FAZ 09.08.2026
13:58 Uhr

Nach Explosion: Drohnenfund belastet Bulgariens Beziehung zur Ukraine


Die Regierung in Sofia bestellt die ukrainische Botschafterin ein. Litauen warnt, dass Russland abgefangene Drohnen für „False-Flag“-Operationen einsetzen könnte.

Nach Explosion: Drohnenfund belastet Bulgariens Beziehung zur Ukraine

Die Explosion einer Drohne nahe der Transbalkan-Gaspipeline in Bulgarien hat zu diplomatischen Verstimmungen zwischen dem Balkanland und der Ukraine geführt. Nach einer ersten Untersuchung der Trümmer erklärte das bulgarische Verteidigungsministerium, es handle sich um einen Drohnentyp, der von den ukrainischen Streitkräften „häufig verwendet“ werde. Die bulgarische Außenministerin Welislawa Petrowa kündigte am Wochenende an, die ukrainische Botschafterin am Montag einzubestellen. „Wir können mit Sicherheit sagen, dass die ukrainischen Streitkräfte kein Fluggerät vorsätzlich nach Bulgarien gelenkt haben“, erklärte der ukrai­nische Außenamtssprecher Heorhij Tychyj. Die Ukraine stehe „in engem Kontakt mit der bulgarischen Seite“, um die Umstände zu klären. „Derzeit deutet nichts darauf hin, dass es sich um einen vorsätzlichen Vorfall handelt“, erklärte auch das bulgarische Verteidigungsministerium. In der Nähe von Pipeline explodiert Die mit Sprengstoff beladene Drohne war am Samstag nahe der Grenze Bulgariens zum Nachbarland Rumänien explodiert. Nach Angaben des bulgarischen Ministerpräsidenten Rumen Radew stürzte sie in der Nähe des rund 40 Kilometer vom Schwarzen Meer entfernten Dorfs Kardam nahe dem Schwarzen Meer in ein Sonnenblumenfeld. Die Explosion ereignete sich demnach rund tausend Meter von einer Verdichterstation der Transbalkan-Gas­pipeline entfernt, welche die Türkei mit der Ukraine verbindet. Verletzt wurde niemand. Radew zufolge führte die Drohne eine „erhebliche“ Menge Sprengstoff mit sich. In den vergangenen Monaten hatte es wiederholt Drohnenvorfälle in osteuropäischen NATO-Ländern gegeben. Rumänien registrierte seit Beginn der russischen Vollinvasion in der Ukraine mehrfach Drohnenüberflüge und Abstürze auf seinem Staatsgebiet und schießt seit diesem Juli Drohnen auch ab. Weil es sich bei dem ersten abgeschossenen Fluggerät um eine auch von Russland verwendete Drohne des Typs Shahed handelte, bestellte Bukarest den russischen Botschafter ein. Der Regierung in Litauen liegen derweil Informationen vor, wonach Russland abgefangene ukrainische Drohnen für Angriffe auf kritische Infrastruktur in den baltischen Staaten einsetzen könnte. „Wir sprechen hier von einer möglichen ‚False Flag‘-Operation“, sagte der litauische Verteidigungsminister Robertas Kaunas am Freitag. Nähere Angaben zu bestimmten Objekten oder möglichen Zeitpunkten machte er nicht.