FAZ 12.09.2026
14:01 Uhr

Reform UK: Farage eilt zu neuen Spendenrekorden


Die Rechtspopulisten von Reform UK sammeln rund 40 Millionen Euro als Einzelspende ein – ein Rekordbetrag. Doch die Ermittlungen wegen früherer Zuwendungen gehen weiter.

Reform UK: Farage eilt zu neuen Spendenrekorden

Die Partei des britischen Rechtspopulisten Nigel Farage hat zwei Spenden von umgerechnet jeweils mehr als 40 Millionen Euro erhalten; die größten jemals in Großbritannien vergebenen Parteispenden. Das Geld stammt von zwei sogenannten Krypto-Finanziers, die ihre Vermögen größtenteils im asiatischen Ausland erworben haben. Zunächst berichteten britische Medien am Wochenende über die Spende des Geschäftsmannes Ben Delo, der angab, er habe eigentlich eine Million Pfund monatlich für die nächsten drei Jahre an Reform UK spenden wollen. Dann aber habe er sich zur Überweisung der gesamten Summe entschlossen, da er befürchte, dass die gesetzlichen Regelungen für Parteispenden von der regierenden Labour-Partei demnächst verschärft werden könnten. Anschließend meldete sich in der Zeitung Daily Telegraph der Spender Christopher Harborne, der vor zwei Jahren schon eine persönliche Zuwendung von neun Millionen Pfund (etwa 10,5 Millionen Euro) an den Reform UK Parteichef Nigel Farage überwiesen hatte, und kündigte an, der „Wettbewerbsgeist“ treibe ihn dazu, mit Delos neuer Spende gleichziehen zu wollen und ebenfalls nochmals 36 Millionen Pfund an Farages Partei zu spenden. Bislang existieren im Vereinigten Königreich keine Obergrenzen für die Spenden inländischer natürlicher Personen. Hingegen sind Spenden von Ausländern an politische Parteien untersagt. Die Londoner Polizei ermittelt seit einigen Tagen, ob Farages Partei gegen diese Regelung verstoßen hat, nachdem Berichte bekannt wurden, dass zwei Mitarbeiter der Parteiführung willens waren, Spenden eines vermeintlichen amerikanischen Geschäftsmannes anzunehmen und damit unter anderem Meinungsumfragen im Auftrag der Partei zu finanzieren. Aktivisten einer Klimaschutzgruppe hatten sich als Spender ausgegeben und den Sachverhalt an die Medien weitergegeben. Gegen den Reform-UK-Parteivorsitzenden Farage ermitteln Polizei und die Aufsichtsbehörde des britischen Parlaments auch in der Angelegenheit der ersten Harborne-Spende. Die hatte Farage 2024 vor der Bekanntgabe seines Comebacks in die Politik und seiner Kandidatur für das Unterhaus erhalten, er hatte diese Zuwendung später als Abgeordneter aber nicht im Register seiner wirtschaftlichen Interessen aufgeführt. Farages Begründung lautet, es habe sich um ein rein persönliches Geschenk und nicht um eine Parteispende gehandelt. Die fünf Millionen Pfund seien ihm ohne jede Auflage oder Erwartung einer Gegenleistung gewährt worden: „Ich hätte mir auch lauter Ferraris davon kaufen können“. Er ließ sich vor rund einem Monate in seinem Wahlkreis Clacton-on-Sea abermals zum Abgeordneten wählen, um zu demonstrieren, dass die Einwohner ihn dort in seinem Mandat trotz der umstrittenen Spende unterstützen. Die Ermittlungen in dieser Sache werden jedoch weitergeführt. Spender wollte „faire Auseinandersetzung“ ermöglichen Neben den Millionenspenden für Reform UK verzeichnete nur die Konservative Partei vor einigen Jahren eine Einzelspende in Höhe von zehn Millionen Pfund aus einer Erbschaft. Der Unternehmer Lord David Sainsbury spendete den Liberaldemokraten vor sechs Jahren die einzelne Summe von acht Millionen Pfund. Der Reform UK Spender Delo schrieb in einem am Freitag erschienenen Beitrag für die Zeitung Daily Telegraph, er habe mit seiner Spende von 36 Millionen Pfund „eine faire Auseinandersetzung“ zwischen den britischen Parteien ermöglichen wollen. Durch ihn hat Reform UK im laufenden Jahr bisher nun fünffach höhere Einnahmen als die Konservativen und sechsfach höhere Einnahmen als die regierende Labour-Partei erzielt. Labour kann allerdings in Wahlkampf-Jahren stets auf Millionenspenden der britischen Gewerkschaften vertrauen. Delo gab weiter an, er wolle mit seiner Spende das Zwei-Parteien-System in Großbritannien aufbrechen. Er warf der Labour-Partei vor, die Absicht, die Spendenhöhe für im Ausland lebende Briten auf 100.000 Pfund jährlich zu begrenzen, sei „äußerst antidemokratisch“. Der Krypto-Finanzier, der aus Sheffield stammt, hat gegenwärtig seinen Hauptwohnsitz in Hongkong, plant nach früheren Aussagen jedoch eine Rückkehr nach Großbritannien. Im vergangenen Jahr wurde er nach Verstößen seines Unternehmens gegen finanzielle Transparenzvorschriften in den Vereinigten Staaten von Präsident Donald Trump begnadigt. Der Spender Harborne beteuerte am Wochenende nochmals, er erwarte für seine Millionengabe keine Gegenleistung von Reform UK. Farage gab an, dank der Großzügigkeit von Delo und Harborne sei Reform UK nun in der Lage, „den Wahlkampf für die nächste Unterhauswahl auf einem ausgeglichenen Spielfeld zu kämpfen und zu gewinnen“. Mit den neuen Finanzmitteln würden „die hellsten und die besten Köpfe“ für die Partei angeworben, um den „umfassendsten Plan für eine Regierung“ zu erstellen. Nach Berechnungen der BBC ist die addierte Spendensumme von 72 Millionen Pfund höher als die Summe aller Spenden, die sämtliche politischen Parteien im vergangenen Jahr erhielten. Die oppositionellen Liberaldemokraten warfen Farage am Wochenende vor, er versuche seinen Weg in den Regierungssitz Downing Street 10 „wie auf einem Monopoly-Spielbrett“ zu ebnen. Auch die Liberaldemokraten verlangten, eine Obergrenze für Parteispenden müsse gesetzlich verankert werden.