Die Ökonomen des wirtschaftsliberalen Kronberger Kreises haben jüngst anlässlich der Vorstellung einer Studie eine interessante Formulierung gebraucht. Die Inflationswelle 2022/2023 sei „kein Betriebsunfall“ der Europäischen Zentralbank gewesen. Sie sei vielmehr „durch institutionelle Fehlanreize begünstigt“ gewesen. Man erinnere sich: Die Notenbank hielt damals recht lange an ihren Anleihekäufen aus der Corona-Zeit fest und erhöhte aus heutiger Sicht wohl zu spät die Zinsen. Der Wunsch, aus diesen Fehlern zu lernen, war bei den Notenbankern in den vergangenen Monaten recht deutlich zu spüren. Nicht zuletzt deshalb erhöhte die EZB im Juni die Zinsen, ohne dass es im EZB-Rat nennenswerten Widerspruch gegeben hätte. Nun herrscht nach wie vor noch viel Unsicherheit, wie es im Nahen Osten und mit dem Ölpreis weitergeht. Aber wenn man den Umfragen unter Unternehmen vertrauen darf, gibt es noch viele Pläne für Preiserhöhungen und damit Preisdruck. Man sollte das sicher nicht überdramatisieren. Bislang spiegeln die Inflationszahlen vor allem den Preisanstieg für Energie. Auswirkungen auf andere Preise gibt es vereinzelt, aber noch nicht in der Breite. Die EZB sollte reagieren, damit das so bleibt und aus der Energiepreisinflation keine Inflationsspirale wird. Nach fünf Monaten in Folge mit Inflationsraten von mehr als zwei Prozent ist eine Zinserhöhung im September durchaus angemessen.
