Früher war es ein großer Aufwand, den eigenen Schufa-Score zu sehen. Man musste über die Internetseite einen Antrag auf eine Datenauskunft stellen, der sehr versteckt war, und dann bekam man einige Zeit später einen Ausdruck auf Papier zugesandt. In den vergangenen Jahren hat die Schufa sich hier grundlegend neu aufgestellt durch einen neuen Schufa-Score. Seit März gibt es eine transparente Punkteskala, die von 100 bis 999 Punkten reicht. In zwölf Kriterien, die etwa Zahlungsstörungen, laufende Ratenkredite oder den Bankvertrag bewerten, kann man Punkte sammeln. Je höher die Punktezahl, desto kreditwürdiger stuft die Schufa die Person ein. Die Verbraucher scheinen den neuen Score mit Interesse aufzunehmen. Seit dem 17. März haben sich rund 1,6 Millionen Menschen bei der Schufa und ihrer App Bonify registriert, die damit auch ihren neuen Score einsehen können. Er ersetzte den bisherigen Basisscore für Verbraucher. Zugleich tritt er an die Stelle der sechs Branchenscores für Unternehmen. Doch genau hier liegt ein Problem: Während Nutzer den neuen Score sehen, arbeiten viele Unternehmen noch mit dem alten Score: Im Unternehmensmarkt läuft die Umstellung noch. Die alten Werte werden während der Übergangsphase noch bis spätestens Ende 2028 weiter ausgeliefert. Nur ein kleiner Teil der Kunden ist umgestellt Aktuell sind 19 der sogenannten Top-100-Kunden umgestellt, bis zum Jahresende sollen es 25 sein. Besser sieht es insgesamt aus, hier sind bereits 43 Prozent der Unternehmenskunden umgestellt, die bislang einen der sechs Branchenscores bezogen haben. Hier sollen es bis zum Jahresende 50 Prozent sein. Die Schufa selbst zeigt sich zufrieden. Schufa-Chefin Tanja Birkholz sagt: „Wir gehen in unserer Branche voran und setzen einen neuen Standard für transparente Bonitätsbewertung.“ Die Schufa sieht sich seit geraumer Zeit unter Druck, was die Transparenz angeht. Mit dem neuen Schufa-Score hat sie gehofft, einen Weg in die richtige Richtung zu machen. Sogar Verbraucher- und Datenschützer lobten den neuen Ansatz überwiegend. Historische Daten in der Kritik Doch die Vergangenheit holt die Auskunftei ein, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die Schufa bewahrt historische Daten auf, etwa Informationen über alte Kredite, Pfändungen oder Privatinsolvenzen, nach eigenen Angaben bis zu zehn Jahre lang. Nun ist ein Streit darüber entbrannt, ob die Schufa das darf. Die Auskunftei gibt sich selbstbewusst und sagt, man habe ein legitimes Datenarchiv. Wie legitim das ist, werden wohl Gerichte klären. Denn die europäische Datenschutzorganisation NOYB hat die Schufa Ende August abgemahnt und eine Unterlassungserklärung gefordert. Das wiederum wies die Auskunftei entschieden zurück: „Wir werden die Speicherung historischer Daten vor Gericht verteidigen, auch wenn wir bis vor den Bundesgerichtshof gehen.“ Nun hat NOYB eine Unterlassungsklage angekündigt. Die Schufa argumentiert, sie speichere historische Daten „gerade deshalb, um gesetzliche und regulatorische Anforderungen zu erfüllen“. Die Daten würden „gemäß den gesetzlichen Vorgaben und der mit den Datenschutzbehörden vereinbarten Speicherfristen“ aufbewahrt. Historische Daten seien erforderlich, um wissenschaftlich belastbare Bonitätsbewertungen (Scores) zu entwickeln und deren Qualität zu überprüfen. Der NOYB-Vorsitzende Max Schrems will das nicht gelten lassen: „Die Argumente der Schufa sind völlig grotesk. Anscheinend glaubt die Schufa, über den europäischen Gesetzen zu stehen.“
