Schiff, sagte der Präfekt des Kreises Constanța, Adrian Picoiu, zu Mediafax. 

Macron, Starmer, Merz und Selenskyj beraten am Sonntag in LondonDer französische Präsident Emmanuel Macron reist am Sonntag zu Gesprächen mit dem britischen Premierminister Keir Starmer, Bundeskanzler Friedrich Merz und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj nach ​London. Das teilte der Elysée-Palast mit. Das Treffen dient demnach der engen Abstimmung über die weitere Unterstützung der Ukraine und den Druck auf Russland.

Moskauer Prozess gegen Satiriker Tilly geht weiter Im April war der Düsseldorfer Karnevalswagenbauer Jacques Tilly in Moskau in Abwesenheit zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden – jetzt kündigt sich ein Revisionsprozess an. Das Auswärtige Amt habe ihn informiert, dass für Dienstag eine Verhandlung angesetzt sei, sagte Tilly der Deutschen Presse-Agentur. Ob die Staatsanwaltschaft oder die Verteidigung die Revision beantragt habe, wisse er nicht. Die „Rheinische Post“ hatte zuvor berichtet. Das Gericht in Moskau hatte im April geurteilt, dass Tilly sich mit seinen Darstellungen im Düsseldorfer Rosenmontagszug der Verletzung religiöser Gefühle und der Verbreitung von Falschnachrichten über die russischen Streitkräfte schuldig gemacht habe. Tilly hatte Kremlchef Wladimir Putin und den von ihm befohlenen Krieg in der Ukraine immer wieder satirisch angeprangert. Auch der russisch-orthodoxe Patriarch Kirill wurde verspottet.Tilly sagte, er sei eigentlich davon ausgegangen, dass die Angelegenheit mit dem Urteil erledigt gewesen sei. Nun lasse er sich überraschen, was am Dienstag geschehen werde. Er sei bis heute nicht von dem Moskauer Gericht informiert worden und habe auch keinen Kontakt zur Verteidigung. Mit der Verurteilung müsse er leben, und das gelinge auch ganz gut. „Worauf ich keinen Einfluss habe, das interessiert mich nicht besonders“, sagte Tilly. „Ich habe keine Handlungsoption.“ Es gehöre zum Geschäft des Satirikers, dass man ab und zu auch sehr harte Reaktionen bekomme. „Das ist eingepreist. Ich nehm’s eher gelassen – wie soll ich’s sonst nehmen?“

Gefangenenaustausch zwischen Moskau und KiewRussland und die Ukraine haben am Freitag wieder Kriegsgefangene ausgetauscht. Laut der Nachrichtenagentur RIA Nowosti teilte das russische Verteidigungsministerium mit, dass 185 Soldaten nach Russland zurückgebracht worden seien. Im Gegenzug seien 185 ukrainische Kriegsgefangene übergeben worden. Demnach kam der Austausch durch die Vermittlung der Vereinigten Arabischen Emirate zustande. 

Nach der Initiative des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj für direkte Friedensgespräche mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin soll es in den kommenden Tagen ein weiteres Spitzentreffen führender europäischer Politiker mit Selenskyj geben. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagte am Rande eines EU-Westbalkan-Gipfels in Montenegro, es gebe eine enge Abstimmung zwischen Frankreich, Großbritannien und Deutschland. In einigen Tagen werde man sich mit Selenskyj sehen. Bundeskanzler Friedrich Merz, Großbritanniens Premier Keir Starmer und Macron hatten sich zuletzt vor rund zwei Wochen in einer Videokonferenz ausgetauscht. 

EU und Bundesregierung begrüßen Selenskyjs Brief an PutinDie EU hat den Aufruf des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj an Russlands Staatschef Wladimir Putin begrüßt, Direktverhandlungen über eine Waffenruhe zu führen. „Wir begrüßen Präsident Selenskyjs Aufruf zu direkten Verhandlungen sowie die Forderung nach einem Waffenstillstand – und unsererseits werden wir noch einmal die Fakten darlegen, nämlich dass die Ukraine Frieden will und Europa Frieden will“, sagte EU-Sprecherin Anitta Hipper am Freitag in Brüssel.Auch die Bundesregierung äußerte sich zustimmend: „Grundsätzlich begrüßen wir den Brief Selenskyjs“, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille in Berlin. Zugleich pochte er auf eine „wichtige Rolle“ für die europäischen Staaten. „Es darf keine Entscheidung über die Köpfe der Ukraine geben, aber es darf aus unserer Sicht auch keine Entscheidung ohne die Europäer geben“, fügte Hille hinzu. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagte, Selenskys Brief sei eine „gute Initiative“. Jetzt sei der Zeitpunkt, um über die „erneute Organisation eines Dialogs über eine Waffenruhe und Frieden“ zu sprechen, sagte Macron beim EU-Westbalkangipfel in Montenegro.