FAZ 23.09.2026
16:51 Uhr

Olympia-Bewerber: Berlins konsequenter Rückzug


Egal, ob München oder Köln und Rhein-Ruhr: Der deutsche Olympia-Bewerber wird vor den Augen des IOC nur der zweitbeste Kandidat des DOSB sein. Die Nummer eins ist am Ende – und steigt aus.

Olympia-Bewerber: Berlins konsequenter Rückzug

Es geht um mehr als um Olympische Spiele in einer Stadt oder einer Region. Es geht beim harten Ringen der Deutschen um ihre Olympiatauglichkeit um ein Comeback des Spitzensports in diesem Land, hoffentlich um eine Bewegungsinitiative für Klein und Groß im ganzen Land. Darüber schwebt aber auch die Hoffnung, eine zunehmend vermisste Fähigkeit, mal wieder was ganz Großes, etwas wunderbar Bewegendes, vielleicht Vereinendes hinzukriegen. In Berlin ist das leider nicht gelungen. Man könnte das erneute Scheitern der Hauptstadt mit dem Hinweis übertünchen, es gebe doch noch zwei Kandidaten mit München und der Region Rhein-Ruhr samt Köln, die ohnehin bei der Evaluierung ihrer Eignung besser abgeschnitten haben mit 87 sowie 85 Punkten gegenüber den abgeschlagen wirkenden Berlinern (gut 74). Die beiden haben die Chance, am Samstag bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) das Rennen der deutschen Bewerber für die Sommerspiele 2036 in geheimer Abstimmung zu gewinnen. Vertrauen zertrümmert Denn München und Rhein-Ruhr bieten, was sich der deutsche Sport, teils getrieben von den verunglückten sieben Bewerbungen in den vergangenen Jahrzehnten, offiziell so sehr gewünscht hatte: die Unterstützung ihrer Bürger (66 Prozent) und das „Ja“ der Politik. Berlin ist letztlich am „Nein“ der Linken gescheitert, deren Triumph bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus das Vertrauen in die Umsetzung des Olympiaprogramms zertrümmerte. Warum also groß und bedauernd zurückschauen? Weil die deutschen Olympiafreunde beim Blick nach vorne unweigerlich wieder auf die Hauptstadt zu sprechen kommen müssen. Denn mit den noch viel zu sehr aufs Regionale fixierten Geschichten von München und Rhein-Ruhr, mit dem zu klein gefassten Storytelling also, wird sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) kaum überzeugen lassen. Die Mitglieder aus aller Welt interessieren sich (leider) weder für eine stabile Demokratie noch für den deutsch-deutschen Einigungsprozess. Entscheidend wird letztlich die internationale Strahlkraft eines Kandidaten sein. Gewonnen hat in dieser Kategorie der Evaluation mit deutlichem Vorsprung – Berlin. Großes Selbstbewusstsein Anders gesagt: Die Deutschen treten, wer auch immer in Baden-Baden in einem vermutlich knappen Wettbewerb gewinnt, mit dem vorerst noch weitaus Zweitbesten ins internationale Rennen. Es stimmt: Diese Behauptung passt weder zum Selbstverständnis der bayerischen Olympiamacher unter ihrem Regenten Söder noch zur Selbsteinschätzung der Spieleplaner in Nordrhein-Westfalen: Als führe „kein Weg an Rhein-Ruhr vorbei“. Man habe auch international die besten Chancen. Das Aufplustern kurz vor dem nationalen Finale gehört zum Spiel. Wer seinen Athleten auf die Sprünge helfen will, mehr Medaillen fordert, sollte eine Siegermentalität (erfolgreich) vorleben. Dabei, das ist seit Bekanntgabe der Evaluierungsergebnisse zu hören, steigt die Zahl der unsportlichen Grenzübertritte. Auch ein Zeichen für die große Nervosität unter den Kandidaten. Das Große gerät dann aus dem Blick. Aber Berlin setzt mit der am Mittwoch getroffenen Entscheidung, am Donnerstag den Rückzug zu verkünden, ein Signal zur Besinnung. Als der Olympiabeauftragte Kaweh Niroomand erklärte, die Berliner Linken-Chefin „Frau Eralp“ habe mit ihrer Ablehnung nach der Wahl „innerhalb von 45 Sekunden die ganze Bewerbung vom Tisch gewischt“, war die Kampagne endgültig verloren. Die Gefahr, dass München oder Rhein-Ruhr/Köln als sichere Kandidaten im ersten Wahlgang am Samstag in Baden-Baden ausscheiden, ist nun gebannt. Das dient der Sache.