FAZ 17.03.2026
15:05 Uhr

PSG in Champions League: Die Sorgen und Nöte von Paris Saint-Germain


Noch vor einem Jahr war Paris Saint-Germain das Maß aller Dinge im europäischen Fußball. In dieser Saison wirkt die Mannschaft überraschend instabil. Was steckt dahinter?

PSG in Champions League: Die Sorgen und Nöte von Paris Saint-Germain

Der Erfolg von Paris Saint-Germain gegen den FC Chelsea (5:2) am vergangenen Mittwoch im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League endete mit einer Ehrenrunde. Die Körper waren von der Intensität des Spiels erschöpft, aber die Stimmung war ausgelassen wie selten zuvor in dieser doch schwierigen Saison. Im Parc des Princes herrschte eine Art kollektives Glücksgefühl, das in den vergangenen Monaten nicht so häufig zu spüren war. Der Titelverteidiger beendete die Ligaphase in der Königsklasse auf einem enttäuschenden elften Platz. Und in den Play-offs gegen die AS Monaco setzte man sich nur sehr knapp durch gegen ein Team, das sowohl im Hin- als auch im Rückspiel die zweite Halbzeit mit einem Mann weniger bestritt. Vor dem Anpfiff des Achtelfinal-Hinspiels gegen Chelsea war in Paris eine gewisse Anspannung vernehmbar. Gut 90 Minuten später hatten die Spieler von Trainer Luis Enrique ein Ausrufezeichen gesetzt, nach einer unglaublichen Schlussphase mit drei Treffern. „Wir haben gezeigt, dass man uns noch lange nicht abschreiben sollte“, sagte der Gewinner des Ballon d’Or 2025, Ousmane Dembélé, in den Katakomben des Pariser Stadions. Hinter dem spektakulären Erfolg verbergen sich jedoch noch einige offene Fragen. Während der Pariser Angriff abermals stark aufspielte, wirkte die Defensive weiterhin instabil. Seit dem 13. Februar hat PSG wettbewerbsübergreifend in sieben Spielen zwölf Gegentore hinnehmen müssen. Für eine Spitzenmannschaft, die ihren Titel im prestigeträchtigsten Wettbewerb in Europa erfolgreich verteidigen möchte, ist das keinesfalls wenig. Hakimi tut sich schwer, zu seiner alten Form zurückzufinden Gegen Chelsea verdeutlichten die beiden Gegentore die Schwächen, die bereits in den vergangenen Wochen zu beobachten waren. „Wir sind eine Mannschaft, die sehr offensiv spielt. Wenn man so spielt, kann man Gegentore kassieren“, fasste Kapitän Marquinhos es lapidar zusammen. „Nichtsdestotrotz bleiben wir sehr solide, auch wenn wir manchmal zu viel zulassen. Das Wichtigste ist jedoch, dass wir gewinnen und mit diesem komfortablen Vorsprung ins Rückspiel gehen.“ Auch die Leistung von Achraf Hakimi bereitet Enrique einige Kopfschmerzen. Der marokkanische Außenverteidiger zeigte eine ordentliche Partie, die durch eine Vorlage und mehrere auffällige Aktionen auf seiner Seite geprägt war. Doch körperlich hinterließ er wieder einmal einen mittelmäßigen Eindruck. Das Spiel ließ die Debatte über seine aktuelle Form wieder aufleben. Seit dem schmerzhaften Scheitern im Afrika-Cup-Finale mit Marokko tut sich der ehemalige Dortmunder schwer damit, zu seiner gewohnten Spielstärke zurückzufinden. Sollte Paris sein europäisches Abenteuer fortsetzen und auf Teams wie den FC Liverpool oder Bayern München treffen, wird ein Hakimi benötigt, der auf beiden Seiten des Spielfelds noch dominanter und genauso torgefährlich wie in der vergangenen Spielzeit aufspielt, als er sowohl im Viertelfinale gegen Aston Villa als auch im Halbfinale gegen den FC Arsenal und im Endspiel gegen Inter Mailand jeweils einen Treffer erzielte. Auf der Torwartposition herrscht seit dem Weggang von Gianluigi Donnarumma zu Manchester City einigermaßen Chaos. Neuzugang Lucas Chevalier vom OSC Lille konnte seine Chance nicht nutzen und musste nach einigen Patzern seinen Stammplatz an Matwei Safonow abgeben. Der Russe ist aber auch kein Torhüter, der Weltklasse verkörpert. „Das hat PSG völlig verpasst“ Die Tatsache, dass sich die Verantwortlichen im vergangenen Sommer entschieden haben, die Mannschaft bewusst nicht zu verstärken, sondern der gleichen Elf das Vertrauen zu schenken wie in der Vorsaison, könnte sich als fatal erweisen. Dem frühen Aus im französischen Pokal könnte eine weitere Enttäuschung in der Ligue 1 folgen, wo man sich ein unerwartetes Kopf-an-Kopf-Meisterrennen mit dem RC Lens leistet. „Es ist keine einfache Saison für PSG. Die Mannschaft scheint mir weder fit noch gierig genug zu sein“, sagte der ehemalige französische Nationalspieler Christophe Dugarry, heute Experte beim Radiosender RMC Sport. „Natürlich wirst du als Titelverteidiger mehr denn je gejagt, dafür sollte man sich konsequent verstärken, was PSG völlig verpasst hat.“ Nach wie vor hat Luis Enrique seine Mannschaft im Griff. Die kurzfristige europäische Zukunft seines Klubs wird davon abhängen, ob er in der Lage ist, seine Elf wieder an das Niveau des Endspurts in der vergangenen Saison zu hieven und somit der erste Verein seit der AC Mailand (1988–1990) zu werden, der nicht Real Madrid heißt und seinen Titel in der Königsklasse dennoch erfolgreich verteidigt. Daran scheint auch dem französischen Ligaverband gelegen: Bereits Ende Februar hatte er angekündigt, dass das ursprünglich für das vergangene Wochenende angesetzte Ligaspiel zwischen Paris und dem FC Nantes verschoben wird, damit sich PSG „so gut wie möglich“ auf das Rückspiel an diesem Dienstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei DAZN) in London vorbereiten könne.