FAZ 23.09.2026
17:44 Uhr

Nachhaltigkeitstage: Keltern fürs Klima


Nach zwei Jahren war in Hessen wieder „Tag der Nachhaltigkeit“. Initiativen begrünen, diskutieren, und im Frankfurter Grüngürtel wird gekeltert. Doch es geht um mehr.

Nachhaltigkeitstage: Keltern fürs Klima

„Und wie viele Apfelsorten kennt ihr?“ Die einundzwanzig Drittklässler der Elberfeldschule im Frankfurter Stadtteil Praunheim kennen sich inzwischen schon viel besser mit alten Apfelsorten aus: Rheinischer Bohnapfel, Gloster und Renetten wurden allein an diesem Mittwochmorgen in einer Szene, die mehr an Bullerbü als an Bankenmetropole erinnert, zu „dem klimafreundlichsten Apfel-Birnen-Saft der Stadt“ gekeltert. Direkt vor Ort, ganz mechanisch und in der entsprechenden Jahreszeit. Das Projekt des vom Stadtschulamt Frankfurt geförderten Vereins „Umweltlernen in Frankfurt“ bringt seit dreiundzwanzig Jahren Naturbildung an die Schulen und die Schüler aus dem Klassenzimmer: An drei Terminen, verteilt über Frühjahr, Sommer und Herbst, wird der Frankfurter Grüngürtel für Schüler und Lehrer vom „Erholungsraum“ zum „Bildungsraum“. Zusammen mit einem schulischen Begleitprogramm im Sachunterricht sollen so Zusammenhänge zwischen Biodiversität, Ernährung, Klima und dem eigenen Einkauf erfahrbar gemacht werden. Heute keltern die Grundschulkinder sogar in ganz großem Auftrag, denn es ist der „Tag der Nachhaltigkeit Hessen“. Zum neunten Mal soll der Aktionstag bestehendes Engagement sichtbar machen und Anschwung für nachhaltiges Handeln geben. 2010 im Zusammenhang mit der Nachhaltigkeitsstrategie des Landes ins Leben gerufen, rufen seitdem alle zwei Jahre Ministerien zu Aktionen wie dem Baumpflanzen oder Initiativen zu Müllsammelaktionen auf. Stiftungen veranstalten Podiumsdiskussionen, und in Kirchengemeinden wird sogar gebetet. Und im Grüngürtel melden sich auch viele bestehende Projekte an: „Ich bin froh, dass es dieses Format gibt“, sagt Barbara Clemenz von „Umweltlernen Frankfurt“: „Wenn sich so viele Aktionen anmelden, zeigt das auch, welche Tragweite das Thema Nachhaltigkeit für die Bürger inzwischen hat. Gerade auch nach diesem Hitzesommer.“ In diesem Jahr sind alle Veranstaltungen zugleich Teil der bundesweiten Initiative „Deutsche Aktionstage Nachhaltigkeit“ und der „Europäischen Nachhaltigkeitswoche“, die parallel bis zum 8. Oktober stattfinden. Es ist große Umweltpolitik im Kleinen: Die Initiativen fördern lokale Aktivitäten und Projekte, die für die übergeordneten Ziele des globalen UN-Aktionsplans „Agenda 2030“ einstehen. Die siebzehn darin festgeschriebenen Nachhaltigkeitsziele umfassen auch das Erreichen hochwertiger Bildung für alle und verantwortungsvolle Konsum- und Produktionsmuster. Hier setzt das Bullerbü im Grüngürtel an. Ein Veranstaltungskompass unter hessen-nachhaltig.de gibt Überblick über alle Aktionen, die in den nächsten Wochen noch stattfinden werden.