FAZ 11.09.2026
10:18 Uhr

Lohnpolitik: IG Metall stimmt sich auf „moderate“ Forderung ein


In zwei Wochen beginnt die große Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie. Eine Umfrage der Gewerkschaft zeigt: Die Hälfte der Beschäftigten wäre mit einer moderaten Lohnforderung zufrieden.

Lohnpolitik: IG Metall stimmt sich auf „moderate“ Forderung ein

Die Lohnrunde für bis zu 3,7 Millionen Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie in Deutschland findet in diesem Jahr unter schwierigen Vorzeichen statt. Denn ihren beiden größten Einzelbranchen, der Autoindustrie und dem Maschinenbau, geht es schlecht. Auf der anderen Seite umfasst der breitgefächerte Wirtschaftsbereich auch Zweige wie Rüstung, Raumfahrt und Medizintechnik, in denen Aufschwung herrscht. Die IG Metall hat es daher in ihrer internen Diskussion über die geplante Tarifforderung mit sehr breit gefächerten Erwartungen der eigenen Mitglieder zu tun. Wie es sich damit verhält, verdeutlicht nun eine Umfrage der Gewerkschaft unter 267.000 Beschäftigten, die ihr dabei Orientierung geben soll. Sie belegt, dass für viele der Befragten Arbeitsplatzsorgen und die schwierige Wirtschaftslage im Vordergrund stehen. Fast 48 Prozent der Befragten sprachen sich für eine „moderate“ Lohnforderung aus. Weitere 13 Prozent halten schon eine „kleine“ Forderung für angemessen. Und für vier Prozent ginge sogar eine Tarifrunde ohne Lohnforderung in Ordnung, vor allem wenn dies ihre Arbeitsplätze sichert. Auf der anderen Seite gibt es aber eine Gruppe von 35 Prozent, die sich eine „kräftige“ Lohnerhöhung von der diesjährigen Tarifrunde erwartet. Welche konkreten Schlüsse die Gewerkschaft daraus zieht, wird sie in den kommenden zwei Wochen in ihren regionalen Tarifkommissionen klären. Die genaue Lohnforderung will sie auf einer Vorstandssitzung am 25. September beschließen. Die IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner bewertete die Ergebnisse der Erhebung am Donnerstag zunächst nur vorsichtig. „Die Beschäftigten haben ein sehr feines Gespür für die drängendsten Themen im Land“, sagte sie. Das seien „gute Reallöhne, zukunftsfähige Arbeitsplätze und soziale Sicherheit“. IG-Metall-Chefin Benner: Verzicht bringt aber auch nichts Allerdings ordnete sie die Anfang Oktober beginnenden Verhandlungen mit den Arbeitgeberverbänden auch mit diesen Worten ein: „Verzicht bringt nichts“, erklärte sie. Der Anteil der Lohn- und Arbeitskosten an den Gesamtkosten der Unternehmen sei zu niedrig, um die Probleme der Industrie mit tarifpolitischen Stellschrauben zu lösen. Die Politik müsse helfen, Arbeitsplätze zu halten und eine Deindustrialisierung zu verhindern. „Wir brauchen eine Anti-Dumping-Strategie und die Sicherung von Wertschöpfung über Local-Content-Vorgaben“, verlangte Benner. Die Beschäftigten wurden von der IG Metall auch danach gefragt, was derzeit ihre größten Sorgen seien. Hier dominieren demnach hohe Lebenshaltungskosten, 69 Prozent nannten sie als Sorgenfaktor. Daneben wurden vier weitere Sorgenfaktoren mit einer Häufigkeit von knapp 60 Prozent genannt: hohe Gesundheitskosten, die Absicherung im Alter, die Sicherheit des Arbeitsplatzes und die Zukunft des eigenen Betriebs. Allerdings entnimmt die IG Metall in der Umfrage auch Hinweise darauf, dass es der Industrie insgesamt nicht so schlecht gehe, wie es oft dargestellt werde: Etwa 45 Prozent der Teilnehmer äußerten, dass es ihrem Betrieb gut oder sehr gut gehe. Demgegenüber bezeichneten knapp 22 Prozent die Lage im Betrieb als schlecht oder sehr schlecht. Ein Drittel beantwortete die Frage mit „geht so“.