FAZ 06.05.2026
14:55 Uhr

Schutz von Unterseekabeln: „Immer noch ist nicht allen die enorme Bedeutung bewusst“


Unterseekabel werden zunehmend zum Ziel hybrider Angriffe. Union und SPD bringen am Mittwoch einen Antrag zur „Kabeldiplomatie“ in den Bundestag ein. Nicolas Zippelius (CDU) erklärt, was dahintersteckt.

Schutz von Unterseekabeln: „Immer noch ist nicht allen die enorme Bedeutung bewusst“

Herr Abgeordneter, Sie bringen zusammen mit Kolleginnen und Kollegen von Union und SPD an diesem Mittwoch einen Antrag zur „Kabeldiplomatie“ in den Bundestag ein, in dem die Bundesregierung dazu aufgefordert wird, ihre Anstrengung zum Schutz der Unterwasserinfrastruktur zu verstärken. Warum? Unterseekabel sind eine zentrale kritische Infrastruktur, über 90 Prozent des globalen Datenverkehrs, aber auch große Teile unserer Energieversorgung erfolgen darüber. Die Kabel sind das Rückgrat unserer Wirtschaft. Zuletzt gab es vermehrte Schäden an dieser Infrastruktur, meist durch mutmaßlich hybride Angriffe. Daher hat man das Thema mittlerweile im Blick. Aber immer noch ist nicht allen die enorme Bedeutung bewusst. Wir wollen mit dem Antrag dazu aufrufen, dass die Bundesregierung ihre Anstrengung verstärkt. Deutschland muss beim Schutz der kritischen Infrastruktur vorangehen und schneller werden. Was fordern Sie konkret? „Kabeldiplomatie“ muss fester Bestandteil der deutschen Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik werden. Die hybriden Attacken auf die Infrastruktur dürfen nicht als Einzelfälle bewertet werden, sondern müssen im internationalen Kontext mit entsprechender strategischer Bedeutung für Deutschland eingeordnet werden. Wir brauchen bessere Fähigkeiten zur schnellen Erkennung, Reparatur und Wiederherstellung von Kabelschäden. Notwendig ist es zudem, zu prüfen, wie man im Seerecht die Rechte der betroffenen Staaten bei Kabelschäden stärken kann. Standorte von Unterwasserkabeln sind in öffentlichen Karten eingezeichnet. Ist das im Zeitalter hybrider Angriffe noch zeitgemäß? Die Frage muss man sich angesichts der Angriffe auf die kritische Infrastruktur in der Ostsee zuletzt stellen. Im Antrag fordern wir daher, zu prüfen, ob wir nicht Transparenz- und Berichtspflichten, die die Resilienz von Unterseekabeln beeinträchtigen können, verringern müssen. Russland kartografiert seit Langem die Unterwasserinfrastruktur in Ostsee sowie Nordatlantik, und es verfügt über die technischen Mittel, diese zu zerstören. Haben Deutschland und Europa den Schutz der Kabel verschlafen? Das Thema wird mittlerweile sehr ernst genommen. Das zeigt etwa der EU-Aktionsplan für mehr Kabelsicherheit vom Frühjahr 2025. Aber die Anstrengungen müssen intensiviert werden, auch mit Partnerstaaten jenseits Europas. China hatte im vergangenen Jahr bekannt gegeben, ein ferngesteuertes Unterwasserfahrzeug entwickelt zu haben, das auch in 4000 Meter Tiefe Kabel durchtrennen kann. Und auch das Regime in Iran hat zuletzt implizit angedroht, Unterwasserkabel in den Blick zu nehmen.