FAZ 20.03.2026
07:51 Uhr

Mette-Marit Über Epstein: „Ich wusste nicht, dass er ein Sexualverbrecher war“


Ihr enger Kontakt mit Jeffrey Epstein hat Norwegens Kronprinzessin in Bedrängnis gebracht. Jetzt hat sich Mette-Marit in einem Fernsehinterview geäußert.

Mette-Marit Über Epstein: „Ich wusste nicht, dass er ein Sexualverbrecher war“

Mit brüchiger Stimme, teils den Tränen nahe, hat Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit Auskunft über ihre Freundschaft mit dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein gegeben – ohne dabei alle Fragen zu beantworten oder sich zu entschuldigen. Sie sei von Epstein „manipuliert und getäuscht“ worden, habe zu lange an ihm festgehalten und erst spät erkannt, „dass er ein richtig übler Typ war“, sagte Mette-Marit im Interview mit dem norwegischen Fernsehen.„Ich wusste nicht, dass er ein Sexualverbrecher war.“ Mit dem Auftritt hat sich die Kronprinzessin viel Zeit gelassen. Anderthalb Monate ist es her, dass dutzende E-Mails von ihr mit Epstein öffentlich geworden waren. Das norwegische Königshaus stürzte sie damit in eine tiefe Krise. Viele im Land haben Zweifel, ob Mette-Marit noch Königin werden kann. Mit ihrem Auftritt nun versuchte sie Vertrauen zurückzugewinnen. Doch bleiben offene Fragen. Dass sie erst jetzt Auskunft gab, begründete die Zweiundfünfzigjährige damit, dass sich ihre Familie in den vergangenen Wochen in einer „sehr schwierigen Situation“ befunden habe. Hinzu komme: Sie sei Mutter eines jungen Mannes, der sich ebenfalls in einer „sehr schwierigen Situation“ befinde. Just am Tag der Aufzeichnung des Interviews hielt im Prozess gegen Mette-Marits Sohn Marius Borg Høiby dessen Anwalt sein Schlussplädoyer. Vorgeworfen werden Høiby unter anderem mehrere Vergewaltigungen. Weiterhin als Grund für ihr Zögern nannte die Kronprinzessin ihren Gesundheitszustand, der sich zuletzt noch verschlechtert habe. Seit langem leidet sie an einer unheilbaren Lungenerkrankung und benötigt eine Lungentransplantation. Aus Rücksicht auf ihre Gesundheit musste das Interview laut Königshaus auf 20 Minuten begrenzt werden. „Habe dich nach der letzten E-Mail gegoogelt“ Den Hintergrund Epsteins will Mette-Marit nicht gekannt haben. Dass sie diesen nicht genauer überprüft habe, dafür übernehme sie die Verantwortung. Nach Angaben des Königshauses wurde Mette-Marit 2011 mit Epstein bekannt. Rund drei Jahre vorher war er zu anderthalb Jahren Haft verurteilt worden, weil er sexuelle Dienstleistungen von Minderjährigen gekauft hatte. Über Jahre soll er auch danach Minderjährige missbraucht haben. Von all dem will Mette-Marit nichts gewusst haben. Im Widerspruch dazu steht eine E-Mail, die sie 2011 an Epstein schrieb. „Habe dich nach der letzten E-Mail gegoogelt. Stimmt, das sah nicht gut aus :)“, heißt es darin. Dazu sagte die Kronprinzessin, sie wisse nicht mehr, nach was sie damals gesucht habe. „Aber hätte ich Informationen gefunden, die mir klar gemacht hätten, dass er ein Täter und Sexualstraftäter war, hätte ich ja kein Smiley dahinter geschrieben.“ Epstein vorgestellt haben soll sie ein gemeinsamer Freund. Ein solcher soll auch Epsteins Villa in Florida gemietet haben, in der Mette-Marit ein paar Tage verbrachte. Dort will sie nichts Auffälliges gesehen haben. „Alle, die ich zusammen mit Epstein getroffen habe, waren Erwachsene. Ich habe nie etwas Illegales gesehen.“ Mette-Marit nennt Ton mit Epstein „kameradschaftlich“ Die Frage, ob der Ton in ihren E-Mails an den Sexualstraftäter intim gewesen sei, verneinte sie, nannte ihn „kameradschaftlich“. 2012 hatte ihr Epstein geschrieben, er sei auf „Frauensuche“, Paris sei interessant, aber er bevorzuge Skandinavierinnen. Mette-Marit antwortete, Paris sei gut für Seitensprünge. Skandinavierinnen seien besseres „Ehefrauenmaterial“. Dazu sagte sie nun, das sei „Geplänkel unter Freunden“, nichts Besonderes, „ein bisschen frech“. 2014 brach sie den Kontakt ab. Epstein habe versucht, sie auszunutzen und zu manipulieren. Wie genau, bleibt unklar, ebenso, was die Kronprinzessin meinte, als sie sagte, Epstein habe sich ihr gegenüber „auf eine Weise verhalten, die mir nicht gefallen hat“. Am letzten Tag ihres Aufenthalts in Florida habe er sie in eine Situation gebracht, „die mich so verunsicherte, dass ich Haakon zu Hause anrief“. Auf die Frage, ob sie mehr dazu sagen könne, antwortete sie: „Nein, dazu habe ich keine Lust.“ Kronprinz Haakon bestätigte den Anruf, nannte aber ebenfalls keine Details. Der Auftritt des Paares erinnert an jenen aus dem Jahr 2001 kurz vor der gemeinsamen Hochzeit. Da gab Mette-Marit neben Haakon sitzend Auskunft über ihre wilden Studienjahre, aus denen Høiby hervorging. Sie tat öffentlich Buße – und die Norweger akzeptierten sie. Doch seit dem Fall Epstein wird laut gefragt, ob eine Frau, die derart nahe mit einem Sexualstraftäter war, noch Königin des Landes werden kann. Im Interview wurde Mette-Marit nun gefragt, ob sie die Motivation habe, ihre Rolle als Kronprinzessin auszufüllen und später das anzugehen, was die Zukunft bringe – sprich die Rolle einer Königin. König Harald ist 89 Jahre alt und gesundheitlich angeschlagen. Sie lebe mit einer schweren Krankheit, antwortete Mette-Marit. Diese entscheide darüber, ob sie ihre Rolle überhaupt ausfüllen könne oder nicht. Aber sie glaube fest an die Bedeutung der Monarchie in Norwegen und sie hoffe sehr, dass das Vertrauen in die Institution nicht schwächer werde. Fraglich ist, ob die Norweger ihr dabei folgen.