FAZ 11.09.2026
12:40 Uhr

Neuer Stadtkurs: Was sich Madrid von der Formel 1 verspricht


Für die spanische Hauptstadt ist es ein kleiner Triumph. Nicht nur in Barcelona, sondern auch mitten in Madrid geht die Formel 1 an den Start. Die Boliden sollen mehr Touristen bringen.

Neuer Stadtkurs: Was sich Madrid von der Formel 1 verspricht

Madrid feiert bereits seinen Sieg. Die Formel 1 kehrt von diesem Wochenende an in die spanische Hauptstadt zurück. Das letzte Rennen hatte 1981 in Madrid stattgefunden, auf der Jarama-Rennstrecke nördlich der Hauptstadt. Um den ewigen Rivalen Barcelona den „Großen Preis von Spanien“ abzujagen, baute die konservative Stadtregierung für mehr als 80 Millionen Euro einen neuen Stadtkurs, wie es ihn auf der Welt nur wenige gibt – als hätte die spanische Hauptstadt mit den Fußball-Champions-League-Mannschaften Real Madrid und Atlético sportlich noch nicht genug zu bieten. Das viel kleinere Barcelona hat mehr Touristen Im Rathaus hofft man darauf, dass die Formel-1-Fans Madrid entdecken und wiederkehren. Immer mehr Touristen begeistern sich inzwischen für die Metropole, die sie früher auf dem Weg an die Strände links liegen ließen. Elf Millionen Besucher waren es im vergangenen Jahr, 2026 erwartet man einen neuen Rekord, obwohl die Innenstadt oft überlaufen ist. Im viel kleineren Barcelona mit jährlich rund 16 Millionen Gästen ist man froh, dass die Touristenzahlen in den vergangenen Jahren nicht mehr stiegen. Für das Rennen am Wochenende reisen in Madrid gut 80.000 Besucher von außerhalb an, mehr als die Hälfte davon aus dem Ausland: Großbritannien, die USA, Mexiko und Frankreich führen die Liste der Herkunftsländer an. Für die Madrider Politiker ist die Rückkehr der Formel 1 die Krönung eines Jahres, in dem es wegen der vielen Großereignisse immer wieder eng in der Drei-Millionen-Stadt wurde. Im Juni machte der Rapper Bad Bunny dem Papst Konkurrenz, zu dessen Messe am Cibeles-Brunnen mehr als eine Million Gläubige kamen. Der Superstar, der auch Leo XIV. traf, hatte das Atlético-Stadion gleich für zehn Konzerte reserviert. Insgesamt hörten ihn mehr als 800.000 Menschen. Den Rekord in der Stadt hielt in diesem Jahr bisher die siegreiche Fußball-Nationalmannschaft. Nach ihrem WM-Sieg feierten 1,8 Millionen Menschen im Stadtzentrum ihre Heimkehr. Nach dem Rennen an diesem Sonntag (15.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Formel 1, bei RTL und Sky) macht die Sängerin Shakira in Madrid Station. Die spanische Hauptstadt ist die europäische Konzertresidenz ihrer „Las Mujeres Ya No Lloran World Tour“. Vom 18. September an tritt sie im eigens für sie errichteten Estadio Shakira zwölfmal auf. Es bietet 50.000 Zuschauern Platz. In der Stadt sind viele Hotels ausgebucht Der Rundkurs beginnt und endet an der Messe Ifema, die nur fünf Minuten vom Flughafen entfernt liegt. Die Strecke führt ganz in der Nähe des Trainingsgeländes von Real Madrid vorbei, jedoch nicht über den Castellana-Boulevard an den Cibeles-Brunnen vor dem Rathaus: Drei Viertel der Zuschauer werden mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen oder gleich in einem der Hotels in der Nähe der Strecke absteigen. Die Veranstalter behaupten, am Madring erwarte man am Wochenende mehr als 340.000 Zuschauer. Tatsächlich werden bei Formel-1-Rennen Wochenendbesucher gerne doppelt und dreifach gezählt. Gleichwohl: Das Rennen kommt an. Ferienwohnungen am Kurs kosteten dort zuletzt über das Wochenende bis zu 5000 Euro, ein Chalet war zeitweise für 17.000 Euro im Angebot. In der Stadt sind viele Hotels ausgebucht. Die Madrider Messe, die zu den Organisatoren und Investoren gehört, hat Erfahrung mit internationalen Großereignissen. Die Hallen hatten schon einen NATO-Gipfel, ein riesiges Feldlazarett während der Corona-Pandemie und die COP-Klimakonferenz beherbergt. Um die Hallen herum ist Platz. Auf knapp 5,4 Kilometern entstand eine Mischung aus Straßenkurs (rund 1,5 Kilometer) und permanenter Rennstrecke mit der spektakulären Steilkurve „Monumental“ und Tribünen für 110.000 Zuschauer. Die teuersten Drei-Tage-Pässe kosteten mehr als 1300 Euro. Die Bürgerinitiative „Stop Formula 1 Madrid“ blieb erfolglos Eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC schätzt die wirtschaftlichen Auswirkungen auf 467 Millionen Euro und sagt die Schaffung von 8850 Arbeitsplätzen in diesem Jahr voraus. Aber nicht alle sind begeistert. Die Bürgerinitiative „Stop Formula 1 Madrid“ versuchte vergeblich, vor Gericht einen Baustopp für Tribünen und Hospitality-Bereiche durchzusetzen. Den Einwohnern des Stadtteils Hortaleza machen besonders der Lärm und die Verkehrseinschränkungen Sorgen. Den Angestellten der Firmen in der Bürostadt am Messezentrum legte die Stadtverwaltung nahe, im Homeoffice zu arbeiten. Ganz hat Madrid Barcelona am Ende nicht ausgestochen. Spanien richtet 2026 zwei Formel-1-Rennen aus: Vor dem „Großen Preis von Spanien“ auf dem Madring im September ging bereits der „Formula 1 Barcelona-Catalunya Grand Prix“ am 14. Juni 2026 unweit der katalanischen Mittelmeermetropole über die Bühne – wie seit 1991 auf der Bahn von Montmeló. Das Rennen in Barcelona findet nun bis mindestens 2032 im Wechsel mit Spa-Francorchamps alle zwei Jahre statt. In vier Jahren gibt es also zweimal Formel 1 pro Jahr in Spanien. In Madrid läuft der Vertrag bis ins jahr 2035. So lautet der Plan. Aber in Spanien hat man das Beispiel von Valencia nicht vergessen. Dort wurde schon einmal für viel Geld in der Nähe des Hafens ein Stadtkurs gebaut. Die Formel 1 fuhr dort zwischen 2008 und 2012 nur fünfmal. Hohe Kosten, Korruption und abnehmendes Interesse trugen damals dazu bei, dass der Vertrag vorzeitig endete und die Regionalregierung und damit letztlich die Steuerzahler auf Kosten von bis zu 300 Millionen Euro sitzen blieben.