So etwas hat selbst der scharfsichtige Malaienkauz, der erkennbar die Nähe zu den Menschen sucht, offenbar noch nie gesehen. Entsprechend neugierig schaut er von seinem Ausguck im Lennebergwald zu den Forstarbeitern hinüber, die gerade dabei sind, trockene Holzscheite aufeinanderzutürmen. Denn ein fachmännisch angelegter Kohlenmeiler ist im Mainzer Stadtforst, der jährlich von etwa einer Million Menschen aufgesucht wird, wohl seit Jahrhunderten nicht mehr angezündet worden. Dabei erinnern Wegebezeichnungen wie Kohlen- und Brandschneise bis heute daran, dass es früher in der Region Köhler gegeben haben muss. Sie verstanden sich darauf, gut brennbare und im Vergleich zu Fällholz leichter zu transportierende Holzkohle für Schmieden und Backstuben herzustellen. Klimawandel bringt auch den Wald ins Schwitzen An diese Tradition will der vor 75 Jahren gegründete Zweckverband zur Erhaltung des Lennebergwaldes erinnern. Sein Jubiläum und das lange Fronleichnamswochenende möchte er dazu nutzen, interessierten Besuchern den eigens dafür in Betrieb genommenen Kohlenmeiler vorzuführen. Bei dieser Gelegenheit will man noch auf andere Besonderheiten des rund 700 Hektar großen Naherholungsgebiets zwischen Budenheim, Heidesheim sowie den Mainzer Stadtteilen Finthen und Gonsenheim hinweisen. Dabei steckt der Wald mitten im Umbau, weil es auf den sandigen Böden selbst den wärmeliebenden Kiefern, die vor 50 bis 70 Jahren gepflanzt wurden, mittlerweile zu trocken geworden ist. Was am 30. Oktober bei einem wissenschaftlichen Symposium zum Thema Klimawandel noch einmal erörtert werden soll. Gefeiert werden kann der Geburtstag des Zweckverbands unter anderem beim Familientag am 30. August, wenn im Grünen Haus nicht nur die neue Waldausstellung eröffnet, sondern mit dem Gartenschläfer „Lenny“ zugleich das künftige Maskottchen präsentiert wird. Wildbratwürste und kühle Getränke gibt es laut Förster Stefan Dorschel aber auch schon in den nächsten Tagen: rund um den Kohlenmeiler am Forsthaus, Im Wald 15 in Budenheim. Am Donnerstag gegen 17 Uhr soll der Mainzer Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) den Meiler entzünden. Bis dahin wird auf einer Fläche, auf der im Winter Weihnachtsbäume verkauft werden, die rund zwölf Raummeter große Konstruktion aus Ahorn- und Buchenholz errichtet, die danach mit Fichtennadelzweigen und Erde nahezu luftdicht verschlossen wird. Über einen seitlich angelegten Kanal ist es möglich, das in dem „Quandel“ genannten Zündschacht steckende Kleinholz mithilfe einer langen Fackel zum Brennen zu bringen. Bis Dienstag nächster Woche muss das Team des nun für kurze Zeit zum „Köhlermeister“ aufgestiegenen Forstwirtschaftsmeisters Florian Paulus dann rund um die Uhr darauf achten, dass die Verkohlung klappt und das Holz am Ende nicht gar verbrennt. Wenn der über dem Erdhaufen aufsteigende Rauch irgendwann nicht mehr weiß und dicht, sondern hell und fast durchsichtig ist, sollte das Werk gelungen sein. Ein paar „Füchse“ genannte Fehlstücke lassen sich rasch aussortieren. Die so gewonnene Jubiläumsgrillkohle soll laut Dorschel in Säcke verpackt und bei passender Gelegenheit im Waldladen des Grünen Hauses verkauft werden.
