FAZ 17.08.2026
17:47 Uhr

Milliardendeal für Lakers: Ein Rekordverkauf in der NBA, der Fragen aufwirft


Nach nur einem Jahr wechseln die LA Lakers schon wieder den Besitzer. Unternehmer Mark Walter verkauft sie ausgerechnet an jene Investmentfirma, die gerade noch bei der FIFA einsteigen wollte. Wieso?

Milliardendeal für Lakers: Ein Rekordverkauf in der NBA, der Fragen aufwirft

Eigentlich sind die Besuche amerikanischer Meistermannschaften im Weißen Haus in Washington nicht mehr als simple Fotomotive. Dazu gedacht, dem professionellen Sport eine besondere Aura zu verleihen, und Anlass für den jeweiligen Präsidenten, den Besuchern in einer kurzen Ansprache ein paar humorvolle Worte mit auf den Weg zu geben und sich für das übliche Gastgeschenk zu bedanken: ein Trikot mit seinem Namen darauf. Bei der Visite des Baseballteams der Los Angeles Dodgers Ende Juli hatte deren Eigentümer jedoch eine ausgefallenere Überraschung parat. Mark Walter öffnete eine mitgebrachte blaue Schatulle und überreichte Donald Trump einen Goldring jener protzig-klobigen Machart, wie man sie in den Vereinigten Staaten Mitgliedern von erfolgreichen Teams schenkt. Ein besonderer Goldring für Trump Dieses Schmuckstück, das aus Anlass des World-Series-Sieges der Dodgers im letzten Herbst gefertigt worden war, verfügt über achtzig kleine Diamanten, aus denen der Terminus „WORLD CHAMPIONS“ gesetzt wurde, und siebzehn Saphire für den offiziellen „LA“-Schriftzug. Sammlerwert: rund 100.000 Euro. Der ausgewiesene Gold-Aficionado Trump, der im vergangenen Jahr bei der FIFA-Klub-WM sowohl den Originalpokal als auch eine Plakette für die Mitglieder des Cup-Siegers abgestaubt hatte, tat überrascht: „Das kann doch nicht wahr sein“, sagte er. Aber das war es. Denn kurz darauf schob er die Preziose lässig in die linke Innentasche seiner Anzugjacke. Nur wenige Wochen später gibt es viele, die das teure Gastgeschenk in einem anderen Licht sehen. Denn derselbe Mark Walter, der im Laufe der Jahre mit seinem Investitionsvehikel TWG Global nicht nur Milliarden in den kommerziellen Baseball investiert und die noch junge nordamerikanische Fraueneishockey-Liga PWHL komplett finanziert hatte und der mit erheblichen Summen in den europäischen Profifußball (FC Chelsea und Racing Straßburg) sowie die Formel 1 (Cadillac) und die IndyCar-Serie (Andretti Global) eingestiegen war, hatte urplötzlich das Interesse an einer anderen Besitzung verloren – an den Los Angeles Lakers, dem prestigeträchtigsten Basketballteam der Welt. Lakers-Verkauf nach nur gut einem Jahr Er akzeptierte für das Team, an dem er erst im Juni 2025 seine jahrelange Minderheitsbeteiligung aufgestockt und die Mehrheit der Anteile erworben hatte, eine über Nacht eingetroffene Offerte von Joshua Kushner, dem Bruder von Trumps Schwiegersohn Jared, und dem ehemaligen Disney-Chef Robert Iger über etwa 12,5 Milliarden Dollar (etwa 10,8 Milliarden Euro). War sie einfach zu gut, um sie abzulehnen und mehrere Angebote von unterschiedlichen Interessenten einzuholen? Die Käufergemeinschaft stufte den aktuellen Lakers-Buchwert um 2,5 Milliarden Dollar höher ein als jene zehn Milliarden, auf deren Basis Walter vor einem Jahr sein Anteilspaket erworben hatte – so viel wurde noch nie für eine Sport-Franchise gezahlt. Allerdings war von Geld in seiner offiziellen Abschiedserklärung nicht die Rede. Im Gegenteil. Da schwang einfach nur Melancholie mit. Tempi passati: „Die Los Angeles Lakers zu besitzen, war eine der größten Ehren meines Lebens.“ Ermittlungen gegen Walters Versicherungsgesellschaften Normalerweise werfen geschäftliche Transaktionen mit einer Jahresrendite von 20 Prozent keine größeren Fragezeichen auf. Doch Wirtschaftsmedien haben mittlerweile unabhängig voneinander berichtetet, dass US-Staatsanwälte in Manhattan und die Börsenaufsichtsbehörde SEC seit dem letzten Herbst gegen zwei der von Walter im Rahmen eines verschachtelten Firmengeflechts kontrollierten Versicherungsgesellschaften ermitteln. Die Informationen legen die Vermutung nahe, dass der Sportmogul schon eine Weile unter Druck steht, um den Schuldenstand der betreffenden Versicherungen zu reduzieren, und deshalb dringend flüssige Mittel benötigt. Laut „Wall Street Journal“ geht es um gepumptes Geld in Größenordnungen von fast „21 Milliarden Dollar, die an Unternehmen vergeben wurden, die mit Walter oder seinem Konglomerat TWG Global in Verbindung stehen“. Sollte die Schmeicheleinheit für Trump den Weg zu einer Lösung bahnen? Zunächst wirken die Ermittlungen nur wie ein fernes Echo auf die Probleme von 777 Partners, einer in Miami domizilierten Firma, die mittlerweile sowohl in Großbritannien als auch in den Vereinigten Staaten Konkurs angemeldet hat. Sie hatte in den letzten Jahren in mehreren europäischen Ländern Fußball-Klubs aufgekauft und sich dabei unter anderem die Mehrheitsanteile an der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA des Berliner Zweitligaklubs gesichert. Auch hier spielten Kredite von Versicherungen eine Rolle. Die Assekuranzbranche unterliegt in den USA jedoch strengen Auflagen, die die Solidität der Firmen und ihre Fähigkeit garantieren sollen, im Ernstfall Ansprüche ihrer Kunden so rasch wie möglich zu befriedigen. Tatsächlich kursieren in der amerikanischen Finanzindustrie schon länger Mutmaßungen, dass gewisse Versicherungen als spekulative Kreditgeber für die rasant gestiegenen Marktpreise von Sportteams in den Vereinigten Staaten mitverantwortlich sind. Einige sollen auf diese Weise Summen riskiert haben, die beim 60-Fachen ihres verfügbaren Kapitals liegen. Ein Geschäftsgebaren, das dem jener Großbanken ähnelt, die mithilfe erfindungsreicher Wertpapiergeschäfte eine Pleitenkaskade ausgelöst hatten, die 2008 eine globale Wirtschaftskrise nach sich zog. Kushner schon zuvor Anteilseigner bei NBA-Teams Joshua Kushner und sein Risikokapitalunternehmen Thrive Capital hatten sich bis vor wenigen Wochen noch komplett auf die gescheiterten Pläne von Gianni Infantino kapriziert, 20 Milliarden Dollar an Privatkapital für sein Projekt FIFA Forward Enterprise (FFE) anzulocken. Ein Vorhaben, das aufgrund der Charme-Initiative des Schweizers mit einem ominösen Friedenspreis und der Anmietung teurer Räume im Trump Tower von New York und der Kushner-Connection dem Eindruck Vorschub leistete, dass der amerikanische Präsident nicht nur dabei involviert gewesen war, sondern nun auch in der Causa Walter. Die Mutmaßung wurde von der Presseabteilung im Weißen Haus allerdings offiziell dementiert: „Das hat nichts mit Präsident Trump oder seiner Regierung zu tun.“ Kushner und Iger wollen NBA-Team in Las Vegas ansiedeln Das plötzliche Interesse an den Los Angeles Lakers wirkte tatsächlich noch aus einem anderen Grund plausibel. Kushner und Iger arbeiteten zuletzt an einem Plan, in Las Vegas ein neues NBA-Team auf die Beine zu stellen. Sie hatten dafür bereits Investmentbanker angeheuert, um eine von der Liga geforderte Aufnahmegebühr in der Größenordnung von neun Milliarden Euro aufzubringen. Die Übernahme einer Traditionsfranchise macht ihnen nun das Leben sehr viel leichter. Die Lakers sind profitabel. Was nur noch fehlt, ist die Zustimmung von zwei Dritteln aller Teameigentümer in der NBA zum Verkauf. Womit zu rechnen sein dürfte. Kushner musste sich bereits beim Erwerb von Anteilen der Miami Heat und der Memphis Grizzlies dem kritischen Blick der Ligaaufsicht stellen. Zudem gilt Iger als guter Freund von Liga-Geschäftsführer Adam Silver. Währenddessen ist die Suche von Mark Walter nach noch mehr Liquidität offensichtlich nicht beendet. Britische Medienberichte sprechen davon, dass der Sechsundsechzigjährige – seit 2022 einer von vier Besitzern von Blueco22 Holdings, dem Eigner von rund 38 Prozent der Anteile von FC Chelsea – nach einem Käufer für seine Aktien sucht. Das Team hat laut Schätzungen des amerikanischen Wirtschaftsmagazins „Forbes“ einen Marktwert von umgerechnet 3,5 Milliarden Euro.