FAZ 18.08.2026
14:10 Uhr

Nach Angriffen: Steigender Ölpreis sorgt für Sprung der Anleiherenditen


Der Ölpreis steigt auf mehr als 90 Dollar. Die Rendite der Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit erreicht den höchsten Stand seit 15 Jahren. Beides belastet auch den Dax.

Nach Angriffen: Steigender Ölpreis sorgt für Sprung der Anleiherenditen

Der Ölpreis ist weiter gestiegen und hat zuletzt für einen Sprung der Anleiherenditen gesorgt. Am Dienstag erreicht der Preis der Nordseeölsorte Brent zeitweise knapp 92 Dollar je Barrel (Fass zu 159 Liter) und überschritt damit erstmals seit Juli wieder die 90-Dollar-Marke. Die amerikanische Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg bis auf knapp 85 Dollar je Barrel. Die Rendite der Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit legte zu auf 3,251 Prozent, das war der höchste Stand seit 15 Jahren. Diese Entwicklung belastete den Aktienindex Dax: Der deutsche Leitindex fiel im Handelsverlauf auf weniger als 26.200 Punkte. Anlass für den Ölpreisanstieg waren neue Attacken an der Straße von Hormus. Ein unbekanntes Projektil hat am Dienstag ein Schiff getroffen, das die Wasserstraße verließ. Nach Angaben der britischen Maritime Trade Operations wurde dabei der Maschinenraum beschädigt und ein Besatzungsmitglied verletzt. Die Behörden untersuchen den Vorfall. Öllieferungen bleiben wahrscheinlich schwierig Hinter dem Ölpreisanstieg der vergangenen Tage insgesamt stehe aber „die wachsende Sorge, dass eine baldige Normalisierung der Öllieferungen aus der Golfregion unrealistisch ist“, sagte Carsten Fritsch, Ölanalyst der Commerzbank. „Die Anzahl Schiffe, welche den persischen Golf verlassen, ist wieder stark gefallen“, sagte Giovanni Staunovo, Ölanalyst der UBS. Zudem würden regelmäßig Schiffe angegriffen, die versuchten, die Straße von Hormus zu nutzen. „Vertreter von Iran machen deutlich, dass Schiffsbewegungen eingeschränkt bleiben, so lange die eingefrorenen Geldern von den Vereinigten Staaten nicht freigeben werden“, sagte Staunovo. Zudem sei das meiste Öl aus den geplanten Verkäufen der strategischen Lager zur Verfügung gestellt, sagte der Analyst: „Das bedeutet, dass jetzt die kommerziellen Öllager stärker fallen sollten.“ Der Ölpreis sei ein Faktor, der die Rentenmärkte derzeit belaste und die Renditen steigen lasse, sagte Ralf Umlauf, Rentenmarkt-Fachmann der Landesbank Hessen-Thüringen. Der Einfluss der Ölpreise auf die Inflationsentwicklung und -erwartungen sei weiterhin groß, und diese beeinflussten die Zinsentwicklung. Daneben seien aber auch Sorgen vor einem hohen Angebot an neuen Anleihen, nicht nur bei europäischen Staatsanleihen, zu nennen. „Der Rendite-Ruck bringt die Zuversicht ins Wanken“ „Die Märkte kommen seit Monaten mit langsamen, berechenbaren Renditeanstiegen zurecht“, schrieb Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank, in einem Marktbericht. Immer wieder habe es in den vergangenen Monaten aber Episoden ruckartiger Renditeanstiege gegeben, begleitet von Kursverlusten bei Aktien. „Nun ist es wieder so weit“, sagte Stanzl: „Der Rendite-Ruck bringt die Zuversicht der Dax-Anleger ins Wanken.“ Mit dem Rohölpreis haben auch die Preise für Heizöl und Kraftstoff wieder zugelegt. Die Heizölpreise erreichten nach Angaben der Internetplattform Heizoel24, an die 500 Ölhändler ihre Preise melden, am Dienstag ein Vier-Monats-Hoch. Heizölkäufer zahlten im Schnitt 1,36 Euro je Liter, rund drei Cent mehr als am Vortag. Die Lage im Iran-Krieg ist weiter heikel Die Analysten der Plattform schreiben in ihrem Marktbericht, nach dem ergebnislosen Fristablauf für ein Abkommen verschärften Washington und Teheran ihre Drohungen, während durch die Straße von Hormus kaum noch Schiffe führen: „Zusätzlichen Schub gab ein Brand in einem großen amerikanischen Tanklager.“ US-Präsident Donald Trump habe erklärt, er strebe keine Verlängerung an und erwarte nicht, dass Iran einem für Washington akzeptablen Abkommen zustimme. Dem Oman habe er in einem Interview mit einem Militärschlag gedroht, sollte das Sultanat die amerikanische Seeblockade behindern. Aus Teheran sei die Ankündigung gekommen, zu einer vollständig offensiven Militärhaltung übergehen zu wollen, wenn die Vereinigten Staaten das vorläufige Abkommen nicht innerhalb weniger Wochen umsetzen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan habe in einem Telefonat mit Trump auf direkte Gespräche gedrungen. Spritpreise auf hohen Ständen Auch die Kraftstoffpreise legten zu. Super E10 kostete nach Zahlen der Internetplattform Clever-Tanken zuletzt im Durchschnitt in Deutschland 2,183 Euro je Liter. Das war der höchste Preis seit April. Diesel verteuerte sich ebenfalls weiter, auf 2,266 Euro je Liter. Ähnlich teuer war Diesel schon mal in der vergangenen Woche gewesen, davor aber seit April nicht. In den Monaten Mai und Juni hatte der Tankrabatt den Spritpreis in Deutschland künstlich gedrückt. Nach Zahlen des Automobil-Clubs von Deutschland (AvD) liegt Deutschland beim Preis für Super-Kraftstoff unter den regelmäßig beobachteten Ländern in Europa derzeit auf dem vierten Platz hinter Dänemark, den Niederlanden und Finnland. Beim Dieselpreis ist es Platz sechs hinter Finnland, den Niederlanden, der Schweiz, Frankreich und Belgien.