Vermögende Araber aus den Golfstaaten sind in London eine wichtige Kunden- und Investorengruppe. Viele Hotels und Luxusgeschäfte wie Harrods leben von ihnen. Aber manchmal gibt es auch Probleme. Eines der teuersten Fünfsternehotels der Stadt, das „Dorchester“, ist nun wegen offener Rechnungen erfolgreich gegen ein Mitglied der qatarischen Herrscherfamilie Al Thani vorgegangen. Scheich Nasser bin Abdullah Al Thani – der wegen eines spanischen Falls per internationalem Haftbefehl gesucht wird – soll in London Hotelrechnungen über fast 460.000 Pfund nicht bezahlt haben, umgerechnet mehr als eine halbe Million Euro. Das Hotel aus dem Stadtteil Mayfair hat gegen ihn geklagt und bekam nun recht, wie die „Financial Times“ berichtet. Das „Dorchester“ darf ein gepfändetes Auto des Scheichs, einen Fiat 500 Abarth Tributo Ferrari, verkaufen. Der sportliche Kleinwagen soll etwas mehr als 20.000 Pfund wert sein. Allerdings wird dieser Erlös in keiner Weise ausreichen, um die unbezahlten Rechnungen zu begleichen. Die Zimmerpreise in der Nobelherberge liegen bei mindestens 1000 Pfund, manche Suiten kosten sogar 8000 Pfund je Nacht. Um Schulden von Hunderttausenden Pfund aufzuhäufen, muss der Scheich aus Doha monatelang im „Dorchester“ genächtigt haben. Gegenüber der Zeitung äußerte ein Anwalt von Al Thani, er sei über die Vorgänge und Forderungen nicht richtig informiert gewesen. Er bestreite die Summe der Rechnungen und wolle sich dagegen juristisch wehren. Der noch junge Scheich ist zwar Mitglied der weitverzweigten Herrscherfamilie, aber nicht an der Regierung Qatars beteiligt. Ex-Vizepräsident des FC Malaga per Haftbefehl gesucht Er war Vizepräsident des spanischen Fußballclubs FC Malaga, der mehrheitlich seinem Vater Abdullah bin Nasser Al Thani gehörte. Dort endete seine Tätigkeit im Jahr 2020 mit einem richterlichen Urteil, das der Familie finanzielle Unregelmäßigkeiten vorwarf. Im Juli 2026 ergingen auf Antrag spanischer Behörden Europol-Haftbefehle gegen Al Thani und seine Söhne. Die spanischen Staatsanwälte werfen ihnen vor, Millionen veruntreut zu haben. Zeitweise sollen die Söhne auch in München gelebt haben. Investoren aus Qatar sind in Großbritannien überaus aktiv und haben bedeutende Investitionen getätigt. Beispielsweise kaufte der Staatsfonds Qatar Investment Authority (QIA) das Luxuskaufhaus Harrods vor anderthalb Jahrzehnten für geschätzt 1,5 Milliarden Pfund. Der QIA gehört auch der Wolkenkratzer The Shard, Westeuropas größtes Hochhaus. Die Qatarer halten zudem Beteiligungen am Immobilienkonzern des Bankenviertels Canary Wharf, am Flughafen Heathrow, am Börsenkonzern LSE und an der Großbank Barclays. Mitgliedern der qatarischen Herrscherfamilie gehören auch einige der teuersten Hotels, darunter das „Berkeley“, das „Claridge’s“ und das „Connaught“. Das berühmte „The Ritz“ wurde vor sechs Jahren vom qatarischen Geschäftsmann Abdulhadi Mana Al Hajri übernommen. Er ist ein Schwager des aktuellen Emirs von Qatar. Das „Dorchester“-Hotel wiederum, das mit dem aktuellen Fall in die Schlagzeilen geriet, gehört der Brunei Investment Agency, dem Staatsfonds des Sultans des fernöstlichen Staates.
